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(Meinung) Vorschläge zur produktiven Probe

Tach!

Ein Freund von mir lud mich letztens zur Probe seiner Band ein. Da er in einem Gebäude mit zehn einzelnen Proberäumen sein musikalisches Können zu verbessern sucht, kam ich in den Genuß fünf anderen, gleichzeitig probenden, Bands zuzuhören. Nach dieser musikalischen Sonnenfinsternis (97,5%, ohne Wolken), dachte ich mir, man sollte mal ein paar gutgemeinte Ratschläge zu einer produktiven Probe zusammentragen. Ich fang' jetzt mal an, einige Punkte aufzuführen. (Diese Punkte haben weder einen Vollständigkeitsanspruch - also her mit weiteren Ratschlägen, noch sind sie als der Weisheit letzter Schluß anzusehen.) Wahrscheinlich werd ich das Posting auch aus Zeitmangel in mehrere Teile zerlegen.

Ersma zur Wichtigkeit der Probe: Was nutzt mir die geilste Gitarre, der Höllensound, die tollsten Licks und die engste Lederhose, wenn das Zusammenspiel miserabel ist? Ein Solo mit 'n paar falschen Tönen und 'ner groovenden Band ist zilliardenfach besser als das tollste Solo vonne Welt mit holpernden Mitmusikern. Jetzt die entscheidende Frage: Wie kriegen wir das tollste Solo vonne Welt und 'ne geil groovende Band hin?

Für das tollste Solo vonne Welt verweise ich der Einfachheit halber mal auf die unzähligen Publikationen wie 'Sologitarre in 12 Stunden', 'Improvisieren über lokrisch-mollb7#9', 'Gitarrespiel und Esoterik', '154.456.897 Licks für den aufstrebenden Rockgitarristen', usw..

Von wegen groovende Band hoffe ich, in Zukunft auf dieses, unseres Forum hinweisen zu können ;-))

Zuerst möchte ich mal zwei Proben unterscheiden: Einmal die Probe, bei der nichts konkretes ansteht - kein neuer Song, kein Auftritt am nächsten Tag, kein Ausprobieren des Verstärkers, usw. Diese Proben halte ich, daß is' nich' ironisch gemeint, für immens wichtig. Als Negativ-Beispiel (wenn's diese Proben nicht gibt) möchte ich mal meine Band nennen. Früher hatten wir einen festen Probetermin und jeder war auch Idealist genug, für diesen Probetermin andere wichtige Termine (Friseur, Fußballübertragung, Freundin!!, etc) zu verschieben oder abzusagen. Das eine oder andere Mal wurden diese Proben auch in unserer Stammkneipe abgehalten, wogegen absolut nichts zu sagen ist. Heute ist es so (teilweise aus Zeit- und/oder familiären Gründen), daß wir nur noch, das ist die andere Art Probe, 'zweckdienliche' Proben veranstalten und diese auch noch äußerst selten, da ja ein gemeinsamer Termin gefunden werden muß. Der große Unterschied zwischen damals und heute:

1. Die Kreativität: Mindestens 60% unserer Songtexte haben ihren Ursprung in der Stammkneipe gefunden, viele Songs, oder Teile davon, beim Einsteigen auf irgendeinen Groove, den unser Drummer vor sich hin gekleppert hat.

2. Der Bandzusammenhalt: Klar sind wir auch jetzt noch Freunde, aber es is' 'n Unterschied, ob man sich mindestens einmal die Woche oder einmal alle zwei Monate sieht. (Die Hälfte der als 'zweckdienlich' angesagten Probe geht dann für Laberei drauf.)

3. Probeausfall: Früher, als wir noch einmal die Woche geprobt haben,hatte komischerweise jeder Zeit. Heute passierts trotz Proben im 8-10 Wochen Rhythmus und rumtelefoniererei, daß im letzten Moment wieder einer absagt.

Ok, das Ganze hat jetzt noch nicht unbedingt was mit Groove und Zusammenspiel direkt zu tun, trägt aber dazu bei. Deshalb hier mein Tip Nummero Uno:

Fester Probetermin und natürlich -zeit, egal ob was ansteht oder nicht.

Was jetzt kommt, ist mit Sicherheit provozierend und krass: Der ach so tolle Gitarrist (Drummer, Basser, Keyboarder, Sänger usw.) kommt ohne Grund grundsätzlich zu spät oder gar nicht: Rausschmeissen !!
Ich persönlich kenne mindestens 10 Bands, die jahrelang so'n Zirkus mitgemacht haben - bei den meisten endete es nach höchstens 3 Gigs mit Komplettauflösung der Band. Teilweise waren richtig gute Mucker dabei, die dann ihr Equipment verkauft haben und überhaupt nicht mehr gespielt haben.

