Liebe Gemeinde!
Unlängst (ich liebe dieses Wort!) hatte ich in einem Musikgeschäft die Gelegenheit, eine Line6 Variax Acoustic 700 zu probieren und zwar angeschlossen an den geliebten und vertrauten AER AG-8. Der AER ist ein grundsätzlich neutraler Monitor, der unbeeindruckt und nüchtern widergibt, was man ihm als Signal so anvertraut. Das Ding ist kein Schönfärber - wenn es mit dem AER gut klingt, wird es über eine gute P.A. noch voller, satter, besser und runder klingen. Zum Test benutzte ich sowohl den Klinkeneingang als auch den XLR-Eingang. Bei Benutzung des XLR-Eingangs geht es noch mehr Richtung Mini-P.A.
Zur Optik dieser Gitarre konnte ich schon anhand der Bilder meine Meinung bilden. Auf den Fotos finde ich sie schon nicht so sehr schön. Jetzt aus der Nähe betrachtet, stellt sich heraus, dass die Fotos sehr realistisch sind.
Was passiert, wenn man jemandem eine Les Paul in die Hand drückt, der noch nie in seinem ganzen Leben eine E-Gitarre in den Fingern hatte? Er sagt sowas wie "boah, ist die schwer!". Genau das tat ich auch, denn die Variax war etwa so schwer wie eine schwere Paula. Kein Wunder, die Variax ist eine Solidbody mit einem lieblos reingefrästen Loch, das an ein Schallloch erinnern soll. Da kommt aber nicht viel raus. Ohne jegliche Verstärkung ist diese Gitarre dann auch genau so laut wie eine Solidbody. Und sie reagiert genau so - deutlich anders als eine akustische Gitarre, was ich im Spielgefühl merkwürdig finde.
Billige akustische Gitarren aus den 70ern haben häufig Hälse wie die Variax. Man nehme ein fettes Kantholz, verrunde ein wenig die Kanten, kleistere kräftig billigen Lack drauf und fertig. Ich habe schon lange keinen Hals mehr in der Hand gehabt, den ich als dermaßen unangenehm empfand.
Da es akustisch ja eh nichts Nennenswertes zu hören gibt, jetzt also her mit dem Kabel, aufdrehen und hören. Es gibt 16 verschiedene Modelle von Gitarrenklassikern bis zu Exoten abseits der akustischen Gitarre. Interessiert mich nicht so wirklich - ich suche erstmal einen einzigen guten Akustik-Sound irgendwo zwischen Dreadnought, OM und Parlor, halt einen Brot-und-Butter-Akustikgitarren-Sound. Auf dem Drehregler stehen diverse Modellbezeichnungen, die so etwas eigentlich können müssten. Also fange ich damit an.
Der AG-8 wirft mir Klänge entgegen, die mich an finstere Vergangenheit erinnern. Es klingt nach schlimmem, altem Piezo, wie man ihn heute kaum noch findet. So klingt es immer. Manchmal klingt es nach Piezo mit viel EQ-Einsatz. Dazu kommt das Einschwingverhalten einer Solidbody, das mit dem einer Akustikgitarre nicht so richtig viel zu tun hat. Derartig negativ überrascht beschließe ich, jetzt so lange an jedem verfügbaren Regler dieser Gitarre zu drehen und zu schieben, bis ich einen Sound finde, den ich brauchbar finde oder auch einfach nur mag. Ich scheitere.
Mein Fazit: Ich finde die Line6 Variax Acoustic 700 hässlich, schlecht spielbar, lieblos verarbeitet und klanglich unbrauchbar.
Ja, ich gebe zu, mit gewissen Vorurteilen an die Gitarre herangegangen zu sein, allerdings mit dem Wunsch, widerlegt zu werden. Wenn die Variax jetzt haptisch und akustisch einigermaßen durchschnittlich gewesen wäre, hätte ich kein Wort geschrieben. Ich bin aber trotz aller Antipathie schon vor dem ersten Anfassen so negativ überrascht worden, dass ich an diesem Verriß nicht vorbei kam.
Das ist aber nur meine Meinung - für den einen oder anderen ist das vielleicht ein tolles Instrument. Das würde ich dann gern mal direkt erleben, vielleicht habe ich die Gitarre ja ganz falsch bedient oder es war was kaputt in der Elektronik...
Gruß
erniecaster
P.S. Eine billige Elektroakustik namens Ibanez AEG-10, die keine 300 Euro kostet, ganz nett aussieht, perfekt verarbeitet und sehr gut bespielbar ist, fühlte sich über den AG-8 dagegen angenehm an und brachte den gesuchten Brot-und-Butter-Sound in brauchbarer Qualität nach wenigen Sekunden Suchen am eingebauten EQ. Geht also.
