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Konzertreview: Henrik Freischlader Band im Jazzclub Minden

Aloha.

Ich tippe einfach mal so drauf los...

Vor dem JazzClub stand ein weißer Bulli mit dem Wuppertaler Kennzeichen W-HO ... obwohl Henrik kein Pete Townsend-Nacheiferer ist, wusste ich: das musste die Tourkutsche sein... und richtig: keine Roadies. Ich wünsche den dreien, dass sie möglichst bald ihr Zeug nicht mehr selber schleppen und aufbauen müssen. Verdient hätten sie's. Doch der Reihe nach:


Henrik ist bei der Moderation überraschend schüchtern :-) Kein Aufkacker! Ein richtig sympathischer Typ, der, sobald der Drummer eingezählt hat, den Testosteronpegel unüberhörbar verdoppelt. Was Henrik an der Gitarre kann, lässt sich bei entsprechendem Talent durch tägliches Üben durchaus erreichen, sage ich mal. Wir sind hier in einem Gitarristen-Forum und nicht wenige von uns sind recht gut. Henrik spielt überwiegend die Königin aller Skalen, wie so oft hier und da mit Dur, Moll oder Gewalt erweitert, aaaber er singt auch noch flüssig und gut dazu (=doppelt, wenn nicht 3x so schwer wie nur spielen) und hat durch die Gnade Gottes einen Kehlkopf, der ihm eine astreine Stimme beschert. Da kommt so unterm Strich dann kein lebender Deutscher hin, sage ich mal. Zumal der Sound auch noch 100%ig stimmt: Equipmentmäßig gab es eine Strat (=erste Wahl), eine LesPaul (ich meine mit Peter Green-Mod, klang bei eingen Nummern echt gut) und eine Epiphone - äh - Riviera? ES mit Riesenkopfplatte und Mini-Humbuckern. Alle Klampfen mit Kabel ins Board, wo sich ein Fulltone DejaVibe, ein Boss-Delay, ein rotes Fulldrive2, eine TAD RangeKing, ein Clyde Wah, ein SupaTrem und das unverzichtbare Boss TU2 befanden, das ganze nebst einem Switcher, mit dem er - soweit ich das sehen konnte - die beiden identischen Kanäle seines Realtone Freischlader Signature-Tops befeuerte, der eine etwas lauter als der andere. Auf dem Top befand sich noich ein EH HolyGrail-Hall. Das Top ackert mit zwei EL34 im ClassA-Modus (beste Wahl) und gibt die Kraft an eine hinten offene Vox-Box mit einem BlueBulldog und einem G12H ab. Alles in allem also Steinzeittechnik - klang dafür aber :-)

Drummer Dirk Sengotta ist bestimmt einer der besten 3 deutschen Drummer überhaupt - ein TIER, der, wenn er mal von der Kette gelassen wird, Dennis Chambers-mäßig abgeht. Natürlich gab es das berühmt-berüchtigte Klobürsten-Solo, im Gespräch nach dem Gig verriet er mir, dass er die immer frisch besorgt - eine vom Herren- und eine vom Damenklo :-) Netter Typ, und klar der gesprächigste von allen. Drumset habe ich vergessen, er spielt aber nur ein und dafür kleineres Tom, eine überraschend tiefe Snare + eine zweite, flachere, knackigere.

Bassist Oliver Schmellemkamp blieb mir den ganzen Gig über hinter einem Sichthindernis verborgen. Nach dem Gig konnte ich nur ein flüchtigen Blick auf die Anlage (EBS-Turm) und ein paar Pedale werfen (Boss EQ usw) und feststellen, dass er zwischen den Pickups seines JazzBass eine ca. 3mm Holzplatte geklemmt hat - wohl, damit die Saiten beim Slappen draufknallen??? Oder um eine Schandtat mit dem Stechbeitel zu verschleiern? Eine missglückte P-Pickup-Fräsung womöglich? Oliver, klär uns auf. Zu Beginn des Gigs war der Tiefbassbereich über die PA DEUTLICH zu sehr aufgeblasen, das wurde erst gegen Ende des ersten Sets besser. Oliver ist ebenfalls ein Tier. Meine Begeisterung erfährt hier allein deshalb nicht solchen Ausdruck, weil ich ihn nicht sehen konnte - den ganzen Gig über nicht. Scheiß-Pfeiler. Und gut, Bluesrock ist nicht DIE Spielwiese für Basser.

