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(Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hallo liebe Aussensaiter!

Folgende Akkordfolge bereitet mir Schwierigkeiten:

| C7/9 | D7#9 G7#5 |

Es fällt mir schwer, das tonale Zentrum festzumachen, sowohl C9 als auch G7#5 haben in meinen Ohren einen Tonikaklang, wobei G wegen der #5 wohl eher unwahrscheinlich ist, oder?

Angenommen C wäre unsere Tonika. Dann hätten wir die Funktionen:

| I7 | V7/V7 V7 |

Welchen Skalen kommen hier zum Einsatz?

I7 => mixolydisch?
V7/V7 => mixolydisch b13?
V7 => mixolydisch? mixo b13? alteriert (wegen der #5/b13)?

Irgendwie klingt alles ziemlich seltsam und mehr nach Mülltonne als Jazz oder so.

Über Hilfe würde ich mich sehr freuen. :-)

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hi Wego, nettes Gimmick, aber helfen tut es auch nicht.

Ich würde so herangehen:

1. Die genannten Akkorde klingen einfach nur scheisse.

2. Das sind alles (Dur)Dominat-Septakkorde, wenn auch mit unterschiedlichen Erweiterungen.

3. Septakkorde kann ich eh nicht leiden.

4. Tut das hier nix zur Sache.

5. Septakkorde kommen eigentlich immer nur auf der 5. Stufe vor.

6. Hilft mir 5. aber nun gar nicht weiter....

7. Stell die Akkorde einfach mal um, mache Moll draus und ändere die Erweiterungen:

Dm7b5 G13 Cm7/9

8. hast du dann eine II-V-I Verbindung in Moll und somit einen allerseits beliebten Turnaround....klingt gutund kommt immer an....

*ALLERFETTESTES GRINSEN*

Uli


Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hallo Soundfreund,
:
: | C7/9 | D7#9 G7#5 |
:
: Es fällt mir schwer, das tonale Zentrum festzumachen, sowohl C9 als auch G7#5 haben in meinen Ohren einen Tonikaklang, wobei G wegen der #5 wohl eher unwahrscheinlich ist, oder?

Interessante Ohren hast Du da ;-))
Kannst du das ganze mal in einen größeren Kontext setzen?
Welches Stück ist denn das, an welchere Stelle steht denn die Akkordfolge? (bestimmt nicht im ersten Takt, eher im Letzten)

So ist es relativ schwierig, viel schlaues zu Deiner Akkordfolge zu sagen.
Erstmal kannst Du beim Akkordespielen die Optionen weglassen, also einfache Dominantseptakkorde spielen. (Option="muß nicht")
Weiter sieht das ganze ziemlich nach einem Turnaround aus, es startet in C und geht wieder nach C zurück.
Die #9 ist ja nun im Prinzip die Mollterz, über den D-akkord einfach mit dorisch zu bügeln sollte funktionieren, über den G7#5 wäre (meine Meinung) am besten etwas Übermäßiges, also vielleicht eine Ganztonskala.
Was problemlos auch ginge, wäre beide Akkorde jeweils mit der alterierten Skala anzugehen, allerdings wird das dann ziemlich inflationär mit komischen Tönen und Tönen überhaupt.

Ich würde einfach versuchen, mit den Akkordtönen (also dom.7-Arpeggien) und eventuell den jeweilig angegebenen Optionen und/oder chromatischen Durchgangstönen zu arbeiten.
In einem halben Takt eine ganze Skala unterzubringen ist technisch ziemlich ambitioniert und klingt meistens Scheiße.
Keep it simple,
Gruß,
Woody

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hallo zusammen!

Nein, nein, die Akkordfolge ist genau richtig, das ist ein R&B - Stück von "Mary J. Blige", den Titel habe ich leider nicht mehr im Kopf, die Akkordfolge aber definitiv. Das ganze Stück basiert auf diesen 3 Akkorden, es gibt noch eine Bridge die aus C#7 und Cm7b5 (da hätten wir ja die II in Moll) - aber das wars dann auch. Und der C7/9 in den Strophen war definitiv kein maj7!

Aber was macht man denn nun Solo-technisch in so einem Stück? Mit Arpeggien und chromatischen Übergängen helfen? Gibt es keine Skalen die in diesem Kontext passen?