Übersicht
- (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700 - gestartet von erniecaster 1. Mai 2008 um 14:34h
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
hayman
am 1. Mai 2008 um 22:00
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
erniecaster
am 1. Mai 2008 um 22:41
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
hayman
am 2. Mai 2008 um 09:45
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
erniecaster
am 2. Mai 2008 um 10:18
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
hayman
am 2. Mai 2008 um 17:48
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
hayman
am 2. Mai 2008 um 17:48
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
erniecaster
am 2. Mai 2008 um 10:18
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
hayman
am 2. Mai 2008 um 09:45
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
erniecaster
am 1. Mai 2008 um 22:41
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
Dan
am 1. Mai 2008 um 17:40
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
erniecaster
am 1. Mai 2008 um 17:49
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
erniecaster
am 1. Mai 2008 um 17:49
- Re: (Meinung) Line6 Variax Acoustic 700
- von
hayman
am 1. Mai 2008 um 22:00
Hallo Ernie,
die Variax 700 kenne ich nicht, jedoch hat mein Bandkollege eine Variax 300 Nylon. Das Teil ist auch schwer, sieht wegen des Cutaways etwas komisch aus und das Spielgefühl entspricht sicher nicht dem einer richtigen Akustikgitarre.
Aber seitdem er diese Gitarre ein setzt hat sich sein Gitarrensound und dadurch auch der gesamte Bandsound deutlich verbessert. Vorher hatte er seine gutklingende Flamencogitarre mit einem hochwertigen Kondensatormikro abgenommen. Das Resultat war in der Praxis jedoch schwer zu gebrauchen. Er schrammte immer knapp an der Rückkoppelungsgrenze, inklusive sämtlichen unerwünschen Frequenzgangverschiebungen aufgrund der Resonanzen von Gitarre und Bühne. Auch fiel es ihm nicht leicht den optimalen Abstand zum Mikro einzuhalten.
Jetzt ist das ganze kein Problem mehr. Das Teil ist einfach zu bedienen und man hat sofort einen (sehr) brauchbaren Sound, welcher wirklich um Klassen besser ist, als der vorherige.
Gruß
Dan
die Variax 700 kenne ich nicht, jedoch hat mein Bandkollege eine Variax 300 Nylon. Das Teil ist auch schwer, sieht wegen des Cutaways etwas komisch aus und das Spielgefühl entspricht sicher nicht dem einer richtigen Akustikgitarre.
Aber seitdem er diese Gitarre ein setzt hat sich sein Gitarrensound und dadurch auch der gesamte Bandsound deutlich verbessert. Vorher hatte er seine gutklingende Flamencogitarre mit einem hochwertigen Kondensatormikro abgenommen. Das Resultat war in der Praxis jedoch schwer zu gebrauchen. Er schrammte immer knapp an der Rückkoppelungsgrenze, inklusive sämtlichen unerwünschen Frequenzgangverschiebungen aufgrund der Resonanzen von Gitarre und Bühne. Auch fiel es ihm nicht leicht den optimalen Abstand zum Mikro einzuhalten.
Jetzt ist das ganze kein Problem mehr. Das Teil ist einfach zu bedienen und man hat sofort einen (sehr) brauchbaren Sound, welcher wirklich um Klassen besser ist, als der vorherige.
Gruß
Dan
Hallo Dan,
bis auf diese 700er kenne ich ja keine Variax.
Was Nylonsaiten-Gitarren angeht, kann ich auch nicht wirklich mitreden. Ich habe meine letzte vor bestimmt 20 Jahren besessen...
Gruß
erniecaster
bis auf diese 700er kenne ich ja keine Variax.
Was Nylonsaiten-Gitarren angeht, kann ich auch nicht wirklich mitreden. Ich habe meine letzte vor bestimmt 20 Jahren besessen...
Gruß
erniecaster
hi erniecaster
dieser verriß kommt ja ziemlich passend für mich, hatte ich doch schon mal mit der variax-nylonvariante geliebäugelt. aber was ich da so höre/lese, klingt ja überhaupt nicht verlockend.
btw:? wie kommt man denn ohne nylon 20 jahre über die runden? gehört doch in jeden gitarristenhaushalt.
gruß hayman
dieser verriß kommt ja ziemlich passend für mich, hatte ich doch schon mal mit der variax-nylonvariante geliebäugelt. aber was ich da so höre/lese, klingt ja überhaupt nicht verlockend.
btw:? wie kommt man denn ohne nylon 20 jahre über die runden? gehört doch in jeden gitarristenhaushalt.
gruß hayman
Hallo!
dieser verriß kommt ja ziemlich passend für mich, hatte ich doch schon mal mit der variax-nylonvariante geliebäugelt. aber was ich da so höre/lese, klingt ja überhaupt nicht verlockend.
