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Der Schüler, das unbekannte Wesen

Liebe Gemeinde!

Manchmal spielt das Leben ja verrückt und so auch hier. Als fast ausschließlicher Autodidakt habe ich einen Gitarrenschüler. Der gute Mann ist über dreißig und durchaus motiviert, kann auch schon die üblichen offenen Griffe, auch Barrée. So weit, so gut.

Das Problem ist die rechte Hand. Wenn mein Schüler erst ein A-Dur spielt, schlägt er ordentlich die A-Saite an. Dann ein E-Dur dahinter und welche Basssaite schlägt er an? Ihr ahnt es, die A-Saite. Er schaut verträumt durch die Gegend, genießt den Klang der Gitarre und schlägt einfach nicht die richtige Saite an. An diesem Problem arbeiten wir seit Wochen und kommen keinen Schritt weiter. Ich bin bereits ein wenig frustiert.

Ich glaube, es ist ein Konzentrationsmangel. Wie kann ich meinem Schüler jetzt beibringen, hellwach und aufmerksam zu sein und zu bleiben?

Gruß

Matthias

Re: Der Schüler, das unbekannte Wesen

Hi,

Ich glaube, es ist ein Konzentrationsmangel. Wie kann ich meinem Schüler jetzt beibringen, hellwach und aufmerksam zu sein und zu bleiben?

ich würde ihn jedesmal so direkt wie nötig drauf hinweisen, im Zweifelsfall direkter als nötig. Er ist erwachsen und braucht keine verständnisvolle Kuschelpädagogik. Dubist sein Lehrer, du weißt Bescheid und er nicht. Er soll von dir lernen. Was er macht ist falsch und darauf musst du ihn hinweisen.

Lass ihn Stücke mit mit häufig wechselnden Lagerfeuerakkorden spielen und achte mit zu messerscharfen Schlitzen verengten Augen (es ist noch eindrucksvoller, wenn sich auch die Nasenlöcher zu messerscharfen Schlitzen verengen) darauf, dass er die richtige Basssaite anschlägt. Beim ersten Fehler sofort nochmal von vorn. Wieder und wieder und immer wieder. Es ist sein Geld, das er verschwendet, ohne weiterzukommen, wenn er daran nicht arbeitet.

Verträumt durch die Gegend gucken und den Klang seiner Gitarre genießen hat durch aus seine Berechtigung, aber das kann er außerhalb des Unterrichts genug!

cu, ferdi

Re: Der Schüler, das unbekannte Wesen

Hi Matthias,


komisch, das Problem kenne ich von Schülern nur andersherum: Nämlich daß sie grundsätzlich alle Saiten anschlagen, was beim offenen D natürlich schaurig klingt.

Grundsätzlich hilft es (nartürlich) wenn der Schüler versteht, warum das falsch ist und warum es anders sein muss. Das ist ja nicht immer gegeben - das Dämpfen mit der Handkante/Handballen (gibt's das Wort?) habe ich einem Schüler mal mehrere Wochen erklären müssen, weil er einfach nicht begriffen hat, worum es geht und auch nicht die Zusammenhänge zwischen Saitenschwingung und Klang erkannte.

Aber sonst: Wie ferdi sagt, knallhart beim kleinsten Fehler wieder von vorne anfangen lassen. Entweder er wird frustriert und hängt's an den Nagel (dann sollte es nicht sein, Gitarrespielen muss man halt üben) oder es nervt ihn so sehr, daß er härter an sich arbeitet.

Wichtig ist eben sein Verständnis. Allerdings sollte gerade beim E-Dur klar vermittelbar sein, daß da eben die E-Saite angeschlagen werden muss. Wenn er einfach nur nicht trifft: Üben. Wenn das partout nicht klappt: Mit o.g. Methode wegekeln

Gruß,
Felix

Re: Der Schüler, das unbekannte Wesen

Hallo,

ich hoffe nur, daß euch begnadeten Gitarrelehrern nicht all zuviele Opfer in die Hände fallen denen ihr das Spielen vermiesen könnt.

