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(Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

Lujasogi,

und schon wieder fehlt mir in der Themenliste eine Möglichkeit, nämlich "Band". Es geht mir heute um das Miteinander in einer Band. Aber mal nicht um das "Wie werde ich ein guter Musiker? - Indem ich der Band diene!" im musikalischen Sinn, sondern vielmehr um soziale Aspekte wie den Aufbau und Abbau vor und nach dem Gig.

Man ist ja, gelegentlich abgesehen von der freundlichen Stagecrew, auch im Semiprofi-Bereich noch sein eigener Roadie. Und alle schleppen alles. Nicht der Drummer allein sein Drumset und die Sängerin nur ihr Mikro. So sollte es sein, und so ist es auch meistens.

Nun ist es mir aber inzwischen bei etlichen Bands passiert, daß einige Bandmitglieder diesen sozialen Part - mal vorsichtig ausgedrückt - eher zurückhaltend umsetzen.
Sagen wir mal: Treffen um 5, einladen, hinfahren, aufbauen, Soundcheck um 7, Einlaß um 8, Beginn um 9. "Ich kann aber erst ab 7!" Oder der Abbau: "Ich muß danach sofort fahren, meine Frau will mit mir noch spazieren gehen/über unsere Briefmarkensammlung diskutieren/schlafen."
Ist eigentlich in Ordnung. Kann jedem passieren, daß er mal keine Zeit hat. Gleicht sich im Laufe der Zeit aus. Aber wenn es immer dieselben sind?
Wenn jemand eine Zigarette von Dir will, denkst Du Dir nichts dabei. Auch bei der zweiten oder dritten. Wenn aber irgendwann Deine Schachtel leer/der Tabek alle ist und Du merkst, daß Du eigentlich selbst kaum geraucht hast, wirst Du stutzig.

Nun bin ich ein vehementer Verfechter der These, daß ein soziales System nur dann funktionieren kann, wenn jeder bereit ist, mehr einzuzahlen, als er entnimmt. Insofern sollte mich das nicht jucken.
Auch ist 'einfach rausschmeißen, das faule Pack' keine Lösung, wenn es sich um Leute handet, mit denen man gern Musik macht, die wichtig sind für die Band, die man mag etc.
Aber was tun?

Habt ihr ähnliche Probleme?
Wie geht ihr damit um?

Keep rockin'
Friedlieb

Re: (Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

Eine gewisse Steigerung erfahre ich wöchentlich, weil wir uns unseren (grossen, trockenen, geheizten, mit-Teppichboden-ausgelegten) Proberaum mit z.Z. fünf Bands teilen. Da gibt es die eine Fraktion, die es schön findet, wenn das Keyboard auf einem Teppich von Kronkorken weilt, und die andere, die keine Lust hat, dauernd durch einen Brei von gerissenen Saiten, Verpackungen und McDonalds-Schachteln zu waten. So kracht es regelmässig.

Nachdem ich (aus der zweiten Fraktion) Jahrzehnte lang gegrummelt und geflucht habe, ist mir irgendwann einmal der Kragen geplatzt und ich habe laut und deutlich meine Unzufriedenhaeit mit diesen Dingen kundgetan. Und siehe da: der Rest der zweiten Fraktion meldete sich überraschend auch.

Was nun Material-Transporte etc. angeht, kenne ich solche Probleme (noch) nicht.

Mein Eindruck in dieser Geschichte ist aber, dass gerade die, die sehr kooperativ und hilfsbereit sind, sich auch am schwersten tun ihre Wünsche und Kritik deutlich und klar zu formulieren. In diesem Prozess stecke ich selbst auch noch drin, aber ich habe zumindestens gelernt, mit solchen Dingen eben klar und deutlich umzugehen, und auch Konflikten nicht auszuweichen. Bisher mit positiven Erfahrungen.

Re: (Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

Ein schönes Thema, Friedlieb!

Auch in meiner Band kommt es öfter vor, daß jemand mal erst nach dem Aufbauen zum Gig kommt, oder daß er ansonsten daran gehindert ist, unangenehme oder beschwerliche Verrichtungen des Bandalltags mitzumachen.

Wenn das im Einzelfall so ist, ist es akzeptabel, wenn man sich andauernd abseilt nicht. Es ist eine Frage der Grundeinstellung. Ein Band funktioniert nur, wenn jeder sich in gewissem maße engagiert. Von Leuten, die nur die schönen Seiten absahnen wollen und nichts dafür tun wollen (das muß nicht aus bösem Willen sein) sollte man sich trennen.

Gruß
Bernd

Themenliste!!!

