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(Gitarre) altes Thema der Kreativität.

N´Abend allerseits !

Aaalso, ich habe langsam die Schnauze voll. Ich bin nunmal primär am Knacken fürs Solieren (was ich in der Band eben ab und an auch mache, wenn´smal ein Solo gibt). Ich könnte halt lernen, schneller zu frickeln, aber das muss wirklich nicht sein.
Was mich aufregt das ist, dass ich von den "Uli"-Frasierungen nicht wegkomme. Es sind diese elenden, typischen und billigen Pentatonik "ein Ton nach dem anderen und Bending" Licks, die ich nicht rausbekomme. (oder Mal Moll, die Skalen machen mir insgesamt keien großen Probleme)

Ich habe im Unterricht schon sehr gute Sachen gemacht, Robben Ford oder Gary Moore. Das waren Soli mit einem völlig anderen Charakter als mein eigener Kram.
Aber obwohl ich das flüssig und denk mal knackig spielen kann, fließt es absolut nicht in meine Improvisation ein. Und wenn ich bewußt einwerfe, dann klingt es absolut steril. Wie wenn man beim Krächtzen plötzlich unmittelbar drei Sätze wirklich gut singt . . . oder Schlimmer ! Besonders die Rythmische Frasierung ist immer gleich, selbst wenn ich es anders versuche . . ganz komisch.

Was habt ihr denn für Erfahrungen gemacht, wie habt ihr euch von diesem Elendsgleis befreit, die Ketten der drei Standartlicks gesprengt, den Urknall des Frasierungsuniversums gezündet und die Dunkelheit des melodischen Kleingeistes erhellt ????

ich kann mich einfach selbst nicht mehr hören verdammt !

Einen wunderschönen guten,

Chicago.

Re: (Gitarre) altes Thema der Kreativität.

Hi.

Aus einem ähnlichen Grund habe ich angefangen, erstens zu versuchen "Jeff Beckig" oder "John Scofieldig" zu spielen (also mich selbst überraschend und kantig) und auch mehr Slide zu spielen. Man greift nicht mehr das was einem so schön und bequem unter die routinierten Finger fällt, sondern muss sich auf neuem Terrain bewegen, wo jeder Rutscher Gefahr und Chance ist.

Ob es objektiv etwas geholfen hat, weiss ich nicht. Aber wenigstens wurde meine Palette etwas grösser so dass ich mich nicht mehr selbst langweile.

Und was soll man von einem solierenden Gitarristen halten der sich selbst schon anödet.

Das arme Publikum.


Gruß,
groby
*

Re: (Gitarre) altes Thema der Kreativität.

Hi Uli,

: Aber obwohl ich das flüssig und denk mal knackig spielen kann, fließt es absolut nicht in meine Improvisation ein. Und wenn ich bewußt einwerfe, dann klingt es absolut steril.

das Problem kenn ich. Könnte ein interessantes Thema werden, eventuell sogar ein Workshop auf der Session? Grundsätzlich ist die Frage, wie man selbst da rauskommt. Kann man sich an seinen eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen? Ein Lehrer (oder mal ein anderer Lehrer) kann da sicher weitere/neue Impulse geben.

Aber Du kannst natürlich auch daran arbeiten, daß das Abspulen von Standard-Licks nicht steril klingt. Erstens tut es das vielleicht nur in Deinen Ohren. Zweitens kannst Du Dir ja auch ein improvisiertes Solo im Grundmuster erarbeiten und dieses Grundmuster so lange üben, bis es wirklich sitzt und Du von dort aus weitere Improvisationen anbringen kannst. Dann ist die Sterilität schnell weg.

: Was habt ihr denn für Erfahrungen gemacht, wie habt ihr euch von diesem Elendsgleis befreit, die Ketten der drei Standartlicks gesprengt,

Hast Du die Begriffe 2er, 3er und 4er-Phrasierung schonmal gehört? Wenn nein, ist auf der Gitarre schneller gezeigt als in Worten erklärt, kommst Du nach Darmstadt? Und Erics Artikel bei Just Chords hast Du schon durchgeackert, oder?

Vielleicht auch einfach mal ein paar Tage die Gitarre stehen lassen und einfach mal rausgehen oder ein gutes Buch lesen. Kann auch Kreativitätslöcher verschwinden lassen.

Keep rockin'
Friedlieb

Re: (Gitarre) altes Thema der Kreativität.

