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(Duo) erste Probe ein Resum

Hallo zusammen,

Wie der Titel vielleicht schon verspricht, hatte ich gestern Abend also eine erste Probe miit einr Sängerin.
Das Duo ist im Moment erstmal eine projektgebundene Sache für einen Auftritt Ende November, für den sie mich gefragt hatte, ob ich sie nicht begleiten wolle.
Nachdem ich also am Montag Abend angerufen habe um nach den Stücken zu fragen, die sie mir eigentlich hatte schicken wollen (sie hatte ne Menge Streß in letzter Zeit) habe ich mir das mal angeschaut.

Ok, ich hatte bis dahin nur für "how high the moon" (von insgesamt drei bis vier Standards)die endgültige Tonart, einen halbton tiefer als im Real-Book, also tiefer transponiert. So, Analyse, das sieht ja recht überschaubar aus, keine wirklich komplexen Akkorde, viele II-V-I Verbindungen, ein paar Substitutionen, viel Platz für Turnarounds (die stehen auf meiner to do-Liste eh gaaanz weit oben).
Gut, viel Zeit zum üben hatte ich nun nicht mehr, ein paar mal die Sache durchgeklampft und gut.

Dann auf zur Probe. Hmm, Amp, zu groß und zu schwer, wir hatten uns deshalb rein akustisch verabredet. Also Noten geschultert, Gitarre gegriffen und ab in die U-Bahn. Angekommen erstmal ein bißchen gezwungen ungezwungene Konversation [:-) an dieser Stelle, es war nicht wirklich furchtbar], wir hatten zwar mal zusammen in einer Combo ein wenig gejazzt, aber unsere Bekanntschaft beschränkt sich bisher darauf.

Dann irgendwann losgespielt.
Holla die Fee.
Das hatte ich ja echt ein bißchen unterschätzt.
Zum einen konnte ich die Changes nicht sicher, und da ich mein Notenpult vergessen hatte, musste ich da komisch mit verdrehtem Hals hinspähen, wenn ich meine Sängerin im Auge halten wollte.
Dann habe ich permanent auf das Griffbrett geschaut. Eigentlich dachte ich, ich hätte das nicht mehr nötig.
Rein akustisch zu spielen ist ne Menge Arbeit, ich musste ganz schön reinlangen, d.h. wir mussten das Tempo noch weiter drosseln als unbedingt nötig.
Die Stücke, von denen ich nicht die Tonart hatte, haben wir dann erstmal liegenlassen :-)

Um noch etwas positives zu sagen, ich war zumindest rhythmisch tight und bin den ganzen Abend nur einmal ernstlich rausgeflogen, als ich den ersten mit dem Zweiten Teil verwechselt habe und sie konsequent in Synkopen weiterimprovisiert hat, anstatt mir mal eine "Eins" hinzuwerfen :o)
Naja, ich hab mir schon ein paar gute Vorsätze gemacht fürs nächste Mal, wenn ihr noch Tips und gute Ratschläge habt, ich bitte darum,

stay tuned,
Woody

PS wie kann man in einer II-V-I über drei Takte hinweg substituieren oder ein paar Durchgangsakkorde unterbringen? Zwischendominanten, Terzverwandschaften?

PPS @ Matthias, über Dugains würde ich mich riesig freuen, tut mir leid, daß habe letztens ich in Deiner mail überlesen. Ich habe über Finanzierungsstrategien für einen Bingo gegrübelt (G.A.S.)

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

Hi Woody,

die erste Probe ist ja häufig etwas verkrampft. Und wenn man einen guten Eindruck machen will, führt das natürlich schon zu Streß.

Für ganz wesentlich in einer so kleinen Besetzung halte ich es, dem Partner wirklich Respekt und Anerkennung zu zeigen und Kritik konstruktiv vorzubringen. Gegenseitige Wertschätzung halt.

Darüber hinaus ist bei dieser Besetzung erst einmal das Hauptaugenmerk auf der Sängerin. Der Gitarrist muß sich natürlich nicht verstecken aber sein Job ist "Teppich und Tapete". Gib der Sängerin einen Hintergrund, auf dem sie sich wohlfühlt und wenn sie Pause macht, wirf einen Fill ein.

