Re: Spaß - Ernst - Berührung (war...was anderes)


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Beitrag von erniecaster vom Februar 06. 2009 um 10:13:22:

Als Antwort zu: Re: Spaß - Ernst - Berührung (war...was anderes) geschrieben von muelrich am Februar 06. 2009 um 08:03:13:

Hi Uli,

schon nachdem ich diesen Satz geschrieben habe, dass Musiker Musik viel zu ernst nehmen würden, wusste ich, dass das dünnes Eis ist und in Worten, erst recht geschriebenen Worten, schwer zu vermitteln. Ich bin mir auch nicht sicher ob "zu ernst nehmen" der richtige Begriff ist oder ob "humorlos sein" nicht angebrachter wäre. Oder ich fang nochmal ganz von vorne an. Vielleicht dieses Mal ohne Beispiele.

Es gibt da diesen Begriff "musicians musician", der schon ganz gut beschreibt, was ich meine. So ein MM ist virtuos, meistens den Massen unbekannt und maximal mäßig erfolgreich. Bei den Konzerten stehen andere Musiker, bestenfalls mit ihren Freundinnen. (Am schlimmsten sind übrigens dabei Akustikgitarristen - da besteht das Publikum zu 90% aus Akustikgitarristen.) Als Musiker spricht man möglichst über Platten und Konzerte von MMs.

In dem Augenblick, wo ein Musiker massenkompatibel geworden ist oder gar auch noch mit handwerklich einfachen Mitteln arbeitet, rümpft der Hobbymusiker gerne die Nase. Das wird nicht gehört, da geht man nicht zu Konzerten. Und viele Hobbymusiker, die ich kenne, eifern den MMs nach und brechen sich fast die Ohren dabei.

Showelemente wie Bühnenkleidung, Choreografie, Licht, Kommunikation mit dem Publikum etc. sind bei MMs und Musikern häufig verpönt. Lieber noch schnell einen PIO-Kondensator einlöten anstatt sich vor dem Betreten der Bühne mal die Haare zu waschen. Da stehen fast alle in Jeans und T-Shirt auf der Bühne, nur einer im Anzug. Oder andersrum. Alles hüpft auf der Bühne, bis auf den Bassisten und den Schlagzeuger. Okay, der Drummer ist entschuldigt. Manchmal habe ich das Gefühl, als würden sich Musiker davor fürchten, vom Publikum gemocht zu werden. Dann mag sie ja die Musikerpolizei nicht mehr...

In letzter Zeit bin ich hauptsächlich zu massenkompatiblen, kommerziellen Konzerten gegangen. Und ich wurde deutlich besser unterhalten als bei MMs. Bei den Kommerzfredis hatten alle mehr Spaß - auf und vor der Bühne. Ich hoffe, dass meine Meinung einigermaßen klar geworden ist.

Ich habe noch eine Weile auf dem von dir verwendeten Begriff der "musikalischen Qualität" rumgedacht. Das ist für mich nicht greifbar und ich glaube auch, dass so eine Kategorisierung sehr schief geht, wenn man das nicht vorher sauber definiert. Aber das ist ein abendfüllendes Thema, das man vermutlich in einem Forenbeitrag nicht einmal vernünftig anreißen kann, geschweige denn wirklich erschöpfend beleuchten.

Gruß

erniecaster




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