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(Privat) der akustische Bestand im Sommer 2026

Hallo zusammen,

jetzt wollte ich euch mal meinen aktuellen Bestand an Equipment vorstellen. Das ist dieses Mal bis auf eine Ausnahme kein Honeymoon-Review und daher gehe ich mal anders ran. Heute die beiden akustischen Gitarren, E-Gitarren und Pedalboards folgen.

Tatsächlich spiele ich ja auch Gigs akustisch, eigentlich elektroakustisch. Es sind also keine reinen Gitarren, um zuhause für mich zu spielen oder etwas aufzunehmen.

Akustikgitarre Nummer 1: Yamaha AC3R.

Ich habe sie 2019 beim Music Store gekauft, indem ich jede Akustikgitarre mit Pickup probiert habe, die mir optisch gefiel, völlig unabhängig von Namen und Preisschildern. Die AC3R hat mir mit großem Abstand am besten gefallen. Als ich sie gekauft habe, lag sie preislich noch bei unter 800 Euro – mein Etat war deutlich höher.

Was ist das? Eine Stahlsaitengitarre mit Pickup in Grand Concert Form, vollmassiv, Decke Fichte, Zargen und Boden Palisander – für mehr Info klicke hier: https://www.musicstore.de/de_DE/EUR/Yamaha-AC3R-ARE-VN/art-GIT0041070-000

Modifikationen? Bis auf Spielspuren und ein paar Macken am Headstock keine.

Was mache ich damit? Das ist "meine akustische Gitarre". Sie kann fast alles, ich kann meine persönlichen Sounds da rausholen, sie funktioniert akustisch und mit Kabel drin.

Was kann sie nicht? Der warme und weiche Grundsound einer Gitarre mit Mahagoniboden und -zargen ist nicht einfach so drin, dafür muss ich mit dem Anschlag arbeiten. Das Pickupsystem ist überdurchschnittlich gut, ohne ein Pedalboard geht es trotzdem nicht.

Ich benutze sie zusammen mit einem Boss GE7 und schreibe es hier ganz ausdrücklich: Der GE7 hat früher gerauscht. Boss hat aber am GE7 gearbeitet und heute rauschen die GE7 nicht mehr und nicht weniger als andere Equalizer. Wer immer noch behauptet, dass man ein GE7 erst modifizieren (lassen) muss, verbreitet überholtes Wissen.

Sie ist meine akustische Hauptgitarre – ich brauche für Gigs auch noch ein Backup und ein Backup für sich selbst kann sie natürlich nicht sein.

Würde ich diese Gitarre wieder kaufen? Nein. Ich würde erst die AC3M (gleich Gitarre mit Mahagoni) oder sogar die AC1M (anderes Pickupsystem) probieren.

Warum verkaufe ich die dann nicht und kaufe mir eine andere? Irgendwas ist immer. Dann nehme ich halt mein Pedalboard mit und gebe mir für einen warmen Sound mehr Mühe beim Spielen.

Gitarre Nummer zwei: Yamaha APX 600. Details: https://www.thomann.de/de/yamaha_apx_600_old_violin_sunburst.htm

Online gekauft im Dezember 2024 bei Thomann. Ich hatte zu dem Zeitpunkt kein Backup, hatte ein paar Sachen probiert, die nicht funktionierten und erinnerte mich daran, dass ich rund um 2009 Unmengen an Gigs mit einer APX gespielt hatte. Preis war und ist interessant, also her damit.

Was ist das? Eine kleine Elektroakustikgitarre. Die APX 600 ist bitte nicht mit der APX 500 oder der APX 700 zu verwechseln. Das 600er Modell hat eine kürzere Mensur, ein anderes Tonabnehmersystem und ein anderes Bracing. Die ist erheblich besser als die alten Dinger – bei dem Preis macht ein Gebrauchtkauf einer alten APX echt keinen Sinn mehr.

Modifikationen? Neue Mechaniken für weniger als nen Fuffi, zwei andere Gurtpins und ein Besuch beim Gitarrenbauer für ein anständiges Setup. Letzteres ist Pflicht.

Was mache ich damit? Sie ist das Backup für die AC3R, wenn mal was passiert. Das Einsatzgebiet ist natürlich das elektrisch verstärkte Spiel, insbesondere wenn es laut oder hektisch wird. Manchmal nutze ich sie zuhause, wenn ich verstärkt mit Effekten rumblödele.

Und ehrlich gesagt, wer Gigs spielt, kann 400 Euro erheblich dümmer ausgeben als sich eine APX600 ins Haus zu holen. Irgendwann braucht man so einen Hobel, mit dem man quick and dirty einen brauchbaren Akustikgitarrensound raushaut. 

Was kann sie nicht? Akustisch gut klingen. Sorry, tut sie nicht. Sie bleibt immer etwas mittig, im Musikersprech "boxy". Na gut, ich verrate den schmutzigen Trick, wie man das löst... Wer sich traut, zieht einfach mal 10er Saiten auf den akustischen Mittenwerfer, dann wird die Gitarre eine Spur leiser und die Mitten kommen weniger gut durch. Für mich ist das nichts, das fühlt sich unter den Händen wie eine E-Gitarre an und das mag ich bei Akustikgitarren nicht.

Würde ich diese Gitarre wieder kaufen? Nein. Ich würde eine CPX 600 kaufen, die könnte ich dann auch wenigstens an einem Lagerfeuer benutzen und würde brauchbar klingen.