: PS wie kann man in einer II-V-I über drei Takte hinweg substituieren oder ein paar Durchgangsakkorde unterbringen? Zwischendominanten, Terzverwandschaften?

Erstmal locker bleiben. Die Changes müssen erstmal locker aus dem Handgelenk flutschen, bevor Du mit sowas anfängst. Außerdem bieten sich hier noch Schweinereien wie perkussive Einlagen, unterschiedliche Dynamiken, gedämpfte Saiten, Registerspiel etc. an.

Und wenn die Harmonien soooooo einfach sind, dann spiel ein kurzes Solo. Die Zuhörer sind ja nicht grundsätzlich doof.

Und einen Buchtipp gibts obendrauf: Groovin´Fingerstyle von Eddie Nünning (www.acoustic-music.de) ist eine Bibel für den Begleitgitarristen...

schönntachnoch

Matthias

P.S. Care-Paket wird in diesen Tagen geschnürt!

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

Hi, Matthias.

Der Gitarrist muß sich natürlich nicht verstecken aber sein Job ist "Teppich und Tapete".

Da kann ich nur in Teilen zustimmen. Hoffentlich ist der Gitarrist nicht nur "Teppich und Tapete". Zunächst vielleicht, aber wenn man einigermassen sicher ist miteinander, finde ich es weit interessanter, wenn sich Gitarre und Stimme gegenüberstehen damit Reibung entsteht.

Andernfalls scheint es mir, ist aus der Möglichkeit eines Duos zu wenig Potenzial genutzt. Ich finde es viel packender und fesselnder (nicht nur als Gitarrist, sondern als Zuhörer), wenn in so einer kleinen Besetzung Musik in einem Spannungsfeld passiert.

Ich finde, es sollte nicht die Aufgabe des Gitarristen sein, sich möglichst "tapetig" und devot zu verhalten.

Natürlich, das braucht Gewöhnung und Zeit bis sowas erfolgreich klappt und deswegen nützt mein Gelaber natürlich woody nichts. Der muss sowieso selber sehen was sein eigenes Duo braucht und ausserdem bräuchte sowas eine gute und vertraute Basis miteinander, die es ja noch gar nicht geben kann.

Aber wenn ich mir gerade im Jazz Duo-Stücke anhöre, dann ist mir doch die Spannung lieber als wenn die Gitarre nur der Sockel ist auf dem der Gesang thront. Also ganz persönlich.


Gruß,
groby
*

NP: Chris Whitley und Cassandra Wilson "Can't stand the Rain"

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

Hi Groby,

: Hoffentlich ist der Gitarrist nicht nur "Teppich und Tapete". Zunächst vielleicht, aber wenn man einigermassen sicher ist miteinander, finde ich es weit interessanter, wenn sich Gitarre und Stimme gegenüberstehen damit Reibung entsteht.

Da hast Du schon 100 % Zustimmung von mir. Aber das ist wirklich erst der zweite Schritt.

Grundsätzlich ist die Stimme ein Soloinstrument und nur die Gitarre ist in der Lage, zu begleiten. Eine Begleitung muß ja nicht langweilig sein, weil sie den Gesang stützt. Ganz im Gegenteil sollte der Gitarrist versuchen, aus dem "Teppich" einen fliegenden Teppich zu machen, um es mal blumig zu sagen. Und Soloparts für die Gitarre gehören auch dazu.

Allerdings ist es vollkommen normal, dass der Großteil der Zuhörer ohnehin die Aufmerksamkeit auf den Gesang richtet. Daher halte ich es schon für wichtig, dass sich SängerIn wohl und sicher fühlt. Selbstverständlich geht das spannender, impulsiver etc.

Für wichtig halte ich auch, dass die Musik Zeit zum Atmen hat. Das stört mich beispielsweise bei Tuck&Patti, wo der gute Tuck alles so zuspielt. Der ist für mich auch ein Paradebeispiel für einen Gitarristen, der zwar auf Augenhöhe mit der Sängerin agiert, sie aber gleichzeitig auch alleine lässt. Ich mag die beiden nicht besonders, habe aber viel Respekt vor der technischen Versiertheit.

