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[Psychologie] Lampenfieber

Einen schönen faulen Sonntag Euch allen. ...

... langsam wird’s ernst. Ende März steht unser erster Auftritt an. Schlagzeug, Bass (Finn höchstpersönlich) und B-Poet - klitzekleine Veranstaltung, fast wie auf ner Party.
Wir spielen jetzt ca. ein dreiviertel Jahr zusammen und haben inzwischen zwei Sets zusammen. Unser SlamPoet findet alles immer super, da können wir uns verhauen das die Zähne wehtun, er sieht das alles eher als künstlerisches Experiment. Der Schlagzeuger (der wirklich gut ist) ist sowieso Bühnengeil. Ich war das letzte mal, glaube ich, vor 15 Jahren auf einer Bühne.
Ich bin erst vor zwei Jahren von der Gitarre zum Bass gekommen, Bass auf der Bühne ist für mich noch absolutes Neuland.

Kurz und gut. Ich mache mir jetzt schon in die Hosen, wenn ich an den Gig denke! O. K., ganz so dramatisch ist es auch nicht, aber ich habe keine Ahnung, wie ich mich nach so langer Zeit mit einem „neuen" Instrument auf der Bühne anstellen werde. Black-Out? Permanentes Verspielen? Oder wie früher, kurzes Herzflattern und dann durch? Aber da war ich noch jünger und hatte mehr gesunde Naivität ... :-)

Wie ging es Euch so, vorm ersten Gig?


Ciao
Finn

Re: [Psychologie] Lampenfieber

Moin Finn,

das muss so. Nervös muss man sein, sonst baut man irgendwann Mist. Sobald's Routine wird gibst Du nicht mehr 101%, und das ist nich' gut. Wenn Du also so lampenfiebrig bist dann übst und übst und übst Du und bereitest Dich gut vor damit ja nix schief geht. Da ist nix verkehrtes dran. Ich hab' mal zwei Jahre lang Radio gemacht. Da bin ich vor jeder Sendung nochmal mit'm extrem flauen Gefühl im Magen auf's Klo gerannt. Völlig grundlos im Prinzip, aber ich hatte das Gefühl mir gleich in die Hosen zu scheißen. Auch 50 Sendungen später noch wie beim ersten oder zweiten Mal. Dann bleibt man auch wach. Und das ist gut, so mit Adrenalin und dem Zeug, besser als auf der Bühne ständig vor Schläfrigkeit Patzer zu bauen.

Grüße und alles Gute für den Gig
Felix

Re: [Psychologie] Lampenfieber

Hi Finn,

ich empfinde Lampenfieber als etwas sehr lästiges. Früher habe ich mich so gequält, daß es die Motorik störte. Die Finger waren klamm und der Kopf heiß... Was dann immer half, war körperliche Anstrengung. Ich habe vor dem Auftritt so lange Liegestütze und Situps gemacht, bis ich schwitzte. Dann ist das Adrenalin in den Muskeln und der Zitter weicht einer guten Körperwärme. Versuch's mal. Es hilft!
Viel Erfolg gewünscht!
W°°

Re: [Psychologie] Lampenfieber

Hallo Finn,

bei meinem ersten Auftritt hat sich der Gitarrenhals wie eine Dachlatte angefühlt, und die Saitenstärke war mindestens 0.20. Jetzt, fünfzehn Jahre und viele Gigs später
ist nur noch Vorfreude da. Beim letzten Gig allerdings bin ich zum ersten Mal mit Bottleneck aufgetreten, da kam für einen kurzen Moment der Gedanke auf: "Mach' jetzt bloß keinen Sch...".

Wenn Du gut vorbereitet bist, Dich warmspielst und Dich anschließend noch konzentrierst bist der Schweiß fließt, dann klappt das.

Viel Spaß beim Gig.

Gruß Torsten

PS: Ich bin öfters in Bürstadt in der Nähe von Worms. Dort gibt es regelmäßig einen Musikerstammtisch, bei dem einfach jeder mit jedem spielt (und ihn oder sie nicht mal beim Namen kennt). Da kommen dann so Dialoge wie: "Das Lied heißt...". "Keine Einzelheiten, welche Tonart?". Wenn bei Dir sowas in der Nähe ist, dann geh' dahin und spiel, ein besseres Praxistraining findest Du nicht. Da passieren soviele Fehler und Pannen, daß man nach kürzester Zeit lernt, aus jeder verfahrenen Situation irgendwie wieder rauszukommen.