...Zweitens kannst Du Dir ja auch ein improvisiertes Solo im Grundmuster erarbeiten und dieses Grundmuster so lange üben, bis es wirklich sitzt und Du von dort aus weitere Improvisationen anbringen kannst...

hi friedlieb,

da muss ich "reinhauen", denn per definition ist die

Improvisation [lat.-italien.], 1. das Improvisieren, Kunst des Improvisierens. 2. ohne Vorbereitung, aus dem Stegreif Dargebotenes; Stegreifschöpfung, [an ein Thema gebundene] musikalische Stegreiferfindung u. -darbietung.

Die freie (spontane) Gestaltung eines Themas, bes. in den Bereichen Theater, Musik und Tanz. In der Musik Gegenbegriff zu Komposition. V.)a. im Jazz, in einigen Bereichen der Neuen Musik und in den meisten außereurop. Musikkulturen spielt die I. eine wichtige Rolle.


dank der "gnade des jazzigen daseins" meiner einer, gestallte ich ein solochorus
als - i m p r o v i s a t i o n - wie folgt:

das thema läuft "in der birne" weiter & das "innere" metronom ebenso; dann habe ich die ganze freiheit der gestalltung, inkl. der töne &/ oder akkorde die ich mitunter auch auslassen kann, denn der zuhörer "denk" ja mit !

nur als ergänzung, es gibt keine zwei solis von mir, die gleich sind ! je nach der stimmung, kondition, lokalität etc. wird´s anderste ;o)

das ist improvisation ! alles andere ist pauken &/oder nur eine kopie.

bis neulich.

emil


Re: (Gitarre) altes Thema der Kreativität.

Hi Emil,

: da muss ich "reinhauen",

kein Problem. :-) Eigentlich meinte ich das auch, hab mich bloß mal wieder komisch ausgedrückt.

: nur als ergänzung, es gibt keine zwei solis von mir, die gleich sind !

Bei mir auch.

: das ist improvisation ! alles andere ist pauken &/oder nur eine kopie.

Absolut. Aber Ulis Frage ging ja in die Richtung "Wie schaffe ich es, daß die gepaukten Sachen sich natürlich anhören". Und meine Lösung dafür ist: erstmal pauken und eine Basis schaffen. Dann in dem Bewußtsein, jederzeit zu dieser Basislinie zurückkehren zu können, frei improvisieren. Es improvisiert sich leichter und freier, wenn man ein Notfallprogramm für den Fall in der Tasche hat, daß die kreativen Ideen nicht kommen wollen. Meine Erfahrung ist sogar, daß die Existenz des Notfallprogramms sogar die Freiheit beim Improvisieren fördert.

So klarer?

Keep rockin'
Friedlieb

Re: (Gitarre) altes Thema der Kreativität.

: ich kann mich einfach selbst nicht mehr hören verdammt !

Moin Uli -

dann mach dich lauter *g*. Nein, Joke (obwohl auch manchmal die schiere Lautstärke hilft)... an den Punkt, das man sich selbst beim Spielen anödet, kommt fast jeder mal. Und natürlich stößt man am Anfang immer wieder auf Grenzen. Wobei du dir eigentlich erstmal fett auf die Schulter klopfen solltest: ich kann mich noch an die Berlin Session erinnern und jetzt sitzt du schon da und beschäftigst dich ernsthaft mit Robben Ford ... Hut ab, ich hab' mir nach so kurzer Zeit gerade mal an Johnny Ramone Riffs die Finger verknotet...

Aber zum Thema zurück ... ich selbst hab' auch nur ein relativ begrenztes "Vokabular" (sprich: Skalen/Riffs). Mein Trick, mit dem ich mich oft vor dem selbstlangweilen rette: summ/sing das Solo mit. Oft genug ist es mir passiert das ich was anderes summe als ich eigentlich spiele. Und dann mach ich mich auf die Suche nach den "komischen" Tönen die ich da gesummt habe. Manchmal liegt das Glück nur einen Halbton entfernt *g*. Ausserdem macht mir das mitsummen auch das Phrasieren einfacher. Die Stimme muß nicht die linke und rechte Hand koordinieren, man kommt beim Solosummen oft auf rhytmisch viel interessantere Ideen, als bei dem stumpfen Versuch linke und rechte Hand technisch in Einklang zu bringen. Ich summ zB gern typische Bläserphrasierungen und versuch das auf meine rechte Hand zu übetragen. Dabei ist es links erstmal egal was da passiert. Ich beschränk mich dabei meist auf 2 Saiten, drei, vier Töne und lass dann die rechte Hand erstmal machen. So lässt sich aus einem simplen Lick, durch Varriation der rechten Hand, plötzlich ohne Ende "neues" zaubern. Trenn dich mal von dem Gedanken das die linke Hand die "musikalische" Hand ist. Sie bestimmt im Prinzip ja nur die Tonhöhe (Bendings jetzt mal aussenvor gelassen). Lass die rechte Hand mal die Musik machen ...

slide on ...
bO²gie

Re: (Gitarre) altes Thema der Kreativität.