Auf jeden Fall schonmal herzlichen Dank für die Antworten!

Tschüssi, Soundfreund.

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hallo Soundfreund,

Zum über alle Akkorde drüber zu dudeln würd ich die G Bluesskala verwenden... *ggg*

Ansonsten find ich recht angenehm...:
Für den C7/9 Mixolydisch #4
für D7#9 vielleicht D alteriert
und für den G7#5 HM5

Gut ist, was gefällt!

Grüßle
Momentan aus Bad Vilbel ;-)
Stefan

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hallo Woody,


: : und für den G7#5 HM5
:
:
: Hast Du das ausprobiert?
: HM5 ist doch mit reiner 5 und großer 6,
: das finde ich persönlich etwas wild...


Hab ich das falsch beschrieben?

Noten: G Ab H C D Eb F

Mir gefällts. :-)

Zumindest hast Du mal vier Noten auf denen man sich ausruhen kann.

Grüßle
Stefan





Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

hallo!

für meine ohren ist das tonale zentrum absolut der C-akkord.

okay, C-moll wäre theoretisch natürlich glatter, aber ein C79 geht auch schon mal als bluestonika durch.

also wenn du da einfach eine bluespentatonic auf c drüber abspielst (und diese evtl. über dem C79 um die durterz e erweiterst), klingt das wunderbar soulig!

gruß martin

p.s.:
als C, Eb, E, F, G, Bb

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hi Martin,

Danke für die Antwort, hast Recht klingt prima! Aber sag, wie komme ich beim nächsten Mal selbst auf die Lösung? Wie geht man vor, um auf so eine (hier einfache) Antwort zu kommen? Probieren? Oder steckt hinter der Lösung immer eine Musik-theoretisch 100%ige Antwort?

Okay, ich habe gerade mal die einzelnen Töne der Akkorde aufgeschrieben und mit der C-Bluespentatonik verglichen - da hätte ich auch selbst drauf kommen können, dass das passt.

Aber wegen der Optionen bzw. Alterationen habe ich jetzt eher nach irgendeiner Skala aus HM oder MM gesucht, statt die "einfache" Pentatonik in Betracht zu ziehen. Sind das wirklich nur Erfahrungswerte, durch die man schnell hinter eine solche Akkordfolge steigt?

Pentatoniken, Modes (ionisch, HM, MM) habe ich jetzt brav gelernt, und wenn man mir sagt wo ich was einzusetzen habe, klappts auch, aber selbst entscheiden, wo welche Skala.. ohje ohje...

Grüße Soundfreund

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hi Soundfreund,

da sind wir fast wieder bei dem Tipp, der hier gegeben wurde, zu dem ich gesagt habe, das bringt einen auch nicht weiter.....

Mach es wie folgt:

Du malst Dir auf eine Seite "Strahlen" mit allen erdenklichen Skalen.

Ionisch: x - x - x x - x - x - x x
Dorisch: x - x x - x - x - x x - x

usw., aus denen Du die Halbton-Ganzton-Schritte erkennen Kannst.

Dann malst Du Dir die in einem benötigten Stück vorhandenen Akkorde ebenfalls auf, aber auf Transparentpapier, z.B. so

Cmaj7: X - - - X - - X - - - X -

Em7/9: X - X X - - - X - - X - -

Wenn Du dann die beiden Blätter übereinanderlegst, findest du zu jeden Akkord mdst. eine Skala, die passt.

Übrigens kann Em7/8 nicht zur dritten Stufe (phrygisch) gehören, da dort eine b9 vorkommen würde.
Auf diese Weise lernst Du auch die verschiedenen Erweiterungen b9, 9, 11, #11, b13, 13.... zu den jeweiligen Stufen.

Ich habe diese Arbeitsweise mal auf meinen Aussenjam No. 28 (Bossa for Joao, Akkordsheet findest Du dort) angewandt. War eine lehrreiche Übung.


Liebe Grüße

Uli

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hi Uli,

: Du malst Dir auf eine Seite "Strahlen" mit allen erdenklichen Skalen.
: [...]