Mir ist dabei ganz wichtig, dass es erstens meine Meinung und absolut nicht verallgemeinernd gemeint ist und zweitens mit Nylonsaiten nichts zu tun hat.
Nach dem Verriß für die Variax möchte ich als Ausgleich mal wieder meine Begeisterung für die Yamaha APX wiederholen. Yamaha kann Gitarrenhälse bauen, die APXe sind wunderbar handlich, die Tonabnehmer sind gut und die Preamps grandios. Die Dreiband-Klangregelung mit parametrischen Mitten ist das Beste, was es auf dem Markt gibt. Warum? Weil das Ding so herrlich praxistauglich ist. Und so gehe ich da ran:
Alles auf Null regeln. Meistens nervt irgendeine Frequenz. Also Mittenregler voll aufdrehen und mit dem Frequenzfader vorsichtig suchen, wo es am unnatürlichsten, am plastikmäßigsten klingt. Dann Mittenregler so weit unter die Neutralstellung runterregeln, dass die Mundwinkel richtig hoch gehen. Je nach Geschmack und Bandkontext Bass und Höhen runter oder rauf und das Grinsen geht gar nicht mehr aus dem Gesicht.
So funktioniert es jedenfalls bei den Stahlsaiten-APX und meinem Mainstream-Soundgeschmack.
btw:? wie kommt man denn ohne nylon 20 jahre über die runden? gehört doch in jeden gitarristenhaushalt.
Och, das geht ganz gut. Was meine Ohren hören wollen, bekomme ich mit meinen Fingern ganz gut aus meinen Steelstrings.
Gruß
erniecaster
dieser verriß kommt ja ziemlich passend für mich, hatte ich doch schon mal mit der variax-nylonvariante geliebäugelt. aber was ich da so höre/lese, klingt ja überhaupt nicht verlockend.
Mir ist dabei ganz wichtig, dass es erstens meine Meinung und absolut nicht verallgemeinernd gemeint ist und zweitens mit Nylonsaiten nichts zu tun hat.
Nach dem Verriß für die Variax möchte ich als Ausgleich mal wieder meine Begeisterung für die Yamaha APX wiederholen. Yamaha kann Gitarrenhälse bauen, die APXe sind wunderbar handlich, die Tonabnehmer sind gut und die Preamps grandios. Die Dreiband-Klangregelung mit parametrischen Mitten ist das Beste, was es auf dem Markt gibt. Warum? Weil das Ding so herrlich praxistauglich ist. Und so gehe ich da ran:
Alles auf Null regeln. Meistens nervt irgendeine Frequenz. Also Mittenregler voll aufdrehen und mit dem Frequenzfader vorsichtig suchen, wo es am unnatürlichsten, am plastikmäßigsten klingt. Dann Mittenregler so weit unter die Neutralstellung runterregeln, dass die Mundwinkel richtig hoch gehen. Je nach Geschmack und Bandkontext Bass und Höhen runter oder rauf und das Grinsen geht gar nicht mehr aus dem Gesicht.
So funktioniert es jedenfalls bei den Stahlsaiten-APX und meinem Mainstream-Soundgeschmack.
btw:? wie kommt man denn ohne nylon 20 jahre über die runden? gehört doch in jeden gitarristenhaushalt.
Och, das geht ganz gut. Was meine Ohren hören wollen, bekomme ich mit meinen Fingern ganz gut aus meinen Steelstrings.
Gruß
erniecaster
hi erniecaster
"Was meine Ohren hören wollen, bekomme ich mit meinen Fingern ganz gut aus meinen Steelstrings."
das ist ein guter satz! werd ich mir merken.
gibt´s denn von yamaha auch was vergleichbares "in nylon"?
gruß hayman
"Was meine Ohren hören wollen, bekomme ich mit meinen Fingern ganz gut aus meinen Steelstrings."
das ist ein guter satz! werd ich mir merken.
gibt´s denn von yamaha auch was vergleichbares "in nylon"?
gruß hayman
Hallo!
Die APX gibt es auch in Nylon - ich kann aber zur Qualität etc. absolut nichts sagen, bis auf einen kleinen Hinweis: Das Griffbrett ist nicht klassisch sondern leicht gewölbt und nicht allzu breit.
Gruß
erniecaster
Die APX gibt es auch in Nylon - ich kann aber zur Qualität etc. absolut nichts sagen, bis auf einen kleinen Hinweis: Das Griffbrett ist nicht klassisch sondern leicht gewölbt und nicht allzu breit.
Gruß
erniecaster
:
hi und danke!
das war ein entscheidender hinweis. ich brauch das klassische griffbrett. also nix yamaha
gruß hayman
hi und danke!
das war ein entscheidender hinweis. ich brauch das klassische griffbrett. also nix yamaha
gruß hayman