Aussensaiter Forum

Diskussionen mit neuen Beiträgen

Hier darf jeder frei heraus seine Meinung sagen, solange niemand beleidigt wird. Auf Postings von Vollidioten sinnvollerweise gar nicht erst antworten.
Extrem unerwünscht sind reine Werbe-Beiträge. Danke.

(-) Header verbergen



Übersicht

(Aus deutschen Landen) grobys Tagebucheinträge: Stoppok, Chris Whitley, EoC, Fink, Tomte, Jan Plewka,....

Moin.

Hier ein kleiner Auszug aus meinem fiktiven Tagebuch. Quasi eine Schnippselsammlung für alle die deutschsprachige Rockmusik mögen. Jeder Schnippsel an sich hätte keinen Forumseintrag verdient aber als Sammlung geht es vielleicht.


Konzertbericht : Stoppok (Bochum, Bahnhof Langendreer). Onkel Stephan in bester Spiellaune mit leckerer Band (also die üblichen Verdächtigen plus neuem aber sehr energetischem Drummer) präsentiert fast 2 1/2 Stunden ordentlich was auf die Ohren. Leider hakt er viele Songs in Potpouris ab, was etwas zwanghaft wirkt und wirklich nach "Abhaken" ausieht. Ansonsten versteht es Onkel Stephan natürlich wieder, seine Zuschauer mit kleinen Anekdoten und lustigen Ansagen zu unterhalten, diesmal natürlich gerne zum Thema Wellness-Tipps, denn schliesslich ist die Band unter der Wellness-Flagge unterwegs. Ich habe seine neueste Platte noch nicht, aber es scheint, als seien die Songs dort wieder etwas deftiger als auf "Neues aus...". Jene Platte fand ich im Schnitt etwas mau. Ein schöner Pluspunkt des Konzertes: Besonders leckere Sounds von Gitarrist Mario.

Vor-"Gruppe" bei Stoppok war Chris Whitley , die wandelnde Unterarm-Vene. Die meisten hier kennen ihn wahrscheinlich sowieso schon, den Mann, neben dem selbst Iggy Popp gut im Saft aussähe. Er krächzte, ächzte, schrammelte, und knarzte einem seine Songs um die Ohren. Musik im Urzustand. Fantastisch. Ich hatte mir damals "Live At Martyrs" als erste Platte von ihm gekauft und habe aber die Songs erst richtig verstanden nachdem ich mir "Living with the Law" gekauft hatte. Irgendwie war es ein "Ach-So!"-Erlebnis, die eine Platte erst durch die Folie der anderen zu erleben. Ein ähnlicher "Ach-So!"-Moment ist das Konzert. Man hört genau das, was auch auf "Live at Martyrs" drauf ist, aber es ergibt auf einmal viel mehr Sinn, dieser - so scheint es - geqälten Seele bei dem Songs direkt ins Gesicht schauen zu können.

Konzertbericht: Element Of Crime Zeche Bochum. Stoppok schafft Stimmung, Element of Crime schaffen Atmosphäre. Ein feiner Unterschied, alleine schon in den Texten, wobei ich Sven Regner für den besten deutschen Lyriker halte, auch außerhalb der Musikszene. Element an diesem Abend in bester Spiellaune, sofern man das von den wortkargen Musikern und dem Lapidar-Ansager Sven Regner vermuten kann. Jedenfalls verstanden auch sie es, 2 Stunden lang die Zuschauer zu fesseln und mit lakonisch, selbst-ironischen Zwischenkommentaren zu unterhalten. Einige mögen jetzt dazwischenwerfen "2 Stunden? In der Zeit hätte ich mir schon 2 Staind Konzerte anschauen können". Stimmt, Element wären auch schon eher fertiggewesen, wenn sie nicht schon recht früh angefangen hätten mit der üblichen Scharade, scheinbar fertig zu sein um sich dann um Zugaben bitten zu lassen. Zugaben gab es dann allerdings auch reichlich.
Schön übrigens, das gerade jene Songs der neuen Platte, die auf Platte vielleicht etwas "ange-kitscht" daherkommen, live um einges wirkungsvoller und direkter kommen. Ungewöhnlicherweise spielten sie einige ihrer ganz ganz alten, noch in Englisch geschriebenen Stücke. Ebenfalls schön anzuhören: Das schöne Zusammenspiel von stellenweise drei Gitarren ohne den Liedern dabei die Luft zu nehmen. Auch der Sound war nicht zu laut, nicht zu leise und gut gemischt.
Ein Minuspunkt hier allerdings an das Verkaufsgebahren der Zeche, weil es wirklich die Atmosphäre stört wenn alle 10 Minuten Biertabletts durchs Publikum getragen werden und deswegen in ruhigen Passagen immer von irgendwoher laut Kleingeld abgezählt wird. Das geht vielleicht bei Konzerten die etwas mehr auf Party gedacht sind, aber oft geht es einem tierisch auf den Nerv.

Vorprogramm: Tomte . Kannte ich vorher nicht, erinnert aber an typisch Hamburger Schule (also deutsche Texte mit einfachem, oft getragenen, verzerrenden Gitarrenpop, wie beispielsweise Tocotronic). Eine sympathische Band, wenn auch stellenweise etwas lustlos wirkend. War als Vorgruppe ganz nett aber kein Vergleich zur Element-Vorgruppe der Vorjahre, nämlich....

..die Band Fink . Schrammelige, knarzende, und vor allem unglaublich spröde deutsche Countrymusik. Quasi in allem die Anti-Materie zu Truckstop. Jeder der mit Element of Crime was anfangen kann, könnte auch in Finks Alben einmal hereinhören. Die Bands sind sich recht ähnlich aber 1.) der Anteil, der bei Element aus dem Bereich des französischem Chanson kommt, ist bei Fink Country und 2.) Fink sind dabei trockener und noch ein Stück "lakonischer".

Und zum Schluss etwas für alle Selig-Fans: das Solo-Album von ex-Selig-Sänger Jan Plewka ist jetzt draussen und bedient die Lücke die Selig hinterliess viel besser als die neue Band des Gitarristen und ehemaligen Hauptsongschreibers Christian Kung Fu. Die nämlich können zwar mit ähnlich guten Songs aufwarten, wie seinerzeit Selig aber leider nicht ganz mit einer derart charismatischen Stimme und kryptischen wie Jan sie verbreitet. Erst dessen jetziges Solo-Album "Zuhause, da war ich schon" lässt mich erkennen, wie gross der Anteil der Texte und der Gesangsstimme an der Faszination Seligs war. Beides (Texte und Stimme) ist auf "Zuhause..." en masse verhanden, wenn auch in etwas gradliniger Form als auf den alten Selig Scheiben. Die psychedelischen Hendrix-Anleihen (Christains Neanders Markenzeichen bei Selig und Kung-Fu) sind hier nicht zu finden, stattdessen sind einige Songs auch mal in Dur und strahlen etwas positiver im Text. Ich hätte erst gewettet, dass Christians schöne Riffs und Hooklines mir hier fehlen würden, dass "Zuhause..." nicht genügend Gitarre hätte oder dass Jan mit einem zu fröhlichem, zu poppigem Album aus seiner Ruhephase zurückkommt. Dem ist nicht so. Sehr schön.

So das war's erstmal.


Weiterhin noch viel Spass mit dem Programm Ihrer Wahl wünscht Ihnen,
groby

Re: (Aus deutschen Landen) grobys Tagebucheinträge: Stoppok, Chris Whitley, EoC, Fink, Tomte, Jan Plewka,....


: Vor-"Gruppe" bei Stoppok war Chris Whitley , die wandelnde Unterarm-Vene. Die meisten hier kennen ihn wahrscheinlich sowieso schon, den Mann, neben dem selbst Iggy Popp gut im Saft aussähe. Er krächzte, ächzte, schrammelte, und knarzte einem seine Songs um die Ohren. Musik im Urzustand. Fantastisch. Ich hatte mir damals "Live At Martyrs" als erste Platte von ihm gekauft und habe aber die Songs erst richtig verstanden nachdem ich mir "Living with the Law" gekauft hatte. Irgendwie war es ein "Ach-So!"-Erlebnis, die eine Platte erst durch die Folie der anderen zu erleben. Ein ähnlicher "Ach-So!"-Moment ist das Konzert. Man hört genau das, was auch auf "Live at Martyrs" drauf ist, aber es ergibt auf einmal viel mehr Sinn, dieser - so scheint es - geqälten Seele bei dem Songs direkt ins Gesicht schauen zu können.

Na das freut mich ja. habe ihn in berlin gesehen und fand, das es das bislang beste konzert von ihm war. er hatte noch Warner Poland von der Nina Hagen Band mit auf der bühne und noch einen anderen, der eine akustik-klampfe mit einem geigenbogen bearbeitete. wirklich grossartig. mein liebstes album von ihm ist übrigens "dirt floor"; nur er mit dobro in der scheune seines vaters aufgenommen und keine sekunde langweilig, ganz im gegenteil. gibt's übrigens im, hüstel, ulftone-webshop, räusper, zu, ähh, kaufen (nicht hauen, bitte!).

maddin

Re: (Aus deutschen Landen) grobys Tagebucheinträge: Stoppok, Chris Whitley, EoC, Fink, Tomte, Jan Plewka,....

: Hier ein kleiner Auszug aus meinem fiktiven Tagebuch. Quasi eine Schnippselsammlung für alle die deutschsprachige Rockmusik mögen....

Wow, das Forumspottpourie* ;-) Aber mit SubsTanz. Danke, groby, für das Lesevergnügen.

slide on ...
bO²gie

PS: * Vielleicht sollte Stoppok beim nächsten mal sein Gästebuch (statt Liederbuch mit fehlender Seite) auf Tour mitnehmen? Und wenn's unbedingt sein muß (Mario kann ja ein Päuschen bei Frau Merkel an den Tasten machen) kann's als Pottpourie zum Vortrage gebracht werden.

Re: Stoppok auf Bühne

Tach groby,

also doch: Mir war so, als hätte ich Dich im Bannhoff vorne links an der Bühne stehen gesehen, aber in dem Gewühl ...
Schöne Schnippselsammlung, die Du da kompiliertetest ;-) .
Mal ein paar Gedanken zum Thema Stoppok nebst Vorprogramm, eben kurz im Büro runtergeschrieben:

w.e.l.l.n.e.s.s.
Das neue Stoppok-Werk ist imho musikalisch prima und aus einem Guß, weil wohl komplett live eingespielt (so klingt´s jedenfalls) und profitiert groovetechnisch enorm vom neuen Drummer, der ja auch in Bochum wirklich klasse war. Wie überhaupt die ganze Band enorm kompakt rüberkam.
Mein einziger Kritikpunkt hier, wie bei den letzten paar in Eigenregie aufgenommen Alben, sind die Texte. (Zu) viele Songs wirken mir auf mich einfach skizzenhaft, ein bißchen mehr Schliff hätte da wohl gut getan. Aber vielleicht hat Stefan einfach kein Interesse mehr daran, in den Hitparadentrubel zu geraten, will nur geile Mucke machen und halt ansonst ein bißchen rumschnoddern. Paßt zu ihm und ist ja auch legitim. Hauptsache, er ist gesund. ;-)

Auf Bühne
Aus Erfahrung (unsere Stoppok-Tour # 5) haben wir mit Bedacht einen Konzertbesuch zur Mitte der Tour gewählt und wurden nicht enttäuscht: Die Band war in guter Form, super eingespielt (anders als zu Beginn der „Neues aus ...“-Tour beispielsweise, als ein neuer Gitarrero eingearbeitet werden mußte) und Stoppok hat, was er immer mal wieder gerne macht, am ganzen Abend nur eine einzige Strophe vergessen.
Die Medleys wirkten wirklich ein wenig bemüht, aber was soll er machen, so viele Songs und so viele Fans, die natürlich ihre Lieblingsstücke hören wollen... Andernfalls müßte er wahrscheinlich stundenlang diskutieren, warum er diesen oder jenen Song nicht wenigstens mal angespielt hat oder aber dreieinhalb Stunden auf der Bühne stehen....
Hömtja, nochwas: Dem Mario seine Solo-Sounds fand ich soo doll nun nicht, denn sie gingen für mein Gefühl ein bißchen im Gesamtklang unter. Vielleicht hätte eine Ratte hier mehr bewirkt... *grins*. Seine Rhythmusparts waren allerdings wirklich erste Sahne.

Chris Whitney
Entgegen dem hier im Forum herrschenden Konsenz kann ich mit Herrn Whitney nix anfangen. Okay, er hat seine Form des Blues gefunden, als Einzelkämpfer auf der Bühne hat er mich allerdings nach 15 min. ziemlich gelangweilt. War mir zu gleichförmig und zu wollnmalsosagen depressiv. Ist halt nicht meine Weltsicht, hätte mir aber (heilige Scheiße, Time waits for no one :-) vor 15 Jahren auch zugesagt. Die jungen Damen um mich herum waren allerdings sehr angetan und das ist für CW zu Recht wichtiger. Ich hab´trotzdem nix dagegen, wenn von interessierter Seite (Hüstel, räusper) in diesem unserem Forum auf ihn und seine Werke hingewiesen wird, er ist ja nun ein Aussensaiter par excellence...

Ist nun doch ein bißchen länger geworden als gedacht. Danke für die Geduld.


See you in ..... [please insert location of choice]

Juergen

Ach du Scheiße, Element of Crime hab´ich verpaßt...

Re: Stoppok auf Bühne

: Tach groby, moin juergen,

auch mal von mir ein bisken senf dazu:
als bekennender Stoppok-fan war ich von dem job gestern (letztes Konzert der Tour) in Wuppertal reichlich enttäuscht. Die Platte hatte ich schon vorab bekommen - gefällt mir sehr gut; schöne Hooks, gute Melodien und die sympathische Stoppok'sche Spielfreude.
Muss ich denn, trotzdem es der letzte Job der Tour ist, hinnehmen, dass die Jungs offenbar einfach keine Lust mehr haben? Nö, muss ich nicht. Kaum die gewohnten Anekdoten, kaum Entertainment, er hat ein Stück nach dem anderen gespielt, sich kurz über Sinn und Unsinn von Potpouries ausgelassen und damit diverse Anfragen aus dem Publikum abgefrühstückt.
Wenn die üblichen "Container - und "Willie und Gerd" Rufe kamen, wurden sie recht rüde und oberlehrerhaft abgebügelt.
Naja, Ich fand's nicht so cool.


Danny Dzuik gefällt mir im "Spardosenterzett" von Wiglaf Droste auch besser, Reggie Worthy war gewohnt Klasse, Mario spielte imho einen Super-Job, ebenso der Drummer; aber alle in der Summe irgendwie ein wenig herzlos oder blutleer, müde.
Das die Akustik im "Haus-der-Jugend" in Wuppertal nicht besonders ist, ist bekannt; ein guter Toni kriegt sowas aber in den Griff.
An diesem Abend aber leider nicht. Nach einer dreiviertel Stunden hat sich mein rechts Ohr gehörmässig verabschiedet, nach einer weiteren halben Stunde, war ich so gegrillt, dass ich die Segel gestrichen, und den Tempel des hl. Dezibel verlassen habe.

Chris Whitley fand ich gut. Der Sound aus dem Blechteil in Verbindung mit dem kleinen Fender-Brüll-O-Maten, war genauso, wie man das erwarten durfte. Die Stories sind auch nicht so unbedingt mein Lebensentwurf, aber er ist, glaube ich, sehr autenthisch und somit berechtigt, diesen Job zu machen. "Dirt Floor" sei hiermit allen ans Herz gelegt. (Gibts bei ulfone, räusper)

Noch ein kleiner Tip? Hillibilly Zen von Julian Dawson.
Schick schick.

madetjoot.


falke



: See you in ..... [Dusiburg]

Re: Stoppok auf Bühne

Sorry, Falke,
aber ich fand die Vorstellung gestern in W'tal_Barmen schon klasse - allerdings mit Gehörschutz :-) (Sauerstoffmaske wäre auch nicht schlecht gewesen). War allerdings mein erstes Stoppok-Konzert, vielleicht bin ich ja nix gutes gewohnt. Wieso rüde und oberlehrerhaft? Einspruch!
Jedenfalls hab ich bis zum bitteren Ende um 12 ausgehalten.
Mit dilettanten Grüßen und nix für ungut, Rai(F)

PS: Hab mit meiner Freundin gewettet, ob stefan S. älter (ich) oder jünger (sie) als 40 ist. Kann jemand weiterhelfen?
PPS: Eines der besten Konzerte, die ich gehört habe, war Townes Van Zandt, wie er gerade aus dem Alkohol-Koma erwachte. Nur so wegen müde und unlustig...

Re: Stoppok auf Bühne

Falke -

: Naja, Ich fand's nicht so cool.

das ist eben einer der Nachteile vom "Fan von" sein. Fanatics sehen ihrem Meister halt auch mal Unpäßlichkeiten, Übermüdung nach überlanger Tournee und vielleicht die eine oder andere nach dem Motto "Egal, die jubeln ja eh" entstandene Flapsigkeit nach. ;-)

lauter Grüße

Re: Stoppok auf Bühne

Wieso rüde und oberlehrerhaft? Einspruch!

Moin Rai(F),
rüde und oberlehrerhaft weil ich schon viele Konzerte gesehen hab; und der Mann deutlich "more charming" sein kann.
War ja auch nicht so schlimm; nur eben nicht so, wie ich es kenne.

Towns v Z. ist aber doch bei allem Respekt eine ganz andere Liga. Hab ich auch mal gesehen. Der kann von mir aus auch im Tiefschlaft spielen; ist immer noch gut.

Nix für ungut?
Wieso denn?

falke

Älter als 40 isser, der Stoppok, Der Punkt geht an dich.