Die HFB macht authentischen, zeitgemäßen Power-Blues, mit Texten, deren Geschichten glaubwürdig sind (kein Mülltonnen-Geschiebe in Chicago zB), mit interessanten Ausbrüchen im Arrangement, tollen Breaks und stimmigem Sound. Sollte man unbedingt hingehen. An Verbeugungen gab es "I loved another woman" von Fleetwood Mac (na ratet mal mit welcher Gitarre), scheißenochmalwelchenummerwardasdochgleich von Albert King, "The sky is crying" von SRV an der Epi und einige Hendrix-Nummern, so ein "Foxey Lady"-basiertes längeres Medley und "Fire".

Witzig war wie immer im JazzClub Minden, dass sich die bartzupfenden "richtigen Jazzfans" an die Tische direkt vor der Bühne setzten, wo sie sich dann - jedenfalls bei allen Konzerten, die ICH mir dort angucke - wegen des gesunden Schallpegels vollkommen deplatziert fühlten. Keine Möglichkeit für kritische Gespräche in moderater Lautstärke. Henrik hatte sogar extra eine Plexiglasscheibe vor der Box. Wir - unser Trüppchen vor dem Mixer - waren uns alle einig, dass es ruhig gefühlte 20% hätte lauter sein können, vom Tiefbass-Bereich mal abgesehen. Den Schuh muss sich der Mischer anziehen, das muss man schneller merken und sofort reagieren. Der Tiefbass kam aus der PA. Wobei ich mir die Bemerkung nicht verkneifen kann, dass es vollkommen ausreichend und m.E. besser gewesen wäre, nur Gesang und Schlagzeug abzunehmen und zu verstärken - ein 33W Röhrentop an zwei hinten offenen 12ern und ein 1x15+4x10 Basstrum sind weiß Gott in der Lage, einen Club wie diesen ausreichend zu beschallen, und - ich hoffe da stehe ich nicht mal wieder alleine mit da - es klingt einfach BESSER, wenn er Sound von da kommt, wo man ihn "passieren sieht".

Hey, und die Bedienung verdient aus verschiedenen Gründen eine wohlwollende Erwähnung. Bin selten derart kooperativ und sympathisch bedient worden :-)



Ich grüße euch.

ferdi

Re: Konzertreview: Henrik Freischlader Band im Jazzclub Minden

Hi Ferdi,

kann dir (fast) nur beipflichten:

Ich war letzten Mittwoch in Lorsch die Jung agugge. Ich finde Henriks Spiel einfach nur geiiiiiiiiiiiiiil! Und die Band - sowas von eingespielt. Der Sound war hier durchweg prima. Der Olli Schmellenkamp hat ein sauberes Brett mit dem Bass gelegt und mit kurzen Blickkontackten zu diesem Drumtier Gas und Bremse bedient. Klasse! Das mit dem Brett zwischen den PUs würde mich auch mal interessieren. Zu Slappen wird es wohl nicht sein. Erstens würde dann die Saiten nur dauernd auf die Polepieces hauen und zweitens kloppt er seinen Daumen ganz normal bei den letzten Bünden auf die Saiten (ich konnte ihn während des ganzen Gigs sehen...)

Auch meine Empfehlung: Hingehen!!

Viele Grüße!

Gerald
N.P. HFB - Live

Re: Konzertreview: Henrik Freischlader Band im Jazzclub Minden

Hi Ferdi,

schöner Bericht.

