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(Sonstiges) 18. Grolsch Blues Festival in Schöppingen

Hallo Leute,

am 30. und 31. Mai fand in Schöppingen das 18. Grolsch Blues Festival statt.
Warum ich da bisher noch nie von gehört hatte, weiß ich auch nicht....naja, wer nur Progressive Frickel hört...tz tz

Zunächst mal was zum Drumherum. Der Kultruring Schöppingen organisiert das ganze ehrenamtlich und die Jungs machen den Job verdammt gut. Ca. 1200 Besucher auf einem Areal, was groß genug war, damit es übersichtlich zugeht. Kein Gedränge. Alles sehr freundlich und friedlich. Auch die Jungs am Mischpult, die ja oft Schelte abbekommen, haben hier einen wirklich exzellenten Job gemacht.

Samstag, 16 Uhr ging es los mit Wolf Mail. Netter Aufwärmer, nicht weiter bemerkenswert.

Act 2 war Dana Fuchs. Kannte ich nur aus kurzen youtube Auschnitten und wusste daher, dass hier eine Rock-Röhre mit enormer Power (der Vergleich zu Janis Joplin wird im folgenden noch häufiger bemüht) auftreten würde. Mit ihrem musikalischen Partner an der Telecaster (über nen Marshall) sowie Rhythmusgruppe wurde hier richtig tolle Mucke präsentiert. Für ein Stück kam Joe Bonamassa auf die Bühne und hat soliert. Komisch, auch wenn da kurzfristig die Sonne audgegangen ist, muss ich festhalten, dass der Stammgitarrist einen sehr songdienlichen und auf den Punkt gespielten Job abgeliefert hat. Höhepunkte des Auftrittes waren "I'd rather go blind" und "Helter Skelter", beide auch zu finden auf der sehr empfehlenswertes Live-CD.
Lieder hat Dana die ersten drei Gesangstöne übelst versemmelt, so dass Ferdi Klamottentausch betrieben hat. Naja, der wollte die folgenden Acts nicht versäumen, hat dafür aber ein Highlight verpasst.

Die nächsten waren Henrik Freischlader's 5 Live. An diesem Tag (mehr davon kommt unten) spielte Henrik eine Les Paul über seinen Realtone. Sehr lecker das ganze. Die Jungs sind auch richtig klasse und haben Spaß auf der Bühne. Allerdings gefällt mir HF im Trio wesentlich besser. Der Drummer swingt wie Sau (ich steh aber mehr auf Powerdrums), das ganze hat zuviel Saxophon und Orgel (scheiss eingeschränkter Horizont eines Gitarristen) und diese wirklich klasse gespielte Gute-Laune-Musik ist bestimmt ganz nett im Auto, aber nicht wirklich mein Ding.

Höhepunkt des Abends und sicherlich des ganzen Festivals war Joe Bonamassa.
Mit einem ganzen Arsenal an Gitarren angetreten (hey, da waren auch Music Männer dabei, u.a. eine Axis mit pornöser Decke) hat der seine exzellente Technik zelebriert. Aber ganz ehrlich: auch, wenn da einige sehr gefühlvolle Balladen dabei waren. Das ganze war mir zu sehr auf Show gebügelt. Zwischendurch gab es eine Akustik-Solo-Nummer. Da habe ich gedacht: ok, der Kerl ist technisch der beste Gitarrist hier, aber der musikalische Gehalt dieser Solonummer war gleich NULL.
Nur am Rande bemerkt: die neue Frisur sieht genau so bieder aus wie das Dressing mit Kommunionsjacke....puh.
Daher insgesamt eine ambivalente Geschichte, da ich ja Bonamassa von seinen CDs her total geil finde. Allerdings sind Ferdi und ich uns einig, dass seine erste CD auch seine beste war. Davon gab es hier aber nichts mehr....da nennt man wohl Entwicklung oder so...

Sonntag gegen 14:30 ging es weiter mit Khalif "Wailin" Walter. Spielte eine Strat über nen Fender Blues Deville. Das war der Amp, über den alle spielten, die nicht mit eigenem Equipment angereist waren. Klang auch eher unterdurchschnittlich. War auch insgesamt der schwächste Act des Festivals.

Weiter ging es mit Ferdis Höhepunkt und seiner neuen großen Liebe *G*: Layla Zoe.
Da die aus Canada ohne Band angereist kam, kamen nochmal 5 Live als Backing Band auf die Bühne. Der Henrik diesmal mit Strat am Realtone. Und im Vergleich muss ich sagen (sorry Ferdi), dass mir der Paula Sound besser gefallen hat. Im Vergleich aller Gitarren, die auf dem Festival gespielt wurden (Tele, Strat, PRS, Paula) haben mir alle Gitarristen mit Paula definitv am besten gefallen. Scheinbar muss es doch "singen". Erstaunliche Erkenntnis für jemand, der gerade seine Paula vertickt hat....(fuck).
Aber was spielt eine Band, die nie geprobt hat. Nicht das Programm von Layla Zoe, sondern Klassiker. Das war dann auch ein subjektiver Minuspunkt. Desweiteren kommt Laylas außergewöhnliche Stimme (hier ist der Vergleich mit Janis Joplin am meisten zutreffend) und Dynamik nicht so in den Vordergrund, wenn immer wieder Saxophon oder Orgel solieren dürfen.....schade, für mich war das daher nicht der Top-Act.

