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(Philosophie) Ich und die Keyboarder

Tach Jungs und Saidy.

Nachdem ich Rainer Hains Beschreibung der heutigen Keyboarder gelesen habe, oute ich mich hiermit voller Stolz als 'Ewig-Gestriger', dem es bei der Musik auf Melodie, Arrangement, Harmonisierung etc. ankommt. Ich gebe auch öffentlich zu, daß ich mit Techno (milde ausgedrückt) gar nichts anfangen kann, RAP mich anödet und 99,9% der Hip-Hop Sachen einfach langweilen.

Vor allem ein Satz hat es mir angetan: 'Bestimmend sind da Sounds, Samples und Loops. Der Sound ist gleichberechtigt, wenn nicht sogar wichtiger als der Song.' Jetzt wundert es mich nicht mehr, daß vier von den sechs von meiner Band getesteten Keybordern nicht in der Lage waren in C#-Dur zu spielen.

Ich möchte die Leistung des Sample schneidens, Loops zusammenfrickelns und Sounds erfindens nicht schmälern oder negieren, hat aber für mein Verständnis kaum etwas mit dem Spielen eines Instrumentes (oder ganz hart: mit Musik machen) gemeinsam. Ich glaube auch nicht, daß die Aussage 'Die typischen Gitarrenlicks hört man seit 30 Jahren, irgendwann kommen sie einem zu den Ohren heraus' der Grund für einen 'jungen Menschen' ist, sich dem Keyboard oder Sampler zu widmen. Ich behaupte mal einfach, daß es wesentlich einfacher ist, den Start- und Endpunkt von 'nem Loop rauszuhören und zu speichern, als 'Mediterrenean Sundance' rauszuhören und zu spielen oder eine selbstkomponierte Melodie zu harmonisieren, das Arrangement auf die Instrumente zu verteilen usw. - das ist für mich, IMHO, der Grund, warum es so viele Keyboarder, aber so wenig musizierende oder musikinteressierte Keyboarder gibt. (Ich weiß, daß ich mit diesen Aussagen einigen Keyboardern unrecht tue - aber ich hab auch so meine Erfahrungen.)

Um nicht als 'Hasser aller Neuerungen' dazustehen: Ich benutze und nutze auch Computer, Midi, Harddiscrecording usw. und, um mich nochmal zu outen, auch den Rotarsch - aber damit entsteht immer noch etwas, was für mein Verständnis Musik ist (ob gut oder schlecht ist völlig egal) - was ich bei vielen Produktionen (unsere Firma macht übrigens die Internet-Seiten für die ganzen Sony-Sampler) nicht behaupten kann. (Das sollte jetzt keine Schleichwerbung sein - ich wollte damit nur sagen, daß ich schon weiß, was so auf dem Markt ist.)

Noch als Klarstellung: das was ich geschrieben hab ist soll weder eine Kritik an Rainer sein (u.a. kann ich seine Gründe, auf Keyboard umzusteigen, vollkommen verstehen), noch möchte ich das Samplen etc. verbieten - aber manchmal rege ich mich schon auf, was für Leute sich als Musiker bezeichnen.

Ok - wieder abreagiert

Gruß

Oly

Re: (Philosophie) Die Keyboarder und Ich

Hi Oly!

Zuerstmal: Höflichkeitsform; das heißt Die Keyboarder und Ich!! ;-))

: Vor allem ein Satz hat es mir angetan: 'Bestimmend sind da Sounds, Samples und Loops. Der Sound ist gleichberechtigt, wenn nicht sogar wichtiger als der Song.' Jetzt wundert es mich nicht mehr, daß vier von den sechs von meiner Band getesteten Keybordern nicht in der Lage waren in C#-Dur zu spielen.

C#-Dur hat natürlich schon einen schwierigeren Greif-Charakter, aber jemand der mit seinem Instrument umgehen können will, sollte schon alle Noten einigermaßen flüssig spielen können. (Andererseits haben die doch mittlerweile eh alle MIDI-Transpose-Taste...)

Das mit dem Sampling und neuen Sounds kann ich auch nicht ganz verstehen. Ich denke, bei diesem neuen Soundbasteln gehts eher um das Basteln als um den Sound; zumindest wenn ich mir die meisten Produktionen so angucke... Die meisten sind blos ganz Geil drauf mit nem Computer zu arbeiten...mehr nicht.
Sound ist schon wichtig und trägt viel zur Produktion bei aber ist eben auch nicht alles und als Musiker muß ich sagen, daß mich richtig Handgespielte Instrumente mit 'analogen' Signalen am meisten reizen.

Obwohl ich dazu sagen muß, daß ich gerne auf meinem Korg-Synthie spielen und auch komponiere oder komponieren lasse.. :-) (Frauchen hat ein Spitzengefühl dafür!)
Aber so Digital wie der Kram auch ist, am meisten interssieren mich da auch nur Klafünf-, Streicher- und Percussion-Sounds.

Gruß Benjamin

Re: (Philosophie) Ich und die Keyboarder

Hi Oly!

Ein ernstes Thema!

