Tach allerseits!
Nachdem sich für mich in news:de.rec.music.machen keine Sau interessiert, versuche ich es unverdrossen auch hier einmal.
Da spielt man sich wochenlang förmlich die Finger wund, hat kaum Zeit,
sich mal vernümpftige Mucke reinzutun, denkt, man bringt schon
richtige Töne auf die Reihe. Und dann kommt der Sohnemann, mit einer
CD, legt die in den Pläher und sagt: "Vadder, wenn du das nachspielst,
biste gut."
Shreddert da ein gewisser Gerri Neger, Mohr oder so im Akkordtempo
zwei bis zehn Riffs auf die Ketarre, daß mir der Draht aus der Mütze
springt. Nicht daß ich Gary Moore nicht kenne. Tausendmal gehört.
"Still got the Blues" auch schon rauf und runter gespielt (bis auf die
Shreddereinlagen). Das konnte meine Frau auch schon wieder erkennen
;-) Aber jetzt hat mich der Frust gepackt, und ich fühle mich klein
wie am Anfang.
Ich weiß, das geht wieder. Aber heute mußte das einfach mal raus.
Geht es euch auch manchmal so?
Wie geht ihr mit so einem Frust um?
Woran orientiert ihr euch?
Top-Techniker wie Yngwie? Oder eher un-technische mit Feeling?
Oder lächelt ihr nur milde über ehemalige Vorbilder?
Bitte erleuchtet mich und meine Stimmung ein wenig...
...
bittet und grüßt
JürgiB
Übersicht
- (Gitarre) Frust ^3 - gestartet von JürgiB 9. April 2001 um 11:41h
- Re: (Gitarre) Frust ^3
- von
JürgiB
am 11. April 2001 um 20:15
- Re: (Gitarre) Frust ^3
- von
Ingo
am 11. April 2001 um 19:40
- Re: (Gitarre) Frust ^3
- von
Christoph
am 10. April 2001 um 09:10
- Re: (Gitarre) Frust ^3
- von
Der Felix
am 10. April 2001 um 09:41
- Re: (Gitarre) Frust ^3
- von
Der Felix
am 10. April 2001 um 09:41
- Re: (Gitarre) Frust ^3
- von
O//i
am 9. April 2001 um 12:09
- Re: (Gitarre) Frust ^3
- von
Warmblüter
am 9. April 2001 um 12:18
- Re: (Gitarre) Frust ^3
- von
Warmblüter
am 9. April 2001 um 12:18
- Re: (Gitarre) Frust ^3
- von
JürgiB
am 11. April 2001 um 20:15
Hi JürgiB !
Ah ja, der Frustfaktor, den kenne ich aus der Vergangenheit zu gut - dieses automatische Absenken des Unterkiefers, wenn GuitarHero XYZ eines seiner Trademark-Licks runterbretterte...
Heutzutage passiert mir das eher sehr selten. Warum ? Naja, ich habe hier und da mal geuebt, auch mal mehr, auch mal viel mehr und mich mit diversen Spieltechniken beschaeftigt. Als Ergebnis weiss ich ich in der Regel auch bei heftigsten Shredeinlagen immer, was derjenige da gerade tut. Auch, wenn ich's gerade nicht nachspielen kann habe ich die Gewissheit, das alle Menschlein nur mit Wasser kochen. Wuerde ich die entspr. Sachen wochenlang verbissen ueben kaeme ich vielleicht auch in die Naehe, aber dazu fehlt mit einfach die Zeit und hier und da die Disziplin. Auch gibt's letztlich gewisse anatomisch bedingte Grenzen, die mich das eine oder andere vielleicht nie spielen lassen, aber was soll's, damit kann ich gut leben.
Heftiges Geshredde beeindruckt mich also kaum noch. Was ich im Moment viel mehr bewundere ist die Faehigkeit, nur genau die Toene zu spielen, die noetig sind, also mit wenigen Noten den groessten Ausdruck hinzubekommen. Manchmal ist weniger echt mehr, auch wenn ich das in jungen Jahren natuerlich nie glauben wollte ;)
Also lass Dich nicht frusten. Die Shred-Orgien brauchen jahrelanges intensives Ueben. Wenn Du die 5-6 Stunden pro Tag nicht aufbringen kannst oder willst (wie wohl fast jeder von uns), brauchst Du trotzdem die Flinte nicht in's Korn zu werfen. Auch mit weniger kann man sich stetig verbessern, auch wenn man's erst nach Jahren zurueckblickend erkennt.
Cheerio, O//i
Ah ja, der Frustfaktor, den kenne ich aus der Vergangenheit zu gut - dieses automatische Absenken des Unterkiefers, wenn GuitarHero XYZ eines seiner Trademark-Licks runterbretterte...