Das möchte ich gern mal auf einem Workshop sehen. Auf einer Session. Wir machen doch wieder mal einen Workshop? Und eine Session? Wann ist denn überhaupt die nächste Session?
Du bringst dann das Transparentpapier und die ganzen Bastel-Utensilien mit? Fänd ich klasse.

Keep rockin'
Friedlieb

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hi Friedlieb,

endlich hab ich mal ein Thema für eine Session. Und dann auch noch in Theorie.... Freumodus = ON.....*g*

Klar mach ich das.

Liebe Grüße

Uli

P.S. WANN IST DENN DIE NÄCHSTE SESSION ??

P.P.S Für Frühsommer 2007 ist der Silvan (siehe Grimmesession) an einer Location ca. 50km östlich von Heilbronn dran, das wäre doch auch mal was für die Süddeutschen.


Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hi Friedlieb, Hi Soundfreund,

ich habe das jetzt mal wirklich so gemacht und erhalte folgendes Ergebnis:

C7/9 = mixolydisch / Melodisch Moll 4 (= mixo#11) / Melodisch Moll 5 (= mixo b13) / Lydian Minor

D7 #9 = harmonisch alteriert / HTGT / Blues-Skala / Hungarian

G7 #5 = HM 5 / MM5 (= mixo b13) / Ganzton / harmonisch alteriert / MM7 (= alteriert) / Enigmatic / Oriental / Leading Wholetone / Lydian Minor / Arabian (= Major Locrian) / Spanish Gypsy

So, die halbwegs bekannten Skalen (Durstufen, Melodisch und Harmonisch Moll) sind natürlich aus dem Haunschildt-Buch, die Exotic Scales stammen aus einen Artikel des Guitar Players vom August 1980 (tja, damals war das noch ne geile Zeitschrift....)

Wer sich das jetzt nicht vorstellen kann, kann den ganzen scheiss (upps) von mir auch als Excel-Arbeitsblatt haben, allerdings fehlen aktuell noch 18 exotic scales. D.h. da oben könnten auch noch ein paar mehr passen....

*advanced theorie modus = off*

Liebe Grüße

Uli

P.S. Und glaubt nicht, ich könnte auch nur eine der obigen Skalen wirklich aus dem ff spielen.... doch ! ... mixolydisch ...komisch, wo ich doch dominantseptimakkorde nicht leiden kann, aber dorisch finde ich auch sowieso besser....;-)

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hi Dan,

schade, ich wollte gerade noch ein paar schöne japanische Skalen hinterherschieben.

Prinzipiell gebe ich Dir vollkommen Recht.

Aber als dieser Artikel herauskam, habe ich mich mal eine Zeitlang mit dem Klang dieser Skalen beschäftigt und das war schon recht interessant.

Vermutlich könnte man eine Linie in solch exotischem Gewand auch als erste Hälfte dorisch, zweite Hälfte mixolydisch mit chromatischen Zwischentönen analysieren, aber einfach mal über einen gehaltenen Akkord solch ungewohnten Klangwelten zu erforschen....

.... erhöht ganz einfach Deine musikalischen Ausdrucksmöglichkeiten !

Ich bin ja auch froh, dass ich mich mit 6000 Vokabeln im italienischen besser ausdrücken kann als mit 500. Pizza bestellen kann ich allerdings mit beidem..... gelle, you know what I mean ;-)

Liebe Grüße

Uli

Ach ja, und im übrigen: ich spiel ja auch am liebsten über Em7 A, was eine primitive II-V Verbindung darstellt. Da brauch ich auch nicht lange überlegen sondern kann mit einer einzigen Skala abfeiern.... (Am D kann ich auch...)

Aber der Urheber des Threads schmiss hier drei so kaputte Akkorde in den Raum (die immer noch scheisse klingen.....) und stellte dazu eine Frage.... und selbige wollte halt eben beantwortet werden.....;-)

Und noch was: "schöne" Akkordfolgen gehen z.B so:

Em 9 / G6 / Gmaj7/A / Hm11

Das klingt nicht nur geil (ist übrigens von Jean Luc Ponty), da kann man auch wunderbar in dorisch drüber abfeiern....


Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Moin Dan,

Für mich ist die Musik ein Mittel zur Enspannung und zum Abschalten.
Mathe dagegen weniger :-)......Also entweder hör' ich's oder nicht.


