Liebe Gemeinde!
Gestern hatte ich das große Vergnügen, in einem ziemlich großen Saal eines Gutshofs spielen zu dürfen. Liebevoll arrangiertes Ambiente, eine unglaublich charmante "Schlossherrin", Parkplatz vor der Tür, Steckdosen en masse, Garderobe in der Nähe, lecker Essen - alles wunderbar.
Nicht so wunderbar waren die akustischen Verhältnisse: Hohe Holzbalkendecken, Fliesen, große Wandflächen mit kleinen Fenstern ohne Gardinen. Mir schwante Böses, als ich das erste Mal den Raum betrat. Ich klatschte vorsichtig in die Hände und da war er: Der HALLLLLLLLLLLLLL. Höhenreich flirrte das Echo des Schalls meiner zusammenprallenden Handflächen noch durch die Luft, als ich bereits meine Stirn in tiefe Sorgenfalten zu legen begann.
Was für Maßnahmen lassen sich da ergreifen? Wie kann ich da den Sound optimieren?
Klar war erst einmal, dass wir am Raum nichts ändern konnten und durften. Also mußte alles am Mischpult bzw. von der Bühne aus passieren. Folgendes haben wir gemacht:
1. Ich habe versucht, rauszufinden, wo es am gemeinsten hallte. Das waren ziemlich hohe Höhen. Die ließen sich mit dem EQ leicht absenken. Klang dennoch nicht mupfig.
2. Lautstärke etwas runter. Damit der Druck nicht ganz verloren ging, Bässe rauf.
3. Hallanteil auf dem Gesang runter.
4. Der manchmal dezent eingesetze Hall auf der Gitarre wurde in den Höhen nochmal beschnitten.
5. Ein eher hektisches Stück warfen wir aus dem Programm und fügten eine Schnulze ein.
6. Ich spielte deutlich weniger auf der Gitarre.
Ich denke, dass wir das Problem einigermaßen in den Griff bekommen haben, jedenfalls: "wo ich stand, klang´s gut".
Dennoch meine Frage: Was kann man in einer solchen Situation noch machen?
schönntachnoch
Matthias
Übersicht
- (Technik) Der Hall, das unbekannte Wesen - gestartet von Matthias 19. September 2002 um 09:26h
- Re: (Technik) Der Hall, das unbekannte Wesen
- von
ullli
am 23. September 2002 um 18:54
- Re: (Technik) Der Hall, das unbekannte Wesen
- von
woody
am 19. September 2002 um 15:29
- Re: (Technik) Der Hall, das unbekannte Wesen
- von
Christoph
am 19. September 2002 um 11:40
- Re: (Technik) Der Hall, das unbekannte Wesen
- von
Nic
am 19. September 2002 um 21:15
- Re: (Technik) Der Hall, das unbekannte Wesen
- von
Nic
am 19. September 2002 um 21:15
- Re: (Technik) Der Hall, das unbekannte Wesen
- von
ullli
am 23. September 2002 um 18:54
Hallo Matthias
Als Bassist in einem Chor habe ich folgende Erfahrungen gemacht:
1) Gegen "natürlichen" Raumhall lässt sich auf die Schnelle nichts Gescheites unternehmen. Auch der Standort ist da ja normalerweise vorgeschrieben. Aber zumindest den künstlichen Hall würde ich wegnehmen.
2) Leer klingt ein Raum komplett anders, als wenn er mit Leuten gefüllt ist. Das Hallproblem entschärft sich, wenn die Kirche voll ist.
3) Selber hört man sich unter Umständen deutlich schlechter als dies die Zuhörer tun. Es gab Räume (vorallem grosse Kirchen) da musste ich meinen Combo schräg VOR mich hinstellen, damit ich mich hören konnte, und trotzdem vom Toni keine Reklamationen kamen *gg*
Viel Gescheiteres habe ich leider auch noch nicht rausgefunden. Am liebsten spiele ich im Freien, da kann man mal so richtig schön Gas geben :-))
Gruss. Christoph
Als Bassist in einem Chor habe ich folgende Erfahrungen gemacht:
1) Gegen "natürlichen" Raumhall lässt sich auf die Schnelle nichts Gescheites unternehmen. Auch der Standort ist da ja normalerweise vorgeschrieben. Aber zumindest den künstlichen Hall würde ich wegnehmen.
