Re: (neues Recording-Equipment) bisschen Gedaddel


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Beitrag von martin vom Februar 01. 2020 um 14:54:53:

Als Antwort zu: Re: (neues Recording-Equipment) bisschen Gedaddel geschrieben von Tom(2) am Januar 31. 2020 um 18:10:37:

Hallo Tom,

das ist ganz schön krass gut, was Du da immer mal so nebenher runterdudelst

Hey, danke für die Blumen!

Bei ersten gefällt mir diese kurzen tonalen (?) Verschiebungen, die dem ganze Backingtrack mal so kurz ne andere Färbung verleihen, bzw aus dem, was man meint zu wissen, wie die nächsten Töne der Melodie klingen, ausscheren. Das klingt immer knapp vor verspielt, ist aber nicht so und passt super.

Das ist ja cool, dass du das so wahrnimmst, weil ich genau daran echt hart gearbeitet habe im letzten halben Jahr. Die verwendete Tonleiter ist die sogenannte "Alterierte Skala". Die besteht quasi fast ausschließlich aus "falschen" Tönen. Jazzer benutzen diese Tonleiter auf der Dominante (5. Stufe) um mehr Spannung zu erzeugen. Wenn man also statt der normalen Quinte einen Halbton höher oder tiefer spielt wird es quasi falsch und es entsteht eine höhere Spannung (als wenn man einfach die passende Note gespielt hätte). 

Damit das aber nicht nur falsch klingt, muss man diese Töne aber irgendwie in einen musikalischen Zusammenhang verpacken und insbesondere dann auch wieder in "richtige" Töne auflösen.

So rein theoretisch kenne ich das seit 35 Jahren, aber benutzt habe ich das nie, weil es sich für mich einfach nur falsch anhörte. Und wenn ich das üben musste für den Gitarrenunterricht, dann habe ich mich da durchgequält und mochte das auch gar nicht selbst anhören.

Dann habe ich vor einem halben Jahr ein Musikstück gehört, wo der Greg Howe ein Solo eingespielt hat. Und an einer bestimmten Stelle taf mich so ein bisschen der Schlag, weil sich die Klangfarbe plötzlich änderte, so als würden sich die Wandfarben im Raum ändern. Diese Stelle habe ich mir dann rausgehört, aufgeschrieben und analysiert. Dabei fiel mir dann auf, dass er dort ausschließlich Töne der alterierten Tonleiter spielte, aber so geschickt verpackt, dass es überhaupt nicht falsch klang, sondern einfach nur wirklich spannend.

Ich habe mir dann ein Backing eingespielt, wo es eine längere Passage mit zwei Akkorden gab, zu denen man die alterierte Skala spielen kann. Im echten Leben erklingt so ein Akkord oft nur zwei Sekunden, das ist dann echt hart genau in diesem kurzen Moment die richtigen "falschen" Töne am Start zu haben. Bei einer etwas längeren Passage kann man eben besser üben, diese Töne unterzubringen.

Nach einer ersten Übeeinheit habe ich meine Impros dann meiner Frau vorgespielt, aber ihr Kommentar war: "Ja, schön dass du das übst, klingt aber immer noch nach Etüde und konstruiert, das ist noch nicht nativ in dein Spiel übergegangen!".

Also weiter üben, immer wieder mal probieren, und so langsam fange ich an diese Töne zu mögen und sie auch mal im echten Leben (also bei Konzerten, Sessions usw. zu probieren).

Deswegen habe ich mich so über deinen Kommentar gefreut, weil er so schön zusammenfasst, womit ich mich das letzte Halbjahr beschäftigt habe. Nochmals vielen Dank dafür!

Gruß Martin




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