Irgendwie wollte ich noch viel mehr schreiben, aber wie hieß doch dies, wo man alles vergißt?

schönntachnoch

Matthias



Re: (Duo) erste Probe ein Resum

: ...Rein akustisch zu spielen ist ne Menge Arbeit...
:
: jaaaaahrelang rede ich mir den Mund fusselig ! tja, was so eine erste probe alles für erleuchtung beiträgt ;o)
*gggg,
naja, manche Erfahrung muß man halt selbst machen, auch wenn viele glauben, sie könnten es einem durch gute Ratschläge ersparen.

btw, spielst Du nicht angelegentlich einen Polytone?
Hast Du Vergleichswerte mit einem Compact 60/Bingo von AER?
Ich will mir auf Dauer schließlich die Arbeit erleichtern :o) und suche nach geeignetem Werkzeug. Ich hab eine Polytone bisher nur einmal bei einem Gitarristen gehört, aber da hat mich der Sound nicht wirklich begeistert, kann aber auch an der Klampfe bzw. dem Klampfisten gelegen haben. So "unakustisch", irgendwie, wie mit ohne Resonanzkörper an der Gitarre.
Oder weiß jemand in Köln und Umgebung jemand einen Laden, in dem man einen A/B-Vergleich machen könnte?

besten Dank,
stay tuned,
Woody

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

Hi Matthias,

: Für ganz wesentlich in einer so kleinen Besetzung halte ich es, dem Partner wirklich Respekt und Anerkennung zu zeigen und Kritik konstruktiv vorzubringen. Gegenseitige Wertschätzung halt.

Sicher, aber das wird in der kurzen Zeit eh schwierig, eine gemeinsame persönliche Basis zu finden, sich gegenseitig kennenzulernen.

:
: Darüber hinaus ist bei dieser Besetzung erst einmal das Hauptaugenmerk auf der Sängerin. Der Gitarrist muß sich natürlich nicht verstecken aber sein Job ist "Teppich und Tapete". Gib der Sängerin einen Hintergrund, auf dem sie sich wohlfühlt und wenn sie Pause macht, wirf einen Fill ein.

:
: Erstmal locker bleiben.

*g, ich komme mir nur doof vor, wenn ich einen Takt lang denselben Akkord spiele :-)
Da werde ich mir wohl noch ein paar schöne voicings ausdenken.

:
: Und wenn die Harmonien soooooo einfach sind, dann spiel ein kurzes Solo. Die Zuhörer sind ja nicht grundsätzlich doof.

Das halte ich mittlerweile für eine gewagte These, aber ich schweife ab...


das Buch werde ich mir wohl mal anschauen, besten Dank,

stay tuned,
Woody

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

hi woody,

mit aer-produkten habe ich keine erfahrungen. seit ca 1986 benutze ich polytone mini-brute sowohl für die primgitarre - abnahme direkt am body per barcus berry - , als auch für meine ibanez archtop blonde bj. ca 1976 - abnahme über hals-pu - ähnlich dieser.

eingesetzt habe ich das ganze im verschiedensten formationen, lokalitäten, open-air´s, kaschemmen, privatparty´s etc.

da der polytone für mich stets zuversichrlicher "begleiter" war/ist & ich mein ewigen-klang-noch-besser-schneller-schöner-optimale-gefällige-such-verdammtnochmal längst für mich geklärt habe, riskiere ich nichtmal ein silberblick in die richtung es-gebe-sicher-noch-was-tolleres :o)

btw. als der christoph bei mir war, hatte den polytone & die archtop ausgetestet. vielleicht kann er auch etwas dazu sagen.

bis neulich.

emil

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

Hi,

zwei sehr gute Bücher sind: "The best chord changes for the world's greatest standards" Vol.1 und Vol.2 von Frank Mantooth (Hal Leonhard). Da sind ca. 300 der am meisten gespielten Standards mit Originalchords und alternativen Chordfolgen drin. Leider gibt's nur Melodie, Texte und Akkordsymbole, d.h. man muss sich Griffe irgendwoher holen, falls man sie nicht kennt (dürfte aber in Zeiten des Internets kein Problem sein).

Halt, Korrektur: Habe gerade bei Hal Leonhard (http://www.halleonard.com) nachgesehen. So wie es aussieht, gibt es nur davon nur noch einen Band (ISBN: 0881888524). Aber wenn du dort nach "chord changes" suchst, dann gibt's noch andere Alternativen.