Guter Punkt. Aber was Uli so akribisch aufgelistet hat, sind ja bloss Möglichkeiten,
was in der Theorie über die Akkorde gespielt werden könnte.

Die ganze Theorie hilft einem ja nicht, wenn z.B. die an sich "harmonisch korrekte"
mixolydisch#11 Skala im Songkontext einfach nur scheisse klingt, und das ganze
Skalenmaterial im geeigneten Moment (bei Metroneom 250 mit halbtaktigen Changes)
auch spontan parat zu haben und auch noch musikalisch einzubinden, schaffen sowieso
nur wenige, wie z.B. ein Michael Sagmeister, der aber nach eigenem Bekunden täglich
das ganze Zeug üben MUSS, weil er's sonst seine eigenen Songs nicht mehr spielen kann...

....im Gegenzug ist es aber auch ganz interessant, so eine Skala auszuprobieren, die
vielleicht im Moment etwas merkwürdig klingt, um mal einen anderen Höreindruck zu
bekommen...dann kann es nämlich schon sein, dass man es bei der nächsten Anwendung
"hört", das sowas merkwürdiges auch durchaus passen kann... (Und diejenigen, die gerne
BeBop spielen, kommen auch kaum um die "Mathematik" herum. Drum nach ich lieber Hardrock ;-))

Grüße,

Andreas

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hallo Uli,

: 7. Stell die Akkorde einfach mal um, mache Moll draus und ändere die Erweiterungen:
:
: Dm7b5 G13 Cm7/9
:
: 8. hast du dann eine II-V-I Verbindung in Moll und somit einen allerseits beliebten Turnaround....klingt gutund kommt immer an....



Wäre Dm7b5 G7b13 Cm7/9 (um genau zu sein: die b13 statt der 13) nicht klanglich entschieden besser für die II-V-I-Moll-Kadenz?

Groovigen Grooß
Kurt

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hallo Dan,

: bitte nicht mißverstehen, aber wenn ich mal meine Soli so vorbereiten muß, dann hat der Spaß ein Loch!
: Für mich ist die Musik ein Mittel zur Enspannung und zum Abschalten.


Bitte auch nicht mißverstehen: über Sinn und Unsinn von Skalen und theoretischer Vorbereitung von Soli wurde in den vergangenen Jahren hier viel diskutiert und gestritten. Seit etwa ein, zwei Jahren etwas weniger.

Such mal im Archiv nach dem Begriff "Schafscheiße", dann wirst Du auf den Thread stoßen, den ich meine. Der Tenor einiger Kollegen war (O-Ton): "Modes sind Schafscheiße. Basta."

Natürlich kann man die passenden Töne für ein Solo über eine vorgegebene Akkordfolge (mit Erweiterungen) auch raushören. Das ist sicher die bessere weil einprägsamere Lernmethode.

Die Skalen und deren Theorie bilden nur den theoretischen Unterbau, mit dessen Hilfe man die amtlichen, passend klingenden Töne systematisch finden kann. Klingen tun sie genauso wie die vom Gehör gefundenen, es sind nämlich die Gleichen.

Manchmal muß man zwar aus den Skalen ausbrechen und outside-Töne spielen, damit ein Solo richtig gut und abgefahren klingt, aber das ist wieder eine andere Geschichte.

ÜBEN mußt du so oder so, ob du nun nach Gehör übst oder den theoretischen Unterbau dazulernst. Beim Üben der Skalen nach Theorie sollten natürlich auch die Akkorde gleichzeitig gehört werden (von CD, aus dem Compi oder sonstwo her) - dann kriegst du den Klang der Skalen auch ins GEHÖR. Wenn du irgendwann genug geübt hast, dann brauchst du die die Skalen für ein Solo auch nicht mehr mathematisch zurecht legen, sondern das kommt aus dem FF. Dann kannst (und sollst!) du die ganze Skalentheorie wieder "vergessen", d.h. aus dem Bewußtsein verbannen, denn sie sollte in der Direktverdrahtung zwischen Ohr und Fingern abgespeichert sein. Und dann erst klingt das Solo ausgespielt über alle Changes und zugleich entspannt - auch ohne das Niveau eines M. Sagmeister erreicht zu haben. Der muß bei dem Tempo-Gefrickel noch viel mehr üben, dauerhaft.

