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(Technik) Mein Leben mit dem Chapman Stick

Hallo Benjamin (und alle andern),

Du hast mich gebeten, doch ein bißchen über meine Erfahrungen mit diesem seltsamen Instrument, dem Chapman Stick, zu berichten. Das tue ich gern.
Wie kommt man dazu, so ein Ding zu spielen? Zuerst gehört habe ich von dem Gerät in den Beipackzetteln meiner Peter Gabriel-Platten, wo Tony Levin das Ding spielt. Später begegnete es mir auf King Crimson-Scheiben wieder (auch mit TLev). Damals konnte ich allerdings die Klänge, die ich hörte, noch nicht so richtig zuordnen. Erst ein Paar Jahre später, als King Crimson mit einem zweiten Stick-Spieler (Trey Gunn) wieder aus der Versenkung auftauchten, wurde mir langsam klar, daß vom Stick nicht nur dieser wunderschön perkussive Baßsound kam, sondern daß das Ding auch hohe Saiten hat. Vor ca. vier Jahren kam dann zusammen, daß besagter Mr. Gunn dann eine Solo-CD veröffentlichte - nur Stick, Gesang und Schlagzeug - und daß ich King Crimson in Stuttgart live sehen konnte. Da wurde der Haben-Wollen-Faktor dann so groß, daß ich anfing zu sparen. Wieder ein paar Monate und ein geplündertes Konto später hatte ich dann meinen eigenen bei Mr. Chapman bestellt.
Und dann kam er, lächelte mich an und sprach: "Spiel mich!" (der Stick, nicht Mr. Chapman) - und ich kam überhaupt nicht damit zurecht. Bis dahin hatte ich Geige und Gitarre gespielt, aber plötzlich mit der rechten Hand zu Greifen und nicht zu Zupfen war doch sehr ungewohnt. Und dann diese Stimmung! Melodiesaiten in Quarten, Baßsaiten in umgekehrten Quinten (also mit der tiefsten Saite in der Mitte des Griffbretts)...
Aber die Gewöhnung ging doch unerwartet schnell. Und ich muß sagen, je länger ich mich mit diesem Instrument beschäftige, desto mehr merke ich, wieviel Gedanken sich Mr. Chapman beim Design des Sticks gemacht hat. Auch die erst sehr ungewöhnliche Stimmung leuchtet mir inzwischen ein. zum Beispiel ist es sehr einfach, Akkorde zu konstruieren oder Stücke zu transponieren. Und die Quintenstimmung im Baß ist günstig für Akkorde oder Arpeggien, mit dem größeren Abstand zwischenden Akkordtönen mulmt es nicht so leicht.
Und durch die Tatsache, daß man die Töne nicht zupfen muß sondern direkt durch Tapping erzeugt, kann ich plötzlich viel schneller spielen als auf der Gitarre :-) es entfällt also die Koordination zwischen rechter und linker Hand.
Ich würde also nicht sagen, daß der Stick ein besonders schwierig zu spielendes Instrument ist. man muß nur seine Erwartungen loswerden, es ist eben weder ein Baß noch eine Gitarre.
Last but not least, der Klang: ich finde, das Ding klingt einfach klasse. Nicht nur die Baßsaiten (der Sound, den vielleicht die meisten mit dem Stick assoziieren), sondern auch die Melodiesaiten haben einen recht eigenen, ziemlich perkussiven Klang, vielleicht am ehesten mit einer Mischung aus Gitarre/Baß und Klavier vergleichbar.
Seit ich meinen Stick habe, verstaubt meine gute alte Strat in der Ecke.
Sehr hilfreich bei meinen ersten Schritten mit dem Stick fand ich übrigens - neben den Chapmans, die sehr freundlich und hilfreich waren - die Internetgemeinde der Stickspieler. Es gibt eine Mailing-Liste für Stickisten, an der fast alles teilnimmt, was in der Stickwelt Rang und Namen hat, und die Atmosphäre ist meistens ähnlich konstruktiv wie in diesem Forum hier - einen Gruß an alle Poster, die dazu beitragen!

Johannes

Re: (Technik) Mein Leben mit dem Chapman Stick

Hallo Johannes!

Mußte das jetzt sein? Mich interessiert das Ding schon lange. Mit viel Mühe hab ich mir die Sache wieder ausgeredet und soviel als möglich negative Gesichstpunkte gesammelt, damit der Haben-Will-Faktor wieder kleiner wird. Der Stick war schon raus aus meinem Kopf, und jetzt kommst Du daher ;-)))

Spaß beiseite:

Was mich interessieren würde:

- brauche ich für das Teil sowohl eine Bass- als auch eine Gitarrenanlage?

- manche Stick-Kritiker haben mir erzählt, daß die Diskantsaiten aufgrund der langen Mensur etwas eigenartig klingen, wie ist das?