Hallo Friedlieb und alle anderen!

Wenn Ihr zusätzliche Begriffe oder Themen in der Themenliste haben wollt, müßt Ihr euch nur bei mir melden. Denn die zu erweitern ist absolut kein Problem!!

Also meldet euch!

Gruß Benjamin

Re: (Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

Hi Friedlieb,

ich glaub' Standardlösungen wird's nicht geben - deshalb hier der Weg wie es bei uns läuft.

In 90% aller Gigs haben wir 'ne geliehene PA - d.h. jeder trägt seinen eigenen Kram auf die Bühne und dem Bassisten mal bei seiner fetten Box zu helfen, is kein Aufwand - das andere (Mikros, Ständer, etc.) wir vom PA-Menschen aufgebaut.

In unseren Anfangszeiten (so mit eigener 'Gesangsanlage') haben wir uns, nachdem uns die von dir genannten Probleme auf den Keks gegangen sind, einen 'Roadie' geleistet. Es gab bei uns im 'Fankreis' genug Leute, die sowieso zu fast jedem Gig mitgefahren sind - unter feierlicher Übergabe von 100 Mark, sowie 'quasi Bandmitgliedschaft' waren immer irgendwelche Jungs zur Stelle.
Was das Geld betrifft - wir waren damals zu fünft und jeder war der Ansicht, daß einen 20 Mark p.P. mehr oder weniger weder reicher noch ärmer macht und um sich die Schlepperei und eventuelle Streitereien zu sparen, war es uns ganz einfach wert.

Was Pünktlichkeit, Schnorrerei, usw. angeht - ich denke, daß beschränkt sich bei diesen Leuten nicht nur auf die Band - die werden im 'normalen Leben' genauso sein. Und, so hart es klingt, denen ist nur mit Sanktionen zu Leibe zu rücken. Wir hatten mal 'n Schlagzeuger, der der absolute Profischnorrer war - da haben wir nach (wichtig!!) vorheriger Ankündigung einfach einen Teil der Gage einbehalten und dafür Getränke gekauft.

Nicht angemeldetes Fernbleiben von der Probe kostet 20 Mark, unentschuldigtes zu spät kommen kostet 5 Mark.
Mir ist auch klar, daß diese 'Strafmethoden' nicht gerade 'schön' sind - aber nach einigen Jährchen des Ärgerns, hat es sich zumindest bei uns als einzig auf die Dauer wirksames Mittel erwiesen.

So, das war's erstmal, bis später

Oly


Re: (Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

Wir haben bei uns das "sich drücken" amtlich und wechselweise organisiert.

Anstatt dass jedesmal die ganze Band antrabt werden die Jobs für jedes Konzert definiert und verteilt.

In der Praxis: Ich und Mat gehen Einladen, für den Aufbau kommt noch der Andy dazu, Abbau und Versorgen übernehmen die Anderen. So als Beispiel.

Vorteil: Man weiss was man zu tun hat, und vor allem wann man nichts zu tun hat. Da gibt es keine Diskussionen, wenn ich aufgebaut hab geh ich nach dem Gig zum Bier und schaue den Anderen beim Abbauen zu. Ausserdem steht man sich nicht gegenseitig auf den Füssen rum. Lieber drei Mann richtig, als sechs so ein bischen halbpatzig.

Dazu gehört auch, wer fährt der säuft nicht, etc.

Wichtig ist, dass die Jobs regelmässig neu verteilt werden. Bei uns funktionert das eigentlich tadellos. Oder besser funktionierte tadellos, wir haben uns inzwischen aufgelöst aber das ist eine andere Geschichte.

Gruss Manuel

Re: Themenliste!!!

Hi Benjamin,

: Wenn Ihr zusätzliche Begriffe oder Themen in der Themenliste haben wollt, müßt Ihr euch nur bei mir melden. Denn die zu erweitern ist absolut kein Problem!!

Das ist fein. :-)

: Also meldet euch!

Geschieht hiermit: Mir fehlt

- Die Band
- Announcement

Keep rockin'
Friedlieb

Re: (Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

Hi Rainer,

: Eine gewisse Steigerung erfahre ich wöchentlich, weil wir uns unseren (grossen, trockenen, geheizten, mit-Teppichboden-ausgelegten) Proberaum mit z.Z. fünf Bands teilen.

Uff, das sind ja ganz schön viele. Da kann ich mir schon vorstellen, daß es ab&zu mal kracht.

: Da gibt es die eine Fraktion, die es schön findet, wenn das Keyboard auf einem Teppich von Kronkorken weilt,

:-) Kenn ich auch.