Re: [Psychologie] Lampenfieber

Hi Finn,

kann ich bloß unterstützen! Das Lampenfieber ist nix anderes als der berühmte archaische Flucht-Reflex - "Gefahr" (Du spielst falsch, vergißt was, machst eine blöde Figur etc. und die Meute jagt Dich dann) - Adrenalin ohne Ende in den ganzen Körper - Lähmung (denn genau das äußert sich im Zittern - Deine Muskeln sollen feinmotorische Bewegungen machen und Du bist in dem Moment auf "nur weg hier!" programmiert).

Also - Adrenalin abbauen und zwar durch Bewegung! Außerdem ist niemand perfekt - also mögliche Fehler an dir selbst akzeptieren!
Bei Mark Knopfler hab' ich heut' noch den Eindruck, daß er sich jedes Mal vor seinem Sultans Of Swing-Solo fürchtet, obwohl er's mittlerweile absolut perfekt spielen kann.

Deshalb zusätzlich zur Bewegung: Dich auf den Auftritt freuen, denn es macht Dir selbst Spaß. Die da draußen hassen Dich nicht, das ist kein Klassik-Publikum, das nur auf einen Patzer oder eine "Autentizitäts-Verletzung" (Bach hat das aber anders geschrieben!) wartet! Für solche Leute spielst Du nicht, die wollen keine Musik hören, die wollen kritisieren und ihr Ego als "Musikkenner" (hahaha!) aufpolieren - da würdest Du Perlen vor die Säue werfen!

Du kannst es ja, auch wenn's nicht immer klappt. Bist Du noch nie gestolpert, ist dir noch nie was aus der Hand gefallen, hast Du Dich noch nie versprochen? Und trotzdem wird niemand behaupten, Du könntest nicht laufen, hättest die Parkinson'sche Krankheit oder seist sprachbehindert!

Freu' Dich drauf!

Cheerio
Hans-Jürgen

Re: [Psychologie] Lampenfieber

Hi Felix,

das beruhigt mich, dass es alten Hasen nach so langer Zeit immer noch so geht. Das beruhigt schon ungemein.

Mit den 101% sehe ich das etwas anders: Wenn es ernst wird, dann gebe ich nur 80% - die aber richtig! Ich versuche, irgendwelche kunstvollen Schnörkel und Schlenker, die ich immer wieder gerne einbaue, nur dann zu spielen, wenn ich sie wirklich gut kann. Dann habe ich immer noch 21% "Reserve", die ich dann doch wieder nutze, um hin und wieder obengenannte Schlenker reinzubasteln ...

Ich melde mich jedenfalls, wenn ich es hinter mir habe. Danke für Deinen Beistand. :-)

Liebe Grüße
Finn


Re: [Psychologie] Lampenfieber

DER Tip war mir ganz neu, aber leuchtet ein.

Also. Wir bringen unseren Krempel am besten mit dem Fahradanhänger hin, ich laufe vor dem Gig nochmal ums Haus und renne die Treppen rauf und runter (da fällt mir der komische Daniel ein, der in der Glotze am Samstag, der japste dann nur noch ins Micro. Gott sei dank brauche ich nicht singen.)

Aber den sportlichen Hinweis finde ich wesentlich konstruktiver als den Tip eine bekannten Gitarristen: "Och, zwei Pils und nen ordendlichen Zug aus der Hucka ... dann geht das schon relaxt." Danke!

Mit sportlichen Grüßen und merci
Finn

Re: [Psychologie] Lampenfieber

Hallo Torsten

: PS: Ich bin öfters in Bürstadt in der Nähe von Worms. Dort gibt es regelmäßig einen Musikerstammtisch, bei dem einfach jeder mit jedem spielt (und ihn oder sie nicht mal beim Namen kennt). Da kommen dann so Dialoge wie: "Das Lied heißt...". "Keine Einzelheiten, welche Tonart?". Wenn bei Dir sowas in der Nähe ist, dann geh' dahin und spiel, ein besseres Praxistraining findest Du nicht. Da passieren soviele Fehler und Pannen, daß man nach kürzester Zeit lernt, aus jeder verfahrenen Situation irgendwie wieder rauszukommen.

Das erinnert mich an meinen 14-tägigen-Bunker-Termin, sonntags Abends. Jammen in wechselnder Besetztung, jeder spiel neben seinem Instrument was gerade frei ist, das Micro macht die Runde - mancht Spaß und ist wirklich eine gute Übung.

Grüße
Finn