Warum verkaufe ich die dann nicht und kaufe mir eine andere? Wenn das Drumherum so mies ist, dass ich meine Hauptgitarre nicht mitnehmen möchte, müssen die Leute eben mit einem dosigen Sound leben, wenn ich überhaupt eine Gitarre mitnehmen möche.

Davon abgesehen, trainiert die APX meinen Anschlag. Wenn ich eine Stunde auf ihr akustisch spiele, bekomme ich einen brauchbaren Akustiksound hin. Wechsele ich danach auf die AC3R, merke ich dieses Training sofort.

Brauche ich noch eine Akustikgitarre? Nein. Will ich mir noch eine kaufen? Ja, aber ich bin noch in der Findungsphase.

So viel erstmal. 


Re: (Privat) der akustische Bestand im Sommer 2026

Aloha Erniecaster, 
schön, von Dir zu lesen. Bist du doch jemand, der in der hoffnungslos verstromten Gitarristenwelt die Fahne des akustischen Gitarrensounds hochhält und weiterträgt.
Wie eigentlich immer, sind Deine Beiträge höchst spannend zu lesen.
Was ich aber nicht verstanden habe:
Bei einer Deiner Gitarren ist das PickUp System überdurchschnittlich gut. Aber ohne Pedalboard geht es dennoch nicht. - (Also doch nicht richtig gut?)
Wie sieht denn Dein Pedalboard aus?
Ich versuche, so eng es geht an dem akustischen Gitarrensound zu bleiben. 
Wenn Pedalboard, dann:
DITTO
BOSS OC 3
NUX Atlantic Reverb/Delay (wobei ich nur das Delay benutze)
Polytune
Reverb vom Amp (AER/Lakewood AcoustiCube, voll vintidsch, mit dem genialen BEYMA Speaker)
Nach einer ohrenzerfressenden Odysse bin ich bei drei Akustiks hängengeblieben: 
• Santa Cruz OMG mit K&K
• Gebaute 00-28, AER Lily one
Lagerfeuergitarre ist eine
• EPI (steht tatsächlich auf dem Headstock) Dreadnought aus den 1970ern
ohne PU aber mit 0-13 Saiten, damit ich nicht nur reingrätschen muss
Btw, Deine ostgotische Klangpappe steht hier immernoch. Mit geschliffenen Saiten. Der Kollege Steve White hat die mal so richtig zum Klingen gebracht. 
Glück Auf
Andreas


Re: (Privat) der akustische Bestand im Sommer 2026

Hallo Andreas, 

schön, wieder hier zu sein. 


: Was ich aber nicht verstanden habe:
: Bei einer Deiner Gitarren ist das PickUp System überdurchschnittlich gut. Aber ohne Pedalboard geht es dennoch nicht. - (Also doch nicht richtig gut?)
: Wie sieht denn Dein Pedalboard aus?
: Ich versuche, so eng es geht an dem akustischen Gitarrensound zu bleiben. 

Spannende Frage. 

Für mich gibt es so richtig schlechte Pickupsysteme (ab jetzt nur noch PUs). Da kannst du hinterschalten, was immer du willst und gut wird das nie. Unausgewogene Saiten, Nebengeräusche etc. - quasi unbrauchbar. Dann gibt es ganz gute PUs, ich sage mal als Stichwort "Fishman". Ja, keine Nebengeräusch, ja, ausgewogen - aber klingt irgendwie falsch. EQ dahinter, bisschen Kompression, vielleicht eine Prise Hall oder Delay und die Mundwinkel sind nicht mehr ganz unten. Kann man mit arbeiten, macht aber keinen Spaß. Das ist für mich der Durchschnitt.

Leute wie John Mayer oder Bryan Adams arbeiten mit sowas, nur mal am Rande bemerkt. 

Die Yamaha AC3R hat ein überdurchschnittliches PUs an Bord. Bedeutet, dass ich ohne Nacharbeiten in eine D.I. ohne Klangregelung gehen kann und am Mixer kommt ein brauchbares Signal an. Ein "joo - okay - kann man machen" Signal. Keine Begeisterung, ist jetzt halt so. Packen wir da ein bisschen Nachbearbeitung drauf, ist es nicht mehr okay sondern macht Spaß. 

Und ein so richtig gutes PUs in der Gitarre braucht gar nix. Kabel rein und es passt. Alles, was jetzt noch an Nachbearbeitung kommt, ist kein Reparieren des Akustikgitarrensounds sondern ein Anpassen und Polieren. 

Beispiele: Ich hatte in einer recht offensiv klingenden Eastman ein MiSi Trio Air. Das ist ein Piezosystem mit einem eingebauten Mikro. Tatsächlich klang die verstärkte Eastman genau wie die akustische, nur "in laut". Während das rein akustisch halt nur "recht offensiv" klang, war das in lauter schon eher nervig. Am PUs war keine brauchbare Klangregelung - das finde ich überdurchschnittlich und ich brauche ein Pedalboard. 

In einer APX/CPX ist im Regelfall eine semiparametrische Mittenregelung. Damit kann ich schon am PUs das Signal so bearbeiten, dass ich hinterher eigentlich nichts mehr brauche. 

So. Zu meinen Pedalboards komme ich später, hier der Spoiler für das akustische Board: TU2, neutraler Booster für Soli und Fingerpicking, GE7 als always on Klangregelung, D.I.

Da steckt viel Gehirnschmalz, Erfahrung und Resignation drin, ich werde da noch was längeres zu schreiben.