: Mein Eindruck in dieser Geschichte ist aber, dass gerade die, die sehr kooperativ und hilfsbereit sind, sich auch am schwersten tun ihre Wünsche und Kritik deutlich und klar zu formulieren.

Das stimmt. Wenn man nett ist, hat man natürlich auch die Tendenz zum ausgenutzt werden. Aber dagegen muß man halt ankämpfen.

Keep rockin'
Friedlieb

Re: (Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

Hi Bernd,

: Auch in meiner Band kommt es öfter vor, daß jemand mal erst nach dem Aufbauen zum Gig kommt, oder daß er ansonsten daran gehindert ist, unangenehme oder beschwerliche Verrichtungen des Bandalltags mitzumachen.

Ja, das ist ja auch normal.

: Von Leuten, die nur die schönen Seiten absahnen wollen und nichts dafür tun wollen (das muß nicht aus bösem Willen sein) sollte man sich trennen.

Harte Worte. Nichtsdestotrotz natürlich an dieser Stelle willkommen, denn ich wollte ja Meinungen hören (lesen). Wir haben uns in der Tat mal von einem Bassisten getrennt, der so drauf war. Aber es kommt ja auch ein bißchen drauf an, wie wichtig jemand ansonsten für die Band ist. Ach wär' ich doch ein Schaf. Ich wäre jeden Morgen erneut verdutzt, wenn die Sonne aufgeht, könnte ansonsten das Leben genießen, und würde mich nicht über solche Dinge wie Sozialverhalten von Bandmitgliedern ärgern... ;-)

Keep rockin'
Friedlieb

Re: (Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

Hi Oly,

: ich glaub' Standardlösungen wird's nicht geben - deshalb hier der Weg wie es bei uns läuft.

Zustimmung und Dank.

: In 90% aller Gigs haben wir 'ne geliehene PA

Das ist schonmal gut. Das ist bei uns natürlich dann der Fall, wenn der Veranstalter bereits eine PA stellt. Inzwischen haben wir eine eigene PA und leihen uns gelegentlich was dazu, je nach Gig. In den meisten Fällen (vor allem wenn wir selbst der Veranstalter sind) müssen wir halt selbst die eigene PA aufbauen.

: In unseren Anfangszeiten (so mit eigener 'Gesangsanlage') haben wir uns, nachdem uns die von dir genannten Probleme auf den Keks gegangen sind, einen 'Roadie' geleistet.

Keine schlechte Idee.

: Was Pünktlichkeit, Schnorrerei, usw. angeht - ich denke, daß beschränkt sich bei diesen Leuten nicht nur auf die Band - die werden im 'normalen Leben' genauso sein.

Stimmt.

: Und, so hart es klingt, denen ist nur mit Sanktionen zu Leibe zu rücken. Wir hatten mal 'n Schlagzeuger, der der absolute Profischnorrer war - da haben wir nach (wichtig!!) vorheriger Ankündigung einfach einen Teil der Gage einbehalten und dafür Getränke gekauft.

:-)

: Nicht angemeldetes Fernbleiben von der Probe kostet 20 Mark, unentschuldigtes zu spät kommen kostet 5 Mark.

Harte Sitten. Aber ein bemerkenswerter Ansatz. Ich bring das mal ein auf der nächsten Probe.

Keep rockin'
Friedlieb

Re: (Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

Hi Manuel,

: Wir haben bei uns das "sich drücken" amtlich und wechselweise organisiert.

Auch keine schlechte Idee.

Aber was machst Du, wenn derjenige, der dran ist, Dir eröffnet, daß er leider nicht kann? Das Konzert absagen? Na gut, ist er dann halt beim nächsten mal zweimal nacheinander dran. Und wenn er dann wieder nicht kann?

: Dazu gehört auch, wer fährt der säuft nicht, etc.

Oh, wir haben einen Antialkoholiker mit großem Auto in der Band... :*)

Keep rockin'
Friedlieb

Re: (Philosophie) Die Band, der Roadie und der ganze soziale Quatsch

: Aber was machst Du, wenn derjenige, der dran ist, Dir eröffnet, daß er leider nicht kann? Das Konzert absagen? Na gut, ist er dann halt beim nächsten mal zweimal nacheinander dran. Und wenn er dann wieder nicht kann?

Dann ist das wie in jeder anderen Beziehung auch. Was ist Dir lieber; Ihre Titten oder Deine Ruhe?

Erziehen geht nur bis zu einem gewissen Grad, ansonsten muss man halt Konzessionen oder Konsequezen eingehen.

Mit dem Alter wird der Mensch wunder- und einsam ... seufz!!

Gruss Manuel