Weiter geht's mit der Probedisziplin: War ja schon mal Thema im Grünen - kaum isses Lied fertig und der Basser will den Drummer was sagen, fängt der Gitarrist an, den neusten Two-Hand-Tapping-Lick vor sich hin zu dudeln. Sowas geht auf die Nerven und führt im Laufe der Probe zu immer größeren Lautstärken. Hier mein Tip von damals: Fuddelkasse
Als gute Demokraten wird bei uns nach Antrag abgestimmt, ob's gefuddelt war oder nicht. Kostenpunkt bei einfacher Mehrheit: Eine Mark. Bei uns hat's Wunder gewirkt.

Nächster Punkt: Einzelproben Der Sänger muß nicht dabei sein, wenn der Drummer und der Bassist mit Metronom 'ne halbe Stunde lang üben, tighter auf den Punkt zu spielen. Also - im Vorfeld überlegen was gemacht werden soll und mit den anderen absprechen - entweder kommen Bassist und Drummer 'ne halbe Stunde früher oder der Rest 'ne halbe Stunde später, oder beide treffen sich an 'nem anderen Tag oder ... (das gleiche gilt natürlich auch für andere Kombinationen)

Uuups, hab' jetzt leider keine Zeit weiterzuschreiben - der nächste Teil folgt in Kürze.

Gruß

Oly



Dein Weg zum...

Hi Oly!

Eigentlich hättest Du das hier als weitere Folge vom Weg zum guten Sound schreiben können.

Zu den Proben kommen bei mir immer Hausaufgaben. Hey, liebe Sänger, Notenständer sind ja nett, aber Text auswendig lernen ist nun mal Pflicht. Und auch der Mucker unseres Vertrauens sollte ruhig mal zuhause die Parts üben, vielleicht gar mit Metronom?

Mir ist ein angeblich "schlechterer" Keyboarder, Drummer, Bassist, Sänger etc. der seine Parts beherrscht weitaus lieber als einer, der zwar alles mögliche übt aber die Akkordfolge des neuen Stücks auch nach der dritten Probe noch nicht drin hat.

Un noch wat: alles redet von gemeinsamen Üben von Bass und Drums. Jawoll, wichtig. Aber was ist mit gemeinsamem Üben der Chorstimmen nur zu Klavier oder Akustikgitarre oder gar ohne (Begleitung)?

Matthias


Re: Dein Weg zum...

Hey Matthias,

ich wollte dir 'deinen Titel' nicht klauen - aber ich denke, daß Benjamin solchen Beiträgen irgendwann sowieso ein eigenes Kapitel auf aussensaiter.de einräumt. (So copy and paste mäßig.)

Zu dem was du schreibst: stimmt genau, du nahmst mir die Worte aus der Tastatur. Falls du nix dagegen hast, werd' ich dein Posting in meinen 2.Teil noch integrieren.

Übrigens: watt is mitte Session - kommse?

Gruß

Oly

Re: (Meinung) Vorschläge zur produktiven Probe

Hallo Oly,

sehr interessantes Posting...
Kommt mir leider (fast) alles sehr bekannt vor. Nur, bei uns ist zur Zeit die Stimmung so mies, daß ich momentan nicht mal mehr behaupten könnte, daß wir noch alle Freunde wären - unser anderer Gitarrist hat mich heute vormittag angerufen und gesagt, daß er vielleicht aussteigen wolle. Und das alles eben weil die Proben nicht mehr so toll sind.

Woran liegts? Weißichnich. Vielleicht daran, daß wir zwar regelmäßig proben wollen, das aber oft nicht hinbekommen, weil einer im Urlaub ist, schon wieder Vater wird, auf der Arbeit sehr viel zu tun hat, mangeldes Interesse hat und nur noch ab und an seinen Frust von der Backe spielen will (man ihn aber nicht so einfach feuern kann, weil er der Basser ist und Bassman selten sind), erstmal ne halbe Stunde über Motorräder oder den neuen Renault Kangoo (als Familienkutsche - ach so toll für 2 Kinderwagen ;-( labern muß und dann schon bald, wenn man mal ans Arbeiten (an einem Song) gekommen ist, schon wieder nach Hause muß obwohl man schon ne halbe Stunde zu spät war, weil nur der Papa die Gutenachtlieder singen kann/darf???
Bitte weiter Ergänzen...

Aber so können die Proben ja nicht toll werden. Vor kurzem haben wir sozusagen als Kraftakt beschlossen, unser ganzes Programm wegzuwerfen und bei Null zu beginnen - und könnt Ihr Euch vorstellen, wie schwer es jetzt ist (bei solchen Proben) neue Stücke zu machen? Eben!

Tschuldigt bitte wenn ich mich hier bei Euch ausheule - aber wenn Ihr Lösungsvorschläge oder wenigstens einen Weg zur Abhilfe habt - immer her damit.