Heutzutage passiert mir das eher sehr selten. Warum ? Naja, ich habe hier und da mal geuebt, auch mal mehr, auch mal viel mehr und mich mit diversen Spieltechniken beschaeftigt. Als Ergebnis weiss ich ich in der Regel auch bei heftigsten Shredeinlagen immer, was derjenige da gerade tut. Auch, wenn ich's gerade nicht nachspielen kann habe ich die Gewissheit, das alle Menschlein nur mit Wasser kochen. Wuerde ich die entspr. Sachen wochenlang verbissen ueben kaeme ich vielleicht auch in die Naehe, aber dazu fehlt mit einfach die Zeit und hier und da die Disziplin. Auch gibt's letztlich gewisse anatomisch bedingte Grenzen, die mich das eine oder andere vielleicht nie spielen lassen, aber was soll's, damit kann ich gut leben.
Heftiges Geshredde beeindruckt mich also kaum noch. Was ich im Moment viel mehr bewundere ist die Faehigkeit, nur genau die Toene zu spielen, die noetig sind, also mit wenigen Noten den groessten Ausdruck hinzubekommen. Manchmal ist weniger echt mehr, auch wenn ich das in jungen Jahren natuerlich nie glauben wollte ;)
Also lass Dich nicht frusten. Die Shred-Orgien brauchen jahrelanges intensives Ueben. Wenn Du die 5-6 Stunden pro Tag nicht aufbringen kannst oder willst (wie wohl fast jeder von uns), brauchst Du trotzdem die Flinte nicht in's Korn zu werfen. Auch mit weniger kann man sich stetig verbessern, auch wenn man's erst nach Jahren zurueckblickend erkennt.
Cheerio, O//i
Ich würde sagen, das ist ein typischer Gitarristenminderwertigskomplex, der einfach darin begründet ist, daß die Bandbreite verschiedener Stilrichtungen und Spieltechniken so groß ist und die meisten Gitarristen nur in wenigen Nischen zuhause sind, in denen sie sich spielerisch kompetent fühlen.
Hallo Jürgi
Ich verdiene meine Brötchen mit Elektronik Chip Design, Gary Moore mit Musik. Er ist vermutlich der bessere Musiker, ich vermutlich der bessere Elektronik- Designer. So einfach :-))
Gruss: Christoph
Ich verdiene meine Brötchen mit Elektronik Chip Design, Gary Moore mit Musik. Er ist vermutlich der bessere Musiker, ich vermutlich der bessere Elektronik- Designer. So einfach :-))
Gruss: Christoph
: Er ist vermutlich der bessere Musiker, ich vermutlich der bessere Elektronik- Designer. So einfach :-))
Genau! Ausserdem sollte man ganz vorsichtig mit dem Begriff "besser" umgehen. Ich kenne zig Leute, die ich, trotz mangelnder Technik (und Gicht), als wesentlich besser als z.B. Steve Vai und Consorten einstufen würde. Ist eben auch wieder Ansichtssache. "Gut" und "Schlecht" gibt's da wohl nicht.
Gruß
Felix
Genau! Ausserdem sollte man ganz vorsichtig mit dem Begriff "besser" umgehen. Ich kenne zig Leute, die ich, trotz mangelnder Technik (und Gicht), als wesentlich besser als z.B. Steve Vai und Consorten einstufen würde. Ist eben auch wieder Ansichtssache. "Gut" und "Schlecht" gibt's da wohl nicht.
Gruß
Felix
: Tach allerseits!
:
: Nachdem sich für mich in news:de.rec.music.machen keine Sau interessiert, versuche ich es unverdrossen auch hier einmal.
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: Da spielt man sich wochenlang förmlich die Finger wund, hat kaum Zeit,
: sich mal vernümpftige Mucke reinzutun, denkt, man bringt schon
: richtige Töne auf die Reihe. Und dann kommt der Sohnemann, mit einer
: CD, legt die in den Pläher und sagt: "Vadder, wenn du das nachspielst,
: biste gut."
:
: Shreddert da ein gewisser Gerri Neger, Mohr oder so im Akkordtempo
: zwei bis zehn Riffs auf die Ketarre, daß mir der Draht aus der Mütze
: springt. Nicht daß ich Gary Moore nicht kenne. Tausendmal gehört.
: "Still got the Blues" auch schon rauf und runter gespielt (bis auf die
: Shreddereinlagen). Das konnte meine Frau auch schon wieder erkennen
: ;-) Aber jetzt hat mich der Frust gepackt, und ich fühle mich klein
: wie am Anfang.
:
: Ich weiß, das geht wieder. Aber heute mußte das einfach mal raus.
:
: Geht es euch auch manchmal so?
: Wie geht ihr mit so einem Frust um?
: Woran orientiert ihr euch?
: Top-Techniker wie Yngwie? Oder eher un-technische mit Feeling?
: Oder lächelt ihr nur milde über ehemalige Vorbilder?
:
: Bitte erleuchtet mich und meine Stimmung ein wenig...
: ...
:
: bittet und grüßt
: JürgiB
Hallo!