2) Leer klingt ein Raum komplett anders, als wenn er mit Leuten gefüllt ist. Das Hallproblem entschärft sich, wenn die Kirche voll ist.
3) Selber hört man sich unter Umständen deutlich schlechter als dies die Zuhörer tun. Es gab Räume (vorallem grosse Kirchen) da musste ich meinen Combo schräg VOR mich hinstellen, damit ich mich hören konnte, und trotzdem vom Toni keine Reklamationen kamen *gg*
Viel Gescheiteres habe ich leider auch noch nicht rausgefunden. Am liebsten spiele ich im Freien, da kann man mal so richtig schön Gas geben :-))
Gruss. Christoph
Hi Matthias,
meiner Erfahrung nach gibt es genau zwei Möglichkeiten mit Hall umzugehen:
-Man schlägt ihn mit brachialer PA-Leistung tot,
-Man bezieht ihn in den Sound ein.
Wenn man rein Akustisch spielt, ist ein gesunder Raumhall ja im Prinzip das Beste, was passieren kann, also fährt man sein Setup bis auf quasi-unplugged herunter.
Wie ihr also gemacht habt,
Hall weg (ist ja ohnehin vorhanden),
Lautstärke reduzieren,
u.U. Monitore weglassen um den Raum besser zu spüren.
Das gibt auch meist dann eine nette, intime Athmosphäre, besonders in nicht allzu großen Räumen.
stay tuned,
Woody
meiner Erfahrung nach gibt es genau zwei Möglichkeiten mit Hall umzugehen:
-Man schlägt ihn mit brachialer PA-Leistung tot,
-Man bezieht ihn in den Sound ein.
Wenn man rein Akustisch spielt, ist ein gesunder Raumhall ja im Prinzip das Beste, was passieren kann, also fährt man sein Setup bis auf quasi-unplugged herunter.
Wie ihr also gemacht habt,
Hall weg (ist ja ohnehin vorhanden),
Lautstärke reduzieren,
u.U. Monitore weglassen um den Raum besser zu spüren.
Das gibt auch meist dann eine nette, intime Athmosphäre, besonders in nicht allzu großen Räumen.
stay tuned,
Woody
Hi!
: 2) Leer klingt ein Raum komplett anders, als wenn er mit Leuten gefüllt ist. Das Hallproblem entschärft sich, wenn die Kirche voll ist.
Genau. Sowas hatten wir am Samstag. Haben mit einer unplugged-Besetzung (Voc, Cello, W-Git) auf ner Vernissage gespielt.
Ankunft 45min vor Veranstaltungsbeginn. Rein in den Raum, ein kurzes "Ha Ha" von mir (nur um mal den Raum zu spüren). Oha, altes Rathaus, Nebenraum... ziemlich viel Hall... komischer Badezimmer-Hall (der Raum war nicht sehr gross), sehr nasal.
Wir spielen uns ein. Der Hall schmeichelt dem Cello super und der Stimme tut er nicht wirklich weh. Christiane (voc) atmet auf, sie sei eh heiser, Hall könne es nicht genug sein...
Dann Veranstaltungsbeginn. 90 geladene Kunstkenner (oder auch nicht). Alle Wände mit Personen zugestellt... und weg war er der Hall. Aber total.
So rum muss es nicht besser sein, dann lieber ne PA dabei, der man den Hall wegnehmen kann ;-)
Gruss
Nic
: 2) Leer klingt ein Raum komplett anders, als wenn er mit Leuten gefüllt ist. Das Hallproblem entschärft sich, wenn die Kirche voll ist.
Genau. Sowas hatten wir am Samstag. Haben mit einer unplugged-Besetzung (Voc, Cello, W-Git) auf ner Vernissage gespielt.
Ankunft 45min vor Veranstaltungsbeginn. Rein in den Raum, ein kurzes "Ha Ha" von mir (nur um mal den Raum zu spüren). Oha, altes Rathaus, Nebenraum... ziemlich viel Hall... komischer Badezimmer-Hall (der Raum war nicht sehr gross), sehr nasal.
Wir spielen uns ein. Der Hall schmeichelt dem Cello super und der Stimme tut er nicht wirklich weh. Christiane (voc) atmet auf, sie sei eh heiser, Hall könne es nicht genug sein...
Dann Veranstaltungsbeginn. 90 geladene Kunstkenner (oder auch nicht). Alle Wände mit Personen zugestellt... und weg war er der Hall. Aber total.
So rum muss es nicht besser sein, dann lieber ne PA dabei, der man den Hall wegnehmen kann ;-)
Gruss
Nic
Weil hier jemand mit Zaunfabriken gewunken hat, soll auch der Mischer noch was tippen. Aber was soll man da tippen. Wieso denkst Du eigentlich immer, dass andere Leute schlauer sein sollen als Du selbst, hae? :0) Hast doch alles gemacht, was man tun konnte!
Kann ja hoechstens aus Erfahrung einschraenken - mehr Bass ist letztlich auch gefaehrlich. Aber dass Raeume mit Menschen drin anders klingen, ist ja schon getippt worden und Dir auch sicher schon im Urin. Da geht dann der uebermaessige Bass auch wohl in Ordnung.
Wer viel in intimen Locations spielt, der kann sich ja durchaus ein "Backdrop" aus Filz besorgen, denn die ganz schnelle Reflexionen von hinter der Buehne machen es erst mal sehr Wischiwaschi. Aber ihr habt ja schon PA dabei, also ist das auch nicht wirklich noetig.
Woody kann ich nicht ganz zustimmen, besonders wenn ein viereckiger Raum mit harten Waenden (also fast jeder zweite Auftrittsort) bespielt wird, sorgt mehr PA nur fuer mehr Schmerz - denn der Anteil des Halls am Gesamtkrach bleibt ja prozentual im gleichen Rahmen. Fuer Rockbands gilt also faszinierenderweise: Leiser drehen, und die Sonne geht auf - denn die direkten Echos kommt von hinten, unsere Ohren gucken nach vorne - wenn das Echo also nicht sooo fett ist, dass es dann von vorne wiederum nach hinten rennt, dann ist unser Ohr ganz erstaunlich gut darin, das zu ueberhoeren!
Aber sonst? Immer eine Kiste Luftballons und eine Motorpumpe mitnehmen? Industrikanister mit Rasierschaum?
Noe Matthias, Du machst das leider alles richtig!
Und mit der Stueckauswahl sowieso. Ich erinnere mich mit schaudern an unsere Auffuehrung von Mozarts Requiem in einer kleinen Kirche in Prag, wo nach einem besonders knackigen Ende eines Satzes viermal angezaehlt werden musste, bis die Kirche begriffen hatte, dass es jetzt mal gut sei.
gut Ton wherever you go!
ullli
Kann ja hoechstens aus Erfahrung einschraenken - mehr Bass ist letztlich auch gefaehrlich. Aber dass Raeume mit Menschen drin anders klingen, ist ja schon getippt worden und Dir auch sicher schon im Urin. Da geht dann der uebermaessige Bass auch wohl in Ordnung.
Wer viel in intimen Locations spielt, der kann sich ja durchaus ein "Backdrop" aus Filz besorgen, denn die ganz schnelle Reflexionen von hinter der Buehne machen es erst mal sehr Wischiwaschi. Aber ihr habt ja schon PA dabei, also ist das auch nicht wirklich noetig.
Woody kann ich nicht ganz zustimmen, besonders wenn ein viereckiger Raum mit harten Waenden (also fast jeder zweite Auftrittsort) bespielt wird, sorgt mehr PA nur fuer mehr Schmerz - denn der Anteil des Halls am Gesamtkrach bleibt ja prozentual im gleichen Rahmen. Fuer Rockbands gilt also faszinierenderweise: Leiser drehen, und die Sonne geht auf - denn die direkten Echos kommt von hinten, unsere Ohren gucken nach vorne - wenn das Echo also nicht sooo fett ist, dass es dann von vorne wiederum nach hinten rennt, dann ist unser Ohr ganz erstaunlich gut darin, das zu ueberhoeren!
Aber sonst? Immer eine Kiste Luftballons und eine Motorpumpe mitnehmen? Industrikanister mit Rasierschaum?
Noe Matthias, Du machst das leider alles richtig!
Und mit der Stueckauswahl sowieso. Ich erinnere mich mit schaudern an unsere Auffuehrung von Mozarts Requiem in einer kleinen Kirche in Prag, wo nach einem besonders knackigen Ende eines Satzes viermal angezaehlt werden musste, bis die Kirche begriffen hatte, dass es jetzt mal gut sei.
gut Ton wherever you go!
ullli