Das hat wohl sehr viel mit dem technischen Fortschritt zu tun. Früher gab es das Fender Rhodes, den Mini Moog und das war es auch schon. Wer Keyboard spielte, mußte Musik machen können.

Heute kann man sich die Namen der Keyboards gar nicht mehr schnell genug merken, bevor sie durch das Nachfolgemodell vom Markt gefegt werden. Und wenn man nur 10 % der Funktionen dieser Teile ausschöpfen will muß man so viel Zeit investieren, daß für's Musikmachen nichts mehr übrig bleibt.

Bei den Dingern von heute besteht die Gefahr, daß die technischen Möglichkeiten den eigentlichen Sinn der Sache in den Hintergrund drängen. Und so kommt es, daß auch diejenigen Spaß an der Sache haben, die sich für Technik interessieren, nicht aber für Musik.


Auch meine Erfahrung ist, daß unter denen die als Keyboarder firmieren nur ein Teil tatsächlich Musiker sind. Im Moment hab ich das Glück einen in der Band zu haben, der zwar auch Technik-Freak ist, es aber im Laufe seines Musikerlebens gelernt hat, seine Wave-Staion als Werkzeug zum Musikmachen zu sehen und nicht als Selbstzweck. In der vorherigen Band haben wir ewig einen passenden Keyboarder gesucht. Da tauchten im Proberaum aber vorrangig die Gattungen "Alleinunterhalter mit Diskettensammlung" und "Hardwareentwickler" auf.

Gruß
Bernd


Re: (Philosophie) Ich und die Keyboarder

:Ich gebe auch öffentlich zu, daß ich mit Techno (milde ausgedrückt) gar nichts anfangen kann, RAP mich anödet und 99,9% der Hip-Hop Sachen einfach langweilen.


Das geht 99,9% der unter 30-jährigen bei Smoke on the water aber genauso ;-))
Im Ernst: Da gibt es genausoviel Schrott wie unter den Gitarrenbands. Nur das man die FLops aus den 60ern und 70ern heute zurecht vergessen hat, während man Techno heute noch hören muß. In 10 Jahren wird man von der elektronischen Musik der 90er auch nur noch die guten Sachen kennen.


: Ich möchte die Leistung des Sample schneidens, Loops zusammenfrickelns und Sounds erfindens nicht schmälern oder negieren, hat aber für mein Verständnis kaum etwas mit dem Spielen eines Instrumentes (oder ganz hart: mit Musik machen) gemeinsam.


Das sagte mein Vater über Jimi Hendrix auch immer.


:Ich glaube auch nicht, daß die Aussage 'Die typischen Gitarrenlicks hört man seit 30 Jahren, irgendwann kommen sie einem zu den Ohren heraus' der Grund für einen 'jungen Menschen' ist, sich dem Keyboard oder Sampler zu widmen. Ich behaupte mal einfach, daß es wesentlich einfacher ist, den Start- und Endpunkt von 'nem Loop rauszuhören und zu speichern, als 'Mediterrenean Sundance' rauszuhören und zu spielen oder eine selbstkomponierte Melodie zu harmonisieren, das Arrangement auf die Instrumente zu verteilen usw. - das ist für mich, IMHO, der Grund, warum es so viele Keyboarder, aber so wenig musizierende oder musikinteressierte Keyboarder gibt. (Ich weiß, daß ich mit diesen Aussagen einigen Keyboardern unrecht tue - aber ich hab auch so meine Erfahrungen.)

Sagen wir mal so:
Früher war die Wandergitarre das Masseninstrument, heute Synths und Sampler. Und Pendants zu den lilahalstuchtragenden Menschen, die mit Mühe drei Griffe und mit dem Daumen rauf und runter schlagen konnten, gibt es eben heute auch. Die kaufen sich eine Roland MC-505 und drücken auf zwei Knöpfe und "Boah, eyh, kommt Techno 'raus". Die Tanten mit den Wnadergitarren fand ich damals aber genauso zum kotzen.

Ich kenne ein paar Leute, die durchaus auch nichts gegen einen Blues in E hätten, wenn sie dazu ein paar Sequenzen triggern dürften. Oder das Gitarrensolo durch ein Filter schicken. Das Problem ist dann nur das der Biorocker dann meistens sagt: "Hör mit der Scheiße auf." ;-)

: Noch als Klarstellung: das was ich geschrieben hab ist soll weder eine Kritik an Rainer sein (u.a. kann ich seine Gründe, auf Keyboard umzusteigen, vollkommen verstehen), noch möchte ich das Samplen etc. verbieten - aber manchmal rege ich mich schon auf, was für Leute sich als Musiker bezeichnen.


Ich bin ja auch nicht umgestiegen. Gitarre ist und bleibt mein Hauptinstrument. Ich hatte nur in grauer Vorzeit mal Klavierunterricht und nutze das ein bißchen. Meine Musik ist auch eher die klassische Rock/Pop-Kiste. Nur das ich statt der obligatorischen Streicher in einer Ballade auch mal einen schönen Sound aus meinem Microwave II nehme. Genauso kann ich ja auch einen Naturbaß mit einer Synth-Basslinie koppeln.

Und so ganz nebenbei: Techno ist inzwischen auch so tot wie nur irgendwas. ;-)

Rainer