Gruß
Jochen

PS: Morgen habe ich wieder bessere Laune - versprochen

werde meine neue Gitarre quälen, dann geht es mir hoffentlich bald besser



Re: (Meinung) Vorschläge zur produktiven Probe

Au weia, da hatt's dich ja voll erwischt (und ich hatte heute leider keine Zeit für den Chat ;-(( )

Ich weiß, je älter man wird, umso schwieriger wird's mit den Terminen. Ich denke aber das größte Problem ist die Priorität: komischerweise kann einer nicht kommen, weil er Gutenachtlieder singen mußte - wäre zu dieser Zeit aber das Finale der Fußball-WM, kann das plötzlich die Frau übernehmen. (Dieser Satz soll nix persönliches sein, sondern nur als Beispiel dienen.) Ich seh's ja bei uns - da wurde nicht zur Probe gekommen, weil 'ne Geburtstagsparty war' (zu der man locker auch noch um 23.00 Uhr hingehen kann) - das wäre vor 10 Jahren nie passiert. Bei uns hat's geholfen, daß wir gesagt haben, die Band löst sich auf - plötzlich ging's wieder.
Ich weiß es ist hart, aber lieber notfalls 'n halbes Jahr 'ne neue Band suchen, als sich jahrelang zu ärgern und dann doch mit leeren Händen dazustehen. Das gleiche gilt für den Basser - lieber zehn Wochen 'nen neuen suchen, als 30 Wochen jede 2. Probe ausfallen zu lassen - und dann hört er von selbst auf (alles schon erlebt).

Natürlich ist das alles sehr krass und man sollte schon abwägen, ob es nur 'ne momentane Durststrecke ist (man kann ja schließlich nicht jeden feuern, der einmal 10 Minuten zu spät kommt) - aber nach 'ner 50 Stunden Arbeitswoche muß man sich schon mal überlegen, was man sich alles bieten läßt.

So, und jetzt als Trost: wie oft wollte Keith Richards schon nicht mehr mit'm ollen Jagger spielen? Ungefähr 12498763513216546 mal - und sie tun's immer noch.

Bis dann und halt die Ohr'n steif

Oly

Die Einstellung macht′s.

Hi Oly und alle Aussensaiter!

Ein sehr interessantes Thema, finde ich, denn nichts kann einem den Spaß am Musikmachen besser verderben als öde Proben. Was heißt in diesem Zusammenhang "produktiv"? Einmal natürlich, daß die Band weiterkommt, aber vor allem auch, daß jeder nach der Probe nach hause gehen kann, mit dem Gefühl Spaß gehabt zu haben. Den Spaß kann man sich gegenseitig ganz einfach verderben (Jochen, Deinen Frust kann ich gut verstehen).

Ob eine Probe nun öde wird oder produktiv , hängt davon ab, mit welcher Einstellung jeder an die Sache rangeht.

Ein Beispiel aus meiner alten Band. Damals war ich frischgebackener Familienvater. Ein Kind 1 ½ Jahre alt und dann noch ein ganz kleines hinterher. Wenn ich von der Arbeit nach hause kam, war meine Frau vom "Tagesgeschäft" fix und fertig und froh, sich mal mit einem erwachsenen Menschen vernünftig unterhalten zu können. Daß ich dann einen Abend pro Woche direkt wieder zu Probe bin, war für meine Familie unter'm Strich eine echte Zusatzbelastung.

Dann gab es auf den Bandproben mal über Wochen eine Phase, wo die Sängerin mies drauf war - Streß im Job, Pech in der Liebe, Menstruationsbeschwerden etc. - alles was Frauen so widerfahren kann. Jede Woche gab es für sie einen anderen Grund, schon nach einer halben Stunde keinen Bock mehr zu haben. Dementsprechend ätzend liefen die Proben ab. Die erste Zeit habe ich noch die verständnisvolle Einstellung meiner Bandkollegen geteilt, aber dann platzte mir mal der Kragen. Dieser eine Abend pro Woche, war damals Zeit, die ich mir sozusagen "aus dem Fleisch geschnitten" hab. Da kann ich verdammt nochmal erwarten, daß die anderen sich genauso am Riemen reißen, wie ich das bezüglich meiner Familie gemacht habe.

Lange Rede, kurzer Sinn - ich will darauf hinaus, daß zum Mitmachen in einer Band, auch bei Hobbymusikern eine professionelle Einstellung gehört. Keiner ist eine Maschine und jeden Tag bestens gelaunt. Aber wenn man zur Probe geht, sollte man sich klarmachen, daß die Bandkollegen einige Stunden ihrer Zeit dafür "opfern" (da fällt mir jetzt kein passenderer Ausdruck ein - wenn die Probe ein Opfer ist, dann hat man wohl das falsche Hobby, aber ihr wißt was ich meine). Und wenn andere was für einen tun, dann sollte man auch was zurückgeben, d.h. auch dann wenn man schlecht drauf ist, oder lieber Sportschau kucken würde einen einigermaßen vernünftigen Beitrag zur Probe abliefern.

Nebenbei bemerkt - ich hab auch schon Proben erlebt, wo ich absolut bocklos und niedergeschlagen hin bin, wo mich eine gut verlaufende Probe dann wieder richtig aufgebaut hat. In solchen Fällen kapiert man dann wieder, was den Reiz am Musikmachen ausmacht.

"You only get what you give"

Bernd