Hallo liebe Aussensaiter,
ja wir, d.h. Jochen, ein symphatisierender Bassmann (hallo Philipp) und ich, haben´s getan: Für gestern war schon seit einigen Tagen eine Probe angesetzt. Wir haben vorher am Telefon abgeklärt, ob sich jeder einzelne in der Lage fühlte, überhaupt zu spielen und haben dann beschlossen, den gestrigen Abend im Proberaum zuzubringen.
Was soll ich sagen, es hat wirklich gut getan, Musik zu machen. Für uns drei war es eine Art "Seelenhygiene" und hat uns wirklich erleichtert. Wem hätte es auch genutzt, wenn ein namenloses Hinterhoftrio unter Verweis auf die weltpolitische Lage seine Probe abgesagt hätte?
Es war uns verständlicherweise nicht danach, wild loszurocken, mit Little Wing und All Blues und I Shall Be Released gings eher besinnlich zu.
Eigentlich unnötig zu erwähnen, daß es bei den Rauchpausen nur ein Gesprächsthema gab, und wir uns über unsere Eindrücke und Befürchtungen ausgetauscht haben.
Wie gesagt, es hat uns wirklich gut getan, unsere Emotionen über die Musik rauszulassen. Daß es trotzdem kein "normaler" Abend war, ist uns allen bewußt gewesen und war in der Musik imho deutlich zu hören.
Keep playing,
Juergen
Übersicht
- (Aussensaiter) Keep playing - gestartet von Juergen 13. September 2001 um 16:25h
- Re: (Aussensaiter) Keep playing
- von
groby
am 14. September 2001 um 17:14
- Re: (Aussensaiter) Keep playing
- von
Jochen
am 14. September 2001 um 10:30
- Re: (Aussensaiter) Keep playing
- von
groby
am 14. September 2001 um 17:14
Ja, dem kann ich nix mehr hinzufügen, genauso war es. Das hat auch nix mit "Müssen wir jetzt alle so lange die Luft anhalten bis wir ersticken?" zu tun, nur falls wer auf diese Idee kommen sollte.
Gruß Jochen
Gruß Jochen
"...und ginge die Welt morgen unter, ich würde heute noch mein Apfelbäumchen pflanzen."
Hallo, Leute.
Ich komme gerade aus dem Urlaub in Italien zurück und finde hier den passenden Thread um was loