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(Meinung) PopKomm - Hungertuch2/Klarstellung Hungertuch1

Hallo Nochmal,

ich möchte hier mal etwas klarstellen:

1. Es ging in meinem Tread NICHT um Eure Meinungen zum Thema "Schwarzbrennerei/Napster/Copykillsmusic... etc, pp...". Vielmehr hatte ich Euch um Eure Meinung zu den Verkaufsrückgängen gebeten.

2. Ich kaufe meine CDs!!!
Jeder ernsthaft Musikinteressierte wird Musik nicht nur als reinen Hörgenuß betrachten, sondern sich neben dem Hörerlebnis ebenso am (hoffentlich liebevoll gemachten" Booklet/Klappcover erfreuen. Es ist nämlich NICHT das gleiche, ob ich eine Original- oder eine gebrannte CD in der Hand halte, von Vinyl ganz zu schweigen! Die Musik die ich mir anhöre ist Spartenmusik und somit eher auf Indies (Studio !K7, EFA... usw...) zu Finden. Ich habe keine Lust durch Raubkopien diesen Labels den Garaus zu Machen!

3. Meine Hochachtung an Chico für seinen Hinweis auf den Unterschied Major/Indie, aber leider leicht am Thema vorbei (s.o.).

Jetzt aber zur Sache, falls Ihr meine Meinung überhaupt noch hören wollt... ;-)

Meiner Meinung noch sind die großen Plattenfirmen selber Schuld am Umsatzrückgang, denn die Gründe sind allesamt hausgemacht!

1. Jahrelang machte das Geschäft mit dem Backkatalog einen nicht unerheblichen Teil der Verkäufe aus. Soll heissen, die Leute kauften sich ihre Plattensammlung noch mal auf CD. Dies hatte einen großen Vorteil: geringe Kosten, da alles schon vorhanden, gering bis gar nicht beworben und KAUFKRÄFTIGE Kundschaft (die Generation der 40 bis 50 Jährigen)... Mit einem Wort: Kostengünstig! Zweites Stichwort: Sichere Sache!
Ob diese Taktik mit der Einführung der Audio-DVD noch mal aufgeht, mag bezweifelt werden. Denn die Rechnung, bessere (für den "normalen" Konsumenten vom Unterschied zur CD nicht mehr warnehmbare) Audioqualität = entsprechend höherer Preis ( = DM 80,-!!!), wird nach meiner Meinung nicht aufgehen.

2. Die Plattenfirmen haben verstärkt auf die kurzlebigen Trends gesetzt und es versäumt, sich Substanz aufzubauen. Die wird mehr und mehr den Indies überlassen. Das Ergebnis: Zu dem Zeitpunkt an dem ein Trend im großen Stil lukrativ wird, werden entweder die einzelnen Künstler oder komplette Labels übernommen, ausgeschlachtet und danach fallengelassen bzw. dichtgemacht...

Einige Beispiele:

Der unsägliche Deutsch-HipHop Boom und der genauso unerträgliche Boom von billig produzierten Rock-Coverversionen; ...Nu-Metal (LimpB und Konsorten, ganz schlimm: Papa Roach...)

Die Übernahme von Skint und der "BigBeat"-Hype,

Der derzeitige "Bossa Nova vs. Electro / Chillout / Café delMar"-Hype

Die Übernahme von Talkin' Loud und der kürzliche Rausschmiss von Gilles Petterson, der unter anderem mit dem komerziellen Flop des letzten Roni Size/Reprazent-Albums begründet wurde (der blanke Hohn, nachdem was der Mann für die Musik der 90er Jahre geleistet hat und immer noch leistet!)

Die immer noch andauernde Latin Welle (JLo usw).

In jedem dieser Bereiche gibt es natürlich neben den ganzen Geschmacklosigkeiten auch hervorragende Musik (losgelöst von Persönlichen Präferenzen oder Abneigungen), nur leider kann ich hier von Seiten der Plattenfirmen keine Langfristige Planung erkennen, da hier offensichtlich nur auf das schnelle Geld gesetzt wird. Dass Unternehmen keine Wohltätigkeitsvereine sind ist mir klar, jedoch sollte langfristige Planung das A und O sein.

3. Ein anderer Grund für den Rückgang ist eine Art "musikalischer Sozialisation" der sich mittlerweile kaum jemand entziehen kann. Das "Formatradio (Zweihundersuperhitsamstück...)" sowie MTV haben den Musikalischen Horizont extrem schmal werden lassen, da die Radiosender gezwungen sind, die Medio-Control Charts rauf- und runter zu spielen. Den Teufelkreis (Feedbackeffekt) in diesem Zusammenhang, also die selbsterzeugte Nachfrage durch die Mechanismen sowie die Vorraussetzungen durch die Unterschiedlichen Beteiligungen bzw die Aufteilung des Tonträgermartes, muss ich wohl nicht näher erläutern. Von freier Musikauswahl seitens der DJs/Redaktionen kann somit nicht mal im weitesten Sinne gesprochen werden (von Ausnahmen wie "Raum und Zeit" mit Klaus Viehe auf 1Live, sowie Jazz auf WDR4 mal abgesehen...). Das Ergebnis: die Musiksituation die wir heute haben. Ich empfehle in diesem Zusammenhang mal das Interview mit Thomas Anders und seinem Produzentenkollegen in der Keyboards sowie den Artikel im Times-International über den (u. a.) Britney Spears und N'sync Produzenten...

5. Die Musikkonzerne haben die technische Entwicklung verschlafen und versuchen die Syptome zu bekämpfen (Napster/MP3 und CD-Brenner), anstatt sich selbstkritisch mit ihrer Arbeit auseinenderzusetzen. Nur so ein Verhalten hat zu keinem Zeitpunkt an keinem Ort in der Welt funktioniert!

Bleibt nur zu hoffen, dass sich dieser Zustand irgendwann ändert, wenn nicht muss man sich halt weiter an Indies wie z.B. EFA halten oder auf Konzerten nach neuer Musik ausschau halten. Ob das vielgepriesene Internet etwas bewegt, halte ich vor dem Hintergrund solcher Allianzen wie AOL-Time Warner für mehr als fraglich.

So, ich hoffe mal, ich habe nicht allzuviele Aussensaiter verärgert, bzw. gegen mich aufgebracht. Falls doch, tut es mir Leid, aber ich finde dieser Thematik wird einfach zu wenig Aufmerksamkeit entgegengebracht.

Unter dem Eindruck eines Wochenendes in Köln

Euer Nasenmann

Re: (Meinung) PopKomm - Hungertuch2/Klarstellung Hungertuch1

Tach Nase

Ganz viel Text und so vor acht Uhr diagonal gelesen ziemlich schlüssig :-))

Ich glaube aber es kommt noch ein weiteres ganz wichtiges Kriterium hinzu. Die Käuferschicht von, sagen wir, 15-30 Jährigen hat ein gänzlich anderes Konsumverhalten in sachen Musik als ein Generation zuvor.

Die "Band" die regelmässig Platten aufnimmt und sie im Rahmen einer Konzerttournee präsentiert ist doch eigentlich eine aussterbende Spezies.

Gerade auf diese Form der Musikalischen Darbietung stützt doch aber nach wie vor die Hauptlast der Unternehmen die mit Musik Geld verdienen.

Ich glaube nicht nur die traditionellen Vertriebskanäle sind einem Wandel unterzogen, sondern auch die Art und Weise wie mit dem Konsumprodukt "Musik" im allgemeinen umgegangen wird und sein Stellenwert in der Generation von Morgen.

Gruss Manuel


Re: (Meinung) PopKomm - Hungertuch2/Klarstellung Hungertuch1

Hi :-)

Sorry, wenn es etwas am Thema vorbei ging - lag wohl an der ziemlich starken Verbindung zu diesen "Querschläger-Themen" ;-)

Also:
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zu 2.