:g, ich komme mir nur doof vor, wenn ich einen Takt lang denselben Akkord spiele :-)

kommt drauf an:
das wichtigste bei diesen Standards ist zunächst mal, dass es "swingt". Vor allem bei den schnelleren Dingern. Ein exakt laufender Groove mit einem Akkord im Takt ist da allemal besser als der abgefahrendste Turnaround, bei dem es dann hakt und holpert. Bei Balladen sieht es ein wenig anders aus: da kann man mit ein klein wenig Chorus, Hall und dezentem Picking (bloss keine Hochleistungsakrobatik, wenig ist mehr !!) auch mit 2 Akkorden pro Takt (Grundakkord plus Übergangsakkord oder - lauf zum nächsten Akkord) schon schöne Begleitungen zimmern und mit Hilfe der oben erwähnten Büchern ist dann relativ schnell ein gutes Ergebnis zu erzielen.


Gruss

Michael

PS: spielst du eigentlich mit Plektrum oder Picking, auf Archtop oder normaler Akustikgitarre ?

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

Hi Michael,

Danke für Deine Tips.
Ich werde mich nach dem Schinken mal umsehen
Eigentlich halte ich mich in Sachen Theorie bis auf ein paar Grenzfälle für weitestgehend Trittsicher, bzw, ich weiß wo es steht :-)
Nur bei ausgedehnten II-V-I Verbindungen also ein Akkord pro Takt weiß ich noch nicht so ganz, wie man die knacken kann, um da noch einen Akkord zwischen zu bringen.
Für die nächste Probe bin ich zu einen jetzt dran, mir ein paar schöne Walking Basslines zurechtzulegen, dafür habe ich gerne möglichst viele Akkorde, weil dann die Zahl der Durchgangsnoten überschaubarer bleibt :-); und mir einen bunten Strauß Turnarounds draufzuschaffen, daß macht die Sache schon ein wenig abwechslungsreicher, wenn man nicht immer den ollen 16-25 bemühen muss.
Allerdings ist es sicher richtig, nur das an Akkorden auf das Griffbrett zu bringen, was man sicher beherrscht.
Ich spiele eine Archtop Fingerstyle, warum?

Gruß,
Woody

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

Hallo Emil und Woody
Zum Polytone kann ich nicht allzuviel sagen, nur dass er in Verbindung mit einer dickbauchigen Jazzmama echt amtlich klingt :-)) Ist ja glaub ich auch sowas wie ein Referenz- Amp für den Beboper, nicht? Nun ja, ich würde jedenfalls ohne Zögern so ein Ding ergattern, wenn ich mich zur "Nur-Bebop-und-nur-ja-nicht-weniger-als-vier-Akkorde-pro-Takt-Fraktion" zählen würde *ggg*
Gruss: Christoph

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

Hi Woody
um da noch einen Akkord zwischen zu bringen.
Nun, ich bin da nicht so der Hirsch im Compen mit einem neuen Akkord pro Viertel, kann Dein Vorhaben also hauptsächlich aus der Sicht des Zuhörers beurteilen *ggg* Für Dich (und die anwesenden anderen Musiker) mag das ja ganz interessant sein, die vielen Akkorde, Voicings etc, aber bist Du sicher, dass das werte Publikum das auch hören will? Meiner Meinung nach hat die Gitarre im Duo mit Gesang hauptsächlich eine begleitende Funktion, und sollte nicht allzu auffällig daherkommen. Mindestens hin und wieder mal, damit sich die ZuhörerInnen erholen können *ggg* Aber Walkung Bass ist natürlich cool :-)
Alles IMHO, natürlich, ja?
Gruss: Christoph

Re: (Duo) erste Probe ein Resum

Hi,

:Nur bei ausgedehnten II-V-I Verbindungen also ein Akkord pro Takt weiß ich noch nicht so ganz, wie man die knacken kann...

Da ist dieser Schinken wirklich gut geeignet, denn die haben da solche Sachen drin und die funktionieren natürlich dann auch in anderen Songs.

: Ich spiele eine Archtop Fingerstyle, warum?

hat mich zwecks des Amps interessiert. Aber da hat Christoph ja schon alles zu gesagt (Polytone mit Archtop ist schon eine sehr gute Kombination).


Gruss

Michael