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(Privat) Meine dritte Vintage-Gitarre

Meine dritte Vintage-Gitarre oder
Ein abschreckender Erlebnisbericht

Oh ja, der Equipmentwahn in seiner besonderen Form des Vintage-Virus! Vor
einigen Jahren war ich auch infiziert. Zu dieser Zeit begannen die Preise für
"Vintage-Gitarren" massiv zu steigen, unter Insidern war bereits eine gewisse
Goldgräberstimmung zu verspüren. Der große Boom und erst recht die erste
Dämpfung des Marktes standen allerdings noch bevor. Dabei waren
"Vintage-Gitarren" noch ausschließlich Gitarren amerikanischer Herkunft. Norbert
Schnepel hatte allerdings bereits das Standardwerk "Elektro-Gitarre made in
Germany" verfaßt. Durch dieses Buch auf den Geschmack gekommen, fahndete ich
mehr oder weniger unbewußt nach "Schnäppchen" und glaubte eines Tages, etwas
gefunden zu haben.

Ich fand tatsächlich eine alte Archtop eines deutschen Herstellers. Die Gitarre
sah beim ersten schnellen Testen nicht nur klasse aus, sie spielte sich auch sehr gut;
der akustische Sound war ungemein perkussiv und kam bei jazzigen Soli und dem
typischen jazzigen Begleitstil wirklich toll. Schön und gut soweit, ja sogar Begeisterung,
die ich natürlich vor dem Verkäufer zu verbergen suchte, um den Preis nicht zu
verderben. Für ein paar Hunderter wurden wir uns handelseinig und hatten es
beide eilig, nach hause zu kommen.

Zuhause fand ich nach dem ersten Abklingen der Euphorie die Gitarre immer noch
schön. Naja, die F-Löcher hatten beim genaueren Hinsehen schon eine
gewöhnungsbedürftige Form, aber bitte, bei dem Preis. Bespielbarkeit und
jazziger Sound waren nach wie vor toll. Sogar meine üblichen Akustikparts
klangen darauf ordentlich - dumm war nur, dass meine eigentliche
Flattop-Akustikgitarre im Vergleich deutlich besser klang. Genauer gesagt, klang
meine "Alte" bei nahezu allen Gelegenheiten besser, also auch bei den jazzigen
Parts. Hm.

Aber so eine Archtop-Jazzgitarre ist ja sowieso nicht dazu da, akustisch
gespielt zu werden. So mein Gedankengang. Also Pickup organisieren! Die Wahl
fiel auf den DeArmond-Pickup. Das Teil mußte doch genau der richtige Partner
dafür sein. Nur - woher nehmen? Vintagehändler boten diese Pickups mittlerweile
zwar an, der Preis überstieg aber locker den der Gitarre. Nach langem Hin und
Her fand ich einen anderen Pickup zu einem akzeptablen Preis. Die Kombination
Gitarre+Pickup klang allerdings nicht wirklich gut. Dazu kamen erhebliche
Feedbackprobleme. Noch schlimmer: mit meiner Strat war ich durchaus in der Lage,
die gewünschten jazzigen Sounds deutlich besser zu erzeugen. Hm.

Da hatte ich nun diese seltene Gitarre, bis auf die F-Löcher, die ich
mittlerweile scheußlich fand, ganz nett anzuschauen. Auch gut zu bespielen, war
sie. Und der Sound war auch nicht schlecht. Nur - gut war er eben auch nicht. Hm.
Und da stand ich nun. Eine billige Gitarre, mit der ich nicht zufrieden war.
Zwar stimmte das "Preis-Leistungs-Verhältnis", aber die Leistung alleine stimmte
nicht. Glücklicherweise fand ich bald nach dieser Erkenntnis jemanden, der die
Gitarre zu meinem Einstandspreis kaufen wollte. Und wie schrieb ich schon weiter
oben? "Für ein paar Hunderter wurden wir uns handelseinig und hatten es beide
eilig, nach hause zu kommen."

knock on same old wood

Matthias



Re: (Privat) Meine dritte Vintage-Gitarre

Tach Matthias

Die Geschichte kommt mir sehr bekannt vor, selber Gitarrentyp etc. Der einzige Unterschied; der De Armond war bei meiner ersten Hoyer schon drauf.

Ich mach da halt ein bisschen einen Unterschied. Einerseits Instrumente die ich als Werkzeuge betrachte. Die müssen gut klingen, zuverlässig und robust sein und optisch halbwegs zum Musikstil passen.

Und das andere sind die alten Kamellen für die mir meine Frau regelmässig Flohmarktverbot erteilt. Bei Lichte betrachtet eine Ansammlung von Schrottgitarren die alle etwas gemeinsam haben; sie machen tierisch spass und kosten zwischen nix und nicht viel. Und sie nehmen viel Platz in Anspruch, meint Sylvia :-)

Einstandspreis 60.-- Fr, eine halbe Flasche Politur für Autolack, 1 m Jumbo-Bunddraht um den leicht verzogenen Hals zu korrigieren, neue alte Mechaniken aus der Grabelkiste und fertig ist eine weitere Sofagitarre. Das sind die Teile die immer dann zum Einsatz kommen, wenn ich abends allein mit einem Bier vor der Glotze sitze. Der Spasswert ist optimal.

Klar hätt ich auch lieber sie würden klingen wie eine Ibanez-Pat-Metheny. Vielleicht hab ich Glück und find mal eine auf'm Flohmarkt. So 100.-- oder 150.-- würd ich schon noch investieren :-). Aber bei allen Unzulänglichkeiten muss ich den allten Dingern doch zugestehen, dass sie, gerade weil sei so eingeschränkt klingen, mich immer wieder auf lustige Ideen bringen.

Gruss Manuel