Nichts für ungut

Ludwig



: Hi,
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: Ich glaube, es ist ein Konzentrationsmangel. Wie kann ich meinem Schüler jetzt beibringen, hellwach und aufmerksam zu sein und zu bleiben?
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: ich würde ihn jedesmal so direkt wie nötig drauf hinweisen, im Zweifelsfall direkter als nötig. Er ist erwachsen und braucht keine verständnisvolle Kuschelpädagogik. Dubist sein Lehrer, du weißt Bescheid und er nicht. Er soll von dir lernen. Was er macht ist falsch und darauf musst du ihn hinweisen.
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: Lass ihn Stücke mit mit häufig wechselnden Lagerfeuerakkorden spielen und achte mit zu messerscharfen Schlitzen verengten Augen (es ist noch eindrucksvoller, wenn sich auch die Nasenlöcher zu messerscharfen Schlitzen verengen) darauf, dass er die richtige Basssaite anschlägt. Beim ersten Fehler sofort nochmal von vorn. Wieder und wieder und immer wieder. Es ist sein Geld, das er verschwendet, ohne weiterzukommen, wenn er daran nicht arbeitet.
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: Verträumt durch die Gegend gucken und den Klang seiner Gitarre genießen hat durch aus seine Berechtigung, aber das kann er außerhalb des Unterrichts genug!
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: cu, ferdi


Re: Der Schüler, das unbekannte Wesen

Hi,

eine andere Herangehensweise wäre, dafür zu sorgen, dass sich der Schüler wohlfühlt - so als Kunde, den ich "glücklich zu mache habe". Dienstleistung.

Dann müsste ich durch Zuspruch und Bestärkung in seinem Tun dafür sorgen, dass er möglichst verträumt mit dem Klang seiner Gitarre verschmilzt.

Ich hoffe nur, dass sich der Schüler nicht wundert, dass niemand der Zuhörenden ebenso verträumt mit dem Klang seiner Gitarre verschmilzt, wenn er ein offenes D mit mitschwingender E6 spielt.

"Hör mal, es ist nicht so wichtig, wie es sich anhört und wie die anderen es finden. Hauptsache, du hast Spaß am Spielen! That's what counts!"


cu, ferdi

Re: Der Schüler, das unbekannte Wesen

Hi Ludwig,

: ich hoffe nur, daß euch begnadeten Gitarrelehrern nicht all zuviele Opfer in die Hände fallen denen ihr das Spielen vermiesen könnt.

das klingt jetzt so, als würdest Du all das Wissen haben, welches man braucht, um einen Gitarrenschüler zu motivieren und die von Matthias angesprochenen Probleme zu lösen, ohne dem Schüler das Spielen zu vermiesen. So liest es sich jedenfalls für mich.

Allerdings frage ich mich dann, weshalb Du dieses Wissen nicht mit uns teilen möchtest. Das wäre dann nämlich ein konstruktiver Beitrag zu dieser Diskussion.

: Nichts für ungut

Ditto.

Keep rockin'
Friedlieb

Re: Der Schüler, das unbekannte Wesen

Hallo,

ich denke es ist eine Frage des Anspruchs - wenn der Schüler den Anspruch hat, mal ein guter Gitarrist zu werden, dann sollte er schon lernen die richtige Saite anzuschlagen. Vielleicht stört ihn im Moment aber noch nicht, dass er die falsche Saite anschlägt, weil er es nicht richtig hört. Dann wäre es vielleicht ganz gut mit etwas anderem erstmal weiterzumachen und erst später auf die Problematik zurückzukommen. Eine andere Möglichkeit wäre vielleicht alles aufzunehmen, um dem Schüler mal zu verdeutlichen wie ein Aussenstehender sein Gitarrenspiel wahrnimmt.
Dann merkt er vielleicht deutlicher den Unterschied zwischen dem "sauberen Spiel" und seinem.
MfG
Saalky