- Wieviel Dollar's muß man an Mr. Chapmann überweisen. Wie sieht es aus mit Service/Ersatzteilbeschaffung etc?

- Wie sind die Preise für gebrauchte Sticks?

Gruß
Bernd

Re: (Technik) Mein Leben mit dem Chapman Stick

Nun, lieber Nicht_Rainer, mit einem Stick Bass liebäugle ich auch schon länger. Vielleicht sollte ich diese Investition tätigen, bevor mich Maria im nächsten Jahr einfängt ... :-)

Mein alter (in beiden Bedeutungen) Freund Archie alias Joachim Arthur Hermes hier im z.Z. sonnigen PB spielt seit ca. drei Jahren einen Grand Stick. Seine PRS hat er verkauft. Als Amp benutzt er einen Mesa 400+ und zwei (!!!) Marshall 1960. Allerdings spielt er als Gigs nur Theatermusik und Studio. Ach ja, und ein Rocktron FX. Er klingt absolut stark und der Sound ist umwerfend.

Re: (Technik) Mein Leben mit dem Chapman Stick

: Hallo Johannes!

: Mußte das jetzt sein? Mich interessiert das Ding schon lange. Mit viel Mühe hab ich mir die Sache wieder ausgeredet und soviel als möglich negative Gesichstpunkte gesammelt, damit der Haben-Will-Faktor wieder kleiner wird. Der Stick war schon raus aus meinem Kopf, und jetzt kommst Du daher ;-)))

Ja, schade, daß ich von den Chapmans kein Geld für Werbung kriege, vielleicht sollte ich da mal anfragen :)

Zu Deinen Fragen:


: - brauche ich für das Teil sowohl eine Bass- als auch eine Gitarrenanlage?

Jein... es kommt drauf an, wie Du das Instrument einsetzen willst. Es gibt Leute, die es eher wie eine Kombination von Baß und Gitarre spielen, sprich unterschiedliche Sounds für beide Saitengruppen verwenden. Die (zu denen gehöre auch ich) spielen meistens über Gitarren- plus Baßverstärker. (Hoffentlich komme ich nie auf den Gedanken, noch einen Midipickup an meinen Stick bauen zu lassen, dann brauche ich ja noch einen Keyboardamp ;-)
Andere spielen lieber über eine Klein-PA über zwei Kanäle. Geht genauso, außerdem klingen dann die Melodiesaiten etwas brillanter und Stick-spezifischer als über den Gitarrenamp.
Bei mir lags vor allem daran, daß ich schon einen Gitarrencombo hatte, da lag es nahe, einfach einen Baßverstärker dazuzustellen.

: - manche Stick-Kritiker haben mir erzählt, daß die Diskantsaiten aufgrund der langen Mensur etwas eigenartig klingen, wie ist das?

Wenn man die Saiten zupft, ist das schon richtig. Aber der Klang der getappten Saiten gefällt mir sehr - und zupfen tue ich sowieso nur noch sehr selten, weil auf diese Weise ja die zweite Spielhand blockiert ist.


: - Wieviel Dollar's muß man an Mr. Chapmann überweisen. Wie sieht es aus mit Service/Ersatzteilbeschaffung etc?

Ein neuer Stick kommt auf ca. 1600$ für einen Zehnsaiter, 1900$ für einen Zwölfsaiter. Flightcase (sehr robust) inklusive. Dazu kommen Zoll & Steuern.
Service ist natürlich ein gewisses Problem, Stick Enterprises sitzen in Los Angeles, falls also mal was größeres kaputt sein sollte, steht das Verschicken nach Amiland an.

: - Wie sind die Preise für gebrauchte Sticks?

Wenn Du sie von den Chapmans selbst kaufst, ca. 800 - 1200$ für ein komplett überholtes Instrument, je nach Modell. Hat den Vorteil, daß Du sicher sein kannst, daß die Einstellung und Bespielbarkeit optimal sind. Nach dem was man hört, sind einige der Sticks auf dem Gebrauchtmarkt ziemlich verstellt (Saitenlage etc.), was die Bespielbarkeit natürlich nicht gerade verbessert (die Dinger werden halt anders eingestellt als Gitarren oder Bässe, z.B. sollte das Griffbrett absolut eben sein). Falls Du also mal einen gebrauchten finden solltest, am besten einen erfahrenen Sticker konsultieren, was das angeht.
Hier in Deutschland habe ich mal eine Anzeige für einen gebrauchten für knapp über tausend Mark gesehen. Über den Zustand kann ich natürlich nichts sagen. Hinzufügen sollte ich noch, daß jeder neue Stick mit Flightcase, Kabel und Lehruch ausgeliefert wird, falls Du also ein Instrument auf dem Gebrauchtmarkt finden solltest, sollten diese Teile auch dabei sein.

Wenn Du Deinen Stick dann hast, spielen wir mal ein Duett? :-)

Johannes