Re: (Praxis) Lautstärkeorgien im Club
Beitrag von Waufel vom Oktober 04. 2010 um 10:23:18:
Als Antwort zu: Re: (Praxis) Lautstärkeorgien im Club geschrieben von Jonas am Oktober 03. 2010 um 15:14:05:
Hallo Jonas,
unterscheiden wir doch mal a) Bühnenlautstärke, b) Saallautstärke (Publikum) und c) Proberaumlautstärke, anhand meiner 11-Mann-band.
zu a) Die Bühnenlautstärke muss so sein, dass man noch problemlos mündliche Anweisungen geben kann. Die lautesten sind die Bläser. Damit sie mir als Sänger nicht die Ohren von hinten vollblasen, stellen wir sie in der Regel nach vorne in die erste Reihe, wenn es die Bühne zulässt, damit ist der grösste Geräuschpegel weg. Alle anderen Instrumente werden auf ein Minimum reduziert und über die PA abgenommen und über Monitore oder eine zweite PA auf die Bühne zurückgegeben. Dieser Sound ist ganz gemütlich, dabei kann man sich ohne Schwierigkeiten unterhalten. Gitarrenamps sind angenehm leise, der Schlagzeuger kann dynamisch spielen ohne laut sein zu müssen. Trotzdem kommt genügend Druck in den Saal,
denn zu b) hier entsteht der eigentlich benötigte Sound, nicht oben/vorne auf der Bühne. Das ist Aufgabe des Mixers einen angenehmen hörbaren Sound zu schaffen und der ist nicht von uns auf der Bühne abhängig, sondern von den Gegebenheiten im Saal bzw. vor der Bühne. Beschaffenheit und Substanz des Baumaterials, Akustik, Personenanzahl etc.
zu c) unser Proberaum ist sehr klein (ca.16 qm), deshalb habe ich meine Kollegen mittels einer ganz einfachen Aussage dazu gezwungen die Lautstärke zu reduzieren.
"Die PA bleibt aus!" Wir Sänger (drei Mädels und ich) singen ohne Mics. Die Bläser spielen seitlich gegen eine selbstgebastelte Schaumstoffnoppenwand, die den Schall nicht reflektiert, das bringt überraschend viel.
Warum ich das schreibe? Weil immer noch viele Gitarristen meinen, nur eine erhöhte Lautstärke würde klingen. Das meinte ich mit Unsinn. In Zeiten der AxeFx, Pod und Konsorten ist eine hohe Lautstärke nicht mehr nötig. Häng das Ding an einen 3 Watt Amp und er klingt genauso wie über 100 Watt, bei 50dB genauso wie bei 120dB. Wenn man unbedingt eine Ampspezifische Klangwelt haben will, mit Vorstufenzerre und was weiß ich nicht alles, nimmt man eben einen süßen kleinen Amp und reißt ihn auf, der Klang ist derselbe. Es gibt nichts wogegen man sich als Gitarrist "auf" der Bühne durchsetzen müsste. Mann braucht keine 30 Watt Amps auf der Bühne, oder gar noch größere. Vor der Bühne muss ich mich durchsetzen und dafür ist der Mixer da. Nehmt Euch ein gescheites Monitoring, am besten InEar, einen guten Mixer und alles wird gut. Wenn ich auf der Bühne und im Proberaum Ohrenstöpsel brauche, stimmt was nicht. Lautstärke ist nur bedingt ein Klangkriterium.
Gruß Wolfgang
- Re: (Praxis) Lautstärkeorgien im Club manuel 04. Oktober 2010 14:55:00
- Re: (Praxis) Lautstärkeorgien im Club ferdi 04. Oktober 2010 14:49:56
- Re: (Praxis) Lautstärkeorgien im Club jonas 04. Oktober 2010 11:45:10
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