Ist zwar eine unschöne Methode, die Du da beschreibst, aber dürfte eigentlich nicht dazu führen, daß die Verkaufszahlen rückläufig werden bzw. dürfte es fast nur Klein-Label-Kunden betreffen, die ihre Kundschaft verlieren würden. Da aber diese Kunden sicher nicht mit dem Konsumieren von Musik
aufhören werden, wird sich dies auf andere Label oder auf Major-Label verschieben.

Ich sehe da nichts, was Verkäufe rückläufig machen würde - höchsten Produktionen teurer, obwohl ich dies auch für strittig halten würde.


zu 4.

Kann ich nicht ganz so sehen. Das was gespielt wird, ist doch auch vor etlichen Jahren schon vorgegeben worden. Zumindest meine Musik, die ich höre, ist Sparten-Musik, die ich im Radio nicht so oft zu hören bekomme - ich würde fast meinen, daß bestimmte Sachen einfach immernoch geächtet sind und deshalb nur zu bestimmten Zeiten gesendet werden.

Allerdings verstehe ich nicht, daß der "Feedbackeffekt" zum Rückgang der Verkaufszahlen führen muß ???


zu 5.

Hm - dies ist aber eine ziemliches Dilemma, auf das es wahrscheinlich nicht so einfache Antworten geben wird.

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Daß mit Musik heute anders umgegangen wird als es vielleicht vor 25 Jahren der Fall war, da kann ich Manuel zustimmen. Viele möchten sich heute lieber einen Sampler oder eine Single kaufen, als ein ganzes Album ... :-/

Ich persönlich kenne keine direkten Zahlen bzgl. des Rückgangs an CD-Verkäufen. Meiner Meinung nach ist der Rückgang auch nicht unbedingt nachvollziehbar - da kenne ich die Argumentationen nicht genau. Rückgang kann sein, daß weniger CD's zum Vorjahr verkauft werden. Rückgang kann aber auch sein, daß pro produzierten CDs weniger CDs verkauft wurden.

Dazwischen liegen bedeutungschwere Welten. Vielleicht ist das Ganze auch nur Panikmache.

-gruß,
Sebastian

Recht hat der Manuel...

Hi,

: Ich glaube nicht nur die traditionellen Vertriebskanäle sind einem Wandel unterzogen, sondern auch die Art und Weise wie mit dem Konsumprodukt "Musik" im allgemeinen umgegangen wird und sein Stellenwert in der Generation von Morgen.

Da hast Du absolut Recht! Zwar gibt es noch Künstler wie z. B. Madonna, deren Alben sich so oder so wie geschnitten Brot verkaufen, aber wie von Dir beschrieben, sterben die langsam aber sicher aus. In diesem Zusammenhang bin ich auch mal gespannt wie die neuen Platten von Prince und Michael Jackson ausfallen, bzw. verkaufstechnisch laufen werden. Ich bezweifele, dass das Erscheinen derselben noch in dem Maße als Erreignis zu inszenieren ist, wie dies in den 80ern der Fall war. Ein Massenhit wie "Thriller" ist nach meiner Meinung heutzutage nicht mehr vorstellbar, da Musik und Musikkonsum sich dem allgemeinen Konsumverhalten ("Ex und Hopp"), angeglichen haben.

Gutes Nächtle

Nasenmann

Re: (Meinung) PopKomm : Artikel-Link

Hi Groby,

: Hier ist ein interessantes Streitgespräch in einem "Zeit"-Artikel über Popkomm und die Musikbranche.

Prädikat: lesenswert - wenngleich keine wirklich neuen Aspekte drin sind. Und die zwei großen Fragen (1. "Warum haben die Labels nicht mehr Mut?" und 2. "Warum wurde ich noch nicht entdeckt?") werden auch nicht beantwortet...

: Das ist mein erster Link hier. Ich lerne dazu, hoffe ich. Und es hat auch gar nicht weh getan.

:-)

Keep rockin'
Friedlieb