Hi Chicago,

es gibt eine Menge Möglichkeiten, aus diesem Loch rauszukommen. Mal ein paar, ohne jegliche Ansprüche auf Vollständigkeit und völlig ungeordnet:

1. Open-b²Ogie-Methode
Stimm Deine Gitarre auf Open-Tuning um und fang an, Slide zu spielen. Die Töne, die die Finger immer spielen, sind plötzlich weg. Damit brichst Du aus den Mustern aus.

2. Django-Methode
Nimm Gaffa und tape Dir Mittel- und Ringfinger zusammen (kein Witz!). Jetzt Soli spielen. Mit Sicherheit klingt das anders als bei Verwendung aller Finger.

3. Pfeif-Methode
Pfeife oder singe ein paar Soli. Pfeifen und singen kann jeder jede Melodie sofort, im Gegensatz zum Spielen auf der Gitarre. Nimm das auf ein Tape auf und lern Deine gepfiffenen Soli. Gleiche Grundidee: spiel alle möglichen Kinderlieder (Melodie), um zu spüren, wie Melodien sich auf der Gitarre anfühlen.

4. Schottische Methode
Es gilt, Töne zu sparen. Improvisiere mit drei Tönen. Bende, vibriere, spiele langsam oder schnell, tappe, benutze unterschiedliche Dynamik, was auch immer. Aber nur drei Töne. Wenn es Dich wirklich ankotzt und Du gar keine Idee mehr hast, nimm einen vierten Ton dazu. Plötzlich hörst Du ein neues Universum.

5. Jazz-Methode
Spiele die gleiche Melodie immer wieder. Erst totlangweilig, jeder Ton angeschlagen, ohne Vibrato. Dann mal in den Ton geslidet, mal gebendet, mal vibriert. Die Melodie immer und immer wieder spielen aber es soll jedes Mal neu klingen. Du wirst lernen, Dein Pulver nicht sofort zu verschießen.

6. Rockefeller-Methode
Kauf Dir Kreativität. Ein Delay mit vielen Wiederholungen (U2) lässt nur bestimmte Dinge beim Solo zu. Harmonizer, wilde Modulationen etc. Such Dir Deine Spielwiese.

7. Piano-Methode
Wirf das Plektrum weg und spiele immer mindestens zwei Noten. Schon bist Du im Bereich Harmonien, Doublestops etc. Clean sound, please.

8. Hardcore
RATM lässt grüßen. Warum eigentlich immer tonale Soli? Noise ist Trumpf. Wie klingt eine richtige Townshend-Nummer?

Das sind alles nur Wege, probieren musst Du das selbst. Am besten zuhause ohne die Kapelle...

Mahlzeit

Matthias




(Dankesbeknieung) Da muss ich jetzt natürlich nochma

N´Abend ihr Lieben !

Ganz klar, lieben Dank für die tolel Resonanz und die vielen, vielen Tipps !
Ob, und was es bringt könnt ihr hoffenlich auf der übernächsten Session sehen (die letzt war Abi, jetzt bin ich Zivi und bekomme zu der Zeit -hab schon gefragt- keinen Urlaub, da er sich mit dem der Chefs deckt :-(

Ich werde es jetzt so versuchen, dass ich die in eine mail kopierten Tipps wirklich mal Stück für Stück probiere, mehrere parallel . . das klingt statisch, aber im Grunde ist das ja auch ÜBEN, was wohl immer etwas dorthin tendiert.

Und wegen Robben Ford . . . ich habe ein LAAANGSAMES Stück gemacht, nicht dass ihr meint, da kommt jetzt Robben harlass auf euch zu oder so . . oh Schande ;-)

Ich hoffe wieder mal auf tausende Bilder und Berichte der Session !

keep doing, as it flows outta your fingers,
der Uli.