Nicht nur Gitarristen, auch Bassisten wie alle anderen Musiker betrifft dieses fenomenon, denke ich. Viele denken, man muß dem anderen irgend etwas beweisen. Nicht, daß mir der Unterkiefer z.B. bei Prof. Edward nicht auch runterklappt, aber kurz danach klappe ich ihn hoch und höre , ob mich die Musik, die Melodien packen oder eben nicht. Ich kann z.B. dem Spiel (und auch Sound!) von Steve Rothery und David Gilmour mehr abgewinnen als Schnellspieler XY, womit ich Prof. Edward aber nun nicht meine!! Ich finde, man sollte einfach nur das tun, was man möchte und nicht krampfhaft versuchen, Virtuositätslevel 10pro zu erreichen. Ich bin seit einigen Jahren auch ein wenig mit Bass beschäftigt. Aber dort gilt dasselbe: Ein schönes Achtel-Fill-In* ist mir irgendwie mehr wert als ein 64-tel-Sextolen-Hardcore-Machine-Gun-Slapping-Teppich.
(*Vielleicht ein Beispiel: Don Henley "New York Minute" (Pino Palladino, glaube ich, klingt jedenfalls so): alles relativ einfach spielbar, trotzdem schwierig, ad hoc die richtigen Töne zu finden auf dem Griffbrett, geschweige denn, von selber darauf kommen! Sowas nenne ich Musikalität).
Gruß Ingo
:
: Nachdem sich für mich in news:de.rec.music.machen keine Sau interessiert, versuche ich es unverdrossen auch hier einmal.
:
: Da spielt man sich wochenlang förmlich die Finger wund, hat kaum Zeit,
: sich mal vernümpftige Mucke reinzutun, denkt, man bringt schon
: richtige Töne auf die Reihe. Und dann kommt der Sohnemann, mit einer
: CD, legt die in den Pläher und sagt: "Vadder, wenn du das nachspielst,
: biste gut."
:
: Shreddert da ein gewisser Gerri Neger, Mohr oder so im Akkordtempo
: zwei bis zehn Riffs auf die Ketarre, daß mir der Draht aus der Mütze
: springt. Nicht daß ich Gary Moore nicht kenne. Tausendmal gehört.
: "Still got the Blues" auch schon rauf und runter gespielt (bis auf die
: Shreddereinlagen). Das konnte meine Frau auch schon wieder erkennen
: ;-) Aber jetzt hat mich der Frust gepackt, und ich fühle mich klein
: wie am Anfang.
:
: Ich weiß, das geht wieder. Aber heute mußte das einfach mal raus.
:
: Geht es euch auch manchmal so?
: Wie geht ihr mit so einem Frust um?
: Woran orientiert ihr euch?
: Top-Techniker wie Yngwie? Oder eher un-technische mit Feeling?
: Oder lächelt ihr nur milde über ehemalige Vorbilder?
:
: Bitte erleuchtet mich und meine Stimmung ein wenig...
: ...
:
: bittet und grüßt
: JürgiB
Hallo!
Nicht nur Gitarristen, auch Bassisten wie alle anderen Musiker betrifft dieses fenomenon, denke ich. Viele denken, man muß dem anderen irgend etwas beweisen. Nicht, daß mir der Unterkiefer z.B. bei Prof. Edward nicht auch runterklappt, aber kurz danach klappe ich ihn hoch und höre , ob mich die Musik, die Melodien packen oder eben nicht. Ich kann z.B. dem Spiel (und auch Sound!) von Steve Rothery und David Gilmour mehr abgewinnen als Schnellspieler XY, womit ich Prof. Edward aber nun nicht meine!! Ich finde, man sollte einfach nur das tun, was man möchte und nicht krampfhaft versuchen, Virtuositätslevel 10pro zu erreichen. Ich bin seit einigen Jahren auch ein wenig mit Bass beschäftigt. Aber dort gilt dasselbe: Ein schönes Achtel-Fill-In* ist mir irgendwie mehr wert als ein 64-tel-Sextolen-Hardcore-Machine-Gun-Slapping-Teppich.
(*Vielleicht ein Beispiel: Don Henley "New York Minute" (Pino Palladino, glaube ich, klingt jedenfalls so): alles relativ einfach spielbar, trotzdem schwierig, ad hoc die richtigen Töne zu finden auf dem Griffbrett, geschweige denn, von selber darauf kommen! Sowas nenne ich Musikalität).
Gruß Ingo
: Bitte erleuchtet mich und meine Stimmung ein wenig...
Hallihallo!
Bin wieder gut drauf. Heute kam die neue Scheibe von EC "Reptile". Die hat mir gezeigt, daß es nicht wirklich auf die 64stel-Kanonaden ankommt, um gute Musik zu machen. Sowas ist zwar recht beeindruckend, wenn man Vai/Satriano-Licks hinbekommt, aber von dauerhaftem sittlichen Nährwert sind sie nicht. Und der Wahrheizfindung dienen sie auch nicht unbedinkt:-) Ergo: Weitermachen!
Hallihallo!
Bin wieder gut drauf. Heute kam die neue Scheibe von EC "Reptile". Die hat mir gezeigt, daß es nicht wirklich auf die 64stel-Kanonaden ankommt, um gute Musik zu machen. Sowas ist zwar recht beeindruckend, wenn man Vai/Satriano-Licks hinbekommt, aber von dauerhaftem sittlichen Nährwert sind sie nicht. Und der Wahrheizfindung dienen sie auch nicht unbedinkt:-) Ergo: Weitermachen!