Act 3 am Sonntag: Van Wilks.
Hatte ich, wie einige andere, vorher nie gehört. Die Stimmung ging nach der Power-Präsentation von Layla Zoe auch erst mal mächtig in den Keller. Van Wilks hat eher eine ruhige Stimme, die durchaus schon mal an Clapton erinnert, der ja auch nicht der Sänger vor dem Herrn ist. Nach und nach spielte sich Van Wilks (über ne PRS) aber hoch und seine an Robin Trower oder Jimi erinnernde Gitarrenarbeit war durchaus prima. Sehr viel Deja-Vibe Einsatz und der Sound (ich dachte gelegentlich auch mal an Pat Travers) war sehr geschmackvoll.

Dann wurde es ruhiger. Beth Hart trat auf, nur begeleitet von ihrem Gitarristen an der Akustik. Sie selber hat gelegentlich nur da gesessen und gesungen, ab und zu auch mal Akustikgitarre gespielt und natürlich auch Klavier. Im Gegensatz zu Dana Fuchs, deren Songstrukturen eher einfacher Natur sind (drei Akkorde in der Strophe, drei im Refrain und über die Hälfte in A-Dur haha) sind die Songs von Beth Hart schon "höhere" Songwriterkunst. Da wird sich auch schon mal durch Tonartwechsel moduliert. Ganz beeindruckend war eine längere A-Capella Passage, wo sie bei durchaus schwieriger Harmonik 100% auf dem Zielton angekommen ist. Ferdi und ich haben uns nur mit seltsamer Mimik angeguckt.
Eine Neuentdeckung für Ferdi und Barbaras Festival-Höhepunkt. Für die Topplazierung war mir über eine Stunde unplugged aber ein klitzekleines bisschen zu "ruhig".

Die Power kam dann aber zurück: Michael "Iron Man" Burks.
Für mich DIE Neuentdeckung des Festivals. Der hatte einen schwarzen Zwei-Zentner-Drummer (so a la Dennis Chambers), der ein dermaßen wuchtiges Drums gespielt hat. Einen ebenfalls sehr beleibten weißen Mann am Bass, der zwar unauffällig, aber grundsolide das Fundament gelegt hat und einen Organisten an der Hammond B3, der aussah wie der ältere Bruder von Gregg Allman. Hier hat mir sogar mal die Orgel gefallen. Das ganze war eine Rhythmusgruppe, die so tight und mit Power das Fundament gelegt hat, dass von der ersten Minute an die Post abging. Und da drüber, mit relativ wenig Gesangspassagen, Michael Burks (auch an die 2 Zentner schwer) an der Paula, nur per Kabel am Blues Deville. Boah...wie geil !!!

Insgesamt kann ich sagen, dass das zwei wunderbare Tage waren (und 40 Euronen für das Festivalticket sind mehr als angemessen). Sieben der neun Acts waren gut bis überragend, so dass ich jeden einzelnen auch als Einzelkonzert genossen hätte. Ein Ranking aufzustellen fällt schwer, daher lasse ich das lieber sein.

Sollte es zeitlich passen, geht es auch nächstes Jahr wieder nach Schöppingen.

Vielen Dank an Richard Hölscher vom Kulturring. So einen tollen Event ehrenamtlich zu organisieren: CHAPEAU !

Euer BluesMan Muelrich


Re: (Sonstiges) 18. Grolsch Blues Festival in Schöppingen



Hi,


Sollte es zeitlich passen, geht es auch nächstes Jahr wieder nach Schöppingen.
Vielen Dank an Richard Hölscher vom Kulturring. So einen tollen Event ehrenamtlich zu organisieren: CHAPEAU !

so ist es.

Kurzkommentar noch zu Michael Burks: er hat als einziger Gitarre-Kabel-Amp gespielt, fand ich klasse. Im Vergleich dazu war der Bonamassa-Sound wie Schwimmen mit Rettungsring an jedem Körperteil - das wissen alle Delay- und Chorus-Anwender, dass es damit irgendwie wie von selbst geht.

Gruß, ferdi

P.S.: Natürlich hat mir der Freischlader an der Strat besser gefallen.


Re: (Sonstiges) 18. Grolsch Blues Festival in Schöppingen



Moin Uli & moin Ferdi!

Erst einmal Grüße aus dem kalten Sauerland. War nett, euch kennenzulernen!

Ausführlicher Bericht, gut geschrieben.

Kann dem -zumindest für Samstag, den Sonntag habt ihr zwei dann ja ungestört verbracht :-)) - nur zustimmen, möchte aber noch hinzufügen, dass ich von der Intensität und der Energie, die ich da bei den drei Bands, die ich gehört habe (Dana Fuchs, sowie die Herren Freischlader und Bonamassa), wahrnahm, regelrecht weggeblasen war. Auch Dana Fuchs, die, wie Du bemerktest, manchmal ja grenzwertig intonierte, ließ mir den Mund offenstehen.

Grüße Thomas