(Gitarre) all about that


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Beitrag von Michael (Jacuzzi) vom Juli 05. 2020 um 15:17:53:

Yeah, Jungs, schönen Sonntag erstmal,

die ersten aufgenommenen Spuren zu diesem Stück stammen von Herbst 2008. - Schön zu sehen, dass die Arbeit auch mal fix gehen kann: kaum sind zwölf Jahre rum, ist auch schon ein Lied fertig. Das meiste von dem, was ich damals aufgenommen habe, würde ich heute anders machen, aber die Konfrontation mit dem alten Ich ist manchmal auch ein bisschen reizvoll.

Zwischendrin war das Stück immer wieder löschungsreif – mir haben zwar irgendwie die Harmonien gefallen, aber ich habe nie so recht gewusst, wie ich weitermachen soll: Es hat sich keine Gesangsmelodie aufgedrängt, kein C-Teil, kein Arrangement, der Bass war sterbenslangweilig, alles dümpelte immer nur so vor sich hin. Zwischendurch habe ich mir das Lied immer mal wieder aus Pflichtbewusstsein angehört, und meistens habe ich es gehasst. Der komplette Ordner ist auch schon ein paarmal in den Papierkorb geflogen, aber dann habe ich ihn doch immer wieder rausgeholt: "Musik machen ist wie Schweine schlachten: Man schmeißt nix weg."

Die, wenn man so will, "Rettung" kam dann dieses Jahr mit dem C-Teil (der harmonisch gar kein C-Teil ist) und dem etwas südländischen Flair, das da reinkommt. Daraus hat sich dann plötzlich auch ein Gesang entwickelt und auf einmal ist das Stück, obwohl es das aller-aller-allerälteste auf meiner F-Platte war, auf die Überholspur geraten. Plötzlich hat’s dann auch mit dem Bass geklappt.

In diesem strukturkonservativen Forum habe ich ja regelmäßig gehört, ich solle die vocals von Effekten entfrachten, insbesondere weniger autotune nutzen. Und wie in jeder guten und langen Ehe kriegt man sich irgendwann gegenseitig klein: So habe ich tatsächlich, wenn ich heute vocals zusammenmische, immer so einen kleinen Aussensaiter-Papagei auf der Schulter sitzen, der mir ins Ohr brüllt, ich soll den Gesang nicht anfassen. Andererseits: Mein Gesang hat eben auch was Naturfalsches, und ganz ohne Bearbeitung geht es dann auch nicht. Über die Jahre hinweg haben die Voc-Effekte bei mir allerdings deutlich abgenommen.

Und wo wir gerade von "abgenommen" reden – insgesamt sind auch meine snares leiser geworden. Als ich vor 30 Jahren mit der Aufnehmerei angefangen habe, bin ich (damals noch mit ziemlich breiter Brust) nach dem Motto angetreten: "Wenn man alle Türen zumacht, in den Nebenraum geht und nur noch die snare hört, passt‘s." Das war der alte Prince-Einfluss, und das würde ich heute nicht mehr so sagen. Ob jetzt bei dieser snare (die teils noch mit einer cowbell angereichert ist) noch Luft nach unten ist, darüber kann man diskutieren.

Schließlich ziehe ich, insbesondere nach Einwänden aus der Bux-Ecke, in der Summe auch die limiter nicht mehr so hoch wie früher, so dass die Lieder insgesamt leiser werden. (Ein weiteres Beispiel dafür, dass a) der Prince-Einfluss nachlässt und b) dieses Forum beständige Auswirkungen auf den Aufnahmeprozess hat: Man möcht’s kaum glauben.)

So viel dazu – wer diesen ganzen Text gelesen und dafür dreieinhalb Minuten gebraucht hat: so lang ist das Stück ungefähr auch.

all about that

M.




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