Ich habe mir mal die Myspace-Seite von O.S. angeschaut und auch ein Foto des besagten Basses gefunden. Das Brett scheint ihm als Daumenstütze zu dienen, damit sind Spielpostionen nicht auf die beiden Pick-Ups beschränkt. Ich hatte mal selbst vor, meinem Single-Coil-51er-Preci eine ähnliche Konstruktion, allerdings aus Plexiglas, zu spendieren. Mangels CNC-Fräse musste ich den Plan aber verwerfen.

va bene,
Thorsten

: Bassist Oliver Schmellemkamp blieb mir den ganzen Gig über hinter einem Sichthindernis verborgen. Nach dem Gig konnte ich nur ein flüchtigen Blick auf die Anlage (EBS-Turm) und ein paar Pedale werfen (Boss EQ usw) und feststellen, dass er zwischen den Pickups seines JazzBass eine ca. 3mm Holzplatte geklemmt hat - wohl, damit die Saiten beim Slappen draufknallen??? Oder um eine Schandtat mit dem Stechbeitel zu verschleiern? Eine missglückte P-Pickup-Fräsung womöglich? Oliver, klär uns auf. Zu Beginn des Gigs war der Tiefbassbereich über die PA DEUTLICH zu sehr aufgeblasen, das wurde erst gegen Ende des ersten Sets besser. Oliver ist ebenfalls ein Tier. Meine Begeisterung erfährt hier allein deshalb nicht solchen Ausdruck, weil ich ihn nicht sehen konnte - den ganzen Gig über nicht. Scheiß-Pfeiler. Und gut, Bluesrock ist nicht DIE Spielwiese für Basser.

Re: Konzertreview: Henrik Freischlader Band im Jazzclub Minden

Moin ferdi,

ich hatte ja HF vor ca. 2 Jahren bei unserem Bandbetriebsausflug zu J. Bonamaaaaasa im Vorprogrammm gehört.

Damals kannte ich den Namen nicht und dachte für eine HobbyBand beeindruckend (ich nahm an es wäre 1 lokale Band).

In guter Erinnerung ist mir sein Git. Sound geblieben - jedenfalls hat mir der Sound gefallen.

Den Trick mit der Glasscheibe hat er von Bonamaaaaasa - der spielte allerdings mit ca. 100Watt gegen das Glas.

Bonamaaaaaassa war an diesem Abend zwar gut gelaunt - man hat ihn aber schon besser gehört.
Nach dem Konzert war ein kleiner Wortwechsel möglich - er hatte aber nur Augen für die mitgeführte Dame - die auch brav 1 Autogramm bekam - jedenfalls 1 netter Junge...

GruZZ *

Re: Konzertreview: Henrik Freischlader Band im Jazzclub Minden

Hi,

In guter Erinnerung ist mir sein Git. Sound geblieben - jedenfalls hat mir der Sound gefallen.

der Realtone klingt astrein, da gibt es nichts, und - ganz wichtig - der funzt wunderbar mit Strat, Paula und ES. Ich mag zwar MEINEN Sound insgesamt knalliger und klarer als er seinen, aber das gehört in den Bereich "Geschmack" und nicht "Klanggüte". Ich stehe halt nicht sooo auf den stärker komprimierten Sound der Gleichrichterröhre mit seinen insgesamt weicheren Höhen. Müsste ich mit der Pistole auf der Brust einen neuen Amp kaufen, wäre Realtone der erste, den ich probieren würde. Aber ich habe ja, was ich will (huh, was staubt das hier).

Gr00ß, ferdi

Re: Konzertreview: Henrik Freischlader Band im Jazzclub Minden

Tach Ferdi,
unser lokaler Veranstalter "Eifel- Harry" (www.eifel-events.de) hat es in den letzten 12 Monaten zweimal geschafft, Henrik F. aus W. hier in die Eifel (Burg Satzvey bzw. Kreuzweingarten) zu holen. Ich habe beide Konzerte gesehen und gehört, und hoffe auf das nächste. Das werde ich mit Sicherheit auch nicht verpassen.
Bei Harrys Eintrittspreisen lohnt sich da jeder Cent.

ne schöne Jrooß

Pitter
PS: mein neuer(;-))) 7erditone kommt klanglich ziemlich nach an den Realtone, find ich. Wenn Henrik F. das nächst mal hier spielt, werden wir die mal vergleichen.