Der Vorteil des theoretischen Systems: Du kriegst erst mal vorgegeben, welche Skalen über welche Harmonien du spielen+üben solltest, an welche Klänge (Soli-Farben über Akkorden) sich dein Gehör gewöhnen soll. Vieles ist da nämlich ungewohnt und klingt schräg/fremd, weshalb es für Nicht-Musikgenies allein mit Hilfe ihres Gehörs vielleicht nie zu entdecken wäre.

Ein weiterer Vorteil: du weißt was du spielst und warum es gut klingt oder schräg klingt. Du kannst das was du spielst mit amtlichen Namen bezeichnen und dich mit Kollegen darüber austauschen. Du weißt irgendwann, wenn Dir einer rät "Hey, spiel doch mal Natürlich-Moll über die und die Changes", was er meint und wie es klingen könnte, ohne es gehört zu haben.

Die Theorie sollte man nicht als "Schafscheiße" und für Freaks notwendiges Übel verdammen, sondern als systematische Hilfestellung sehen, wie man seinen musikalischen Horizont erweitern kann.

Aber man muß die Theorie nicht lernen, es geht auch mit Pentatonik und hier und da ein paar Erweiterungstönen. Das machen die allermeisten Gitarristen so, und es klingt auch entspannt. Skalengefrickel üben ohne Anwendungsbezug bringt dagegen nix.

Groovigen Grooß
Kurt

P.S: Ich beherrsche all die Skalen auch nicht, allenfalls die gängigen (dorisch, Mixo, Mixo#11, äolisch, harm.Moll). Und die restlichen Kirchentonarten (phrygisch, lydisch, lokrisch ...) abzuleiten ist zwar eigentlich nichts zusätzliches, aber den Kopf muß ich dann schon noch einschalten. Noch mehr mathematisch konstruieren muß ich bei den exotischeren Kandidaten, die Uli aufgezählt hat.
Und in den Fingern hab die eh nur die gängigen, aber auch nicht perfekt. Üben + Hören, das wär's. Es ist nach wie vor mein Ziel, das ganze Zeugs mal im Kopf, im Gehör und in den Fingern auf dem ganzen Griffbrett zu haben.

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

hallo soundfreund!

ich antworte nochmal hier oben, der thread weiter unten hat sich schon etwas verzettelt...

also ich habe mit diesem konzept ganz gute erfahrungen gemacht:

ich gehe einfach von einer normalen durtonleiter aus und schaue dann, was sich da verändern muss.

beispiel:
ich merke mir mixolydisch nicht modal als leiter von G nach G (was bringt mir das?), sondern einfach die folgende änderung, nämlich die kleine septime Bb anstatt ein H.

genauso dorisch moll (welches ich liebe und ständig eigentlich überall benutze).

beispiel:
C-moll hat die töne c, d, Eb, f, g, Ab, Bb, c.

anstatt jetzt die tonabstände von D nach D auszurechnen, weiß ich halt, dass bei dorisch eine große sexte vorkommt (Ab wird also zu A). ich spiele also fröhlich C-moll und spiele halt lieber ein A anstatt ein Ab - na und!?

...und überhaupt ergibt sich das sowieso aus den akkordtönen. wenn für mich ein ton beim improvisieren nicht klingt, probiere ich halt die beiden anderen aus, die einen halbton höher oder tiefer liegen. wenn man dann ein stück hinreichend oft abgenudelt hat, weiß man halt mit der zeit, wo was funktioniert.

mit skalen bin ich jahrelang im unterricht geprügelt worden, hat mir aber überhaupt nichts gebracht (außer das mein spiel immer bekloppter wurde). irgendwann habe ich einfach mal was melodisches (und für mich gut und logisch klingendes) gespielt. mein gitarrenlehrer lobte mich dafür und ich fragte ganz verwirrt: "darf man im jazz denn auch melodien spielen?".

okay, meinen lehrer hat´s erst einmal die sprache verschlagen :-)
aber die kleine anekdote zeigt, wie wenig einem skalen wirklich bringen (meiner meinung nach).

witzigerweise habe ich ihn neulich nach über 10 jahren mal wieder in einem jazzclub getroffen. wir haben ein bisschen über alte zeiten geredet, und inzwischen unterrichtet er auch ganz anders, weil er mit seiner skalenmethode recht wenig erfolg hatte. jetzt hat er mehr einen ansatz, der aus einer mischung von akkord-eigenen-tönen und melodie ausgeht...

aber wie immer führen halt viele wege nach rom!

gruß martin

Re: (Gitarre) Akkordfolge / Skalen

Hi Uli

[...schnipp...]Wer sich das jetzt nicht vorstellen kann, kann den ganzen scheiss (upps) von mir auch als Excel-Arbeitsblatt haben, allerdings fehlen aktuell noch 18 exotic scales. D.h. da oben könnten auch noch ein paar mehr passen....
[...schnapp...]

Würdest du mir mal das Excel-Blatt per Mail schicken?
Das wäre nett. Interessiert mich.

Befasse mich auch immer wieder mal mit Skalen, kann ganz schön trocken sein, wenn man nicht den direkten Praxisbezug hat. Versuche dann immer, das Ohr verstehen zu lassen was eigentich gemeint ist, also z,B. die Sache in Verbindung mit einem passenden Playback zu hören. Ich kenne Leute, gute (Improvisations-)Musiker, die haben keinen blassen Schimmer vom theoretischen Hintergrund dessen was sie da eigentlich machen, aber sie machen scheinbar genau das richtige. Das finde ich bewun/nei/acht/staunenswert. Wenn die dann auch noch den theoretischen Background hätten, würden sie vielleicht nochmal einen Sprung nach vorn machen.

Schönen Gruß
feko (Felix)

mail: organspende ät saeuferleber.de

Danke!!

@ Uli, Andi und Kurt

Hallo Kurt, Andi und Uli,

ich bin ja gar nicht der Meinung, daß die Theorie "Schafscheiße" oder überflüssig sei.
Aber ich für mich selber hätte einfach keine Lust mich mit Skalen über Changes "mathematisch" zu beschäftigen, die ich so ohne weiteres nicht hören kann.
Das hängt vermutlich damit zusammen, daß ich die Musik von Anfang an nach dem "Lustprinzip" betrieben und mir das so nach und nach draufgeschafft habe, was ich gerne auf Platte gehört hab.

Ich hab mir im Nachhinein schon musiktheoretische Grundkenntnisse angeeignet, aber eher deshalb, daß ich mit anderen Musikern besser über die Musik kommunizieren kann.
Letztendlich bin ich ich froh, daß ich als Amateur das machen kann, was mir persönlich Spaß macht und soweit einsteigen kann, wie ich will. Für mich ist Musik Entspannung und ich will ehrlichgesagt mich nicht dabei verkopfen müssen (daß muß ich schon im Beruf zu Genüge :-).

Wenn jemand sich gerne mit der Theorie beschäftigt, warum denn nicht, wenn's ihm Spaß macht?

Gruß
Dan

Re: @ Uli, Andi und Kurt

Hi Dan,

yo, ich finde auch, Du hast für Deinen Beitrag ganz schön viel "Haue" bekommen. ;-)

Ich für meinen Teil beschäftige mich gerne mit Theorie. Ich will halt einfach wissen, warum.
Ich komme auch immer wieder auf den Vergleich mit dem Sprachenlernen zurück. Im Italienisch habe ich mir auch die ganzen Konjugationen wie bekloppt in den Kopp geprügelt..... ob ich nun gut italienisch kann, steht auf einem anderen Blatt.

Aber zurück zur Musik und zu meinem Beitrag. Dort habe ich was von meiner aktuellen Liblings-Abfeier-Akkordverbindung erzählt:

Em9 G6 Gmaj7/A Hm11

Wenn Du sowas im Proberaum (oder bei einer Jam) anbietest, dann gibt es Leute, die wissen sofort, was da gemeint ist, andere müssen kurz überlegen und wieder andere werden da schon so ihre Schwierigkeiten mit haben....

Ich finde es schön, dass ich sowas kann. Ich fände es allerdings schöner, wenn ich zu Blue Bossa oder Autumn Leaves richtig schön jazzen könnte....

Fazit: Theorie muss nicht sein, aber schaden tut es auch nicht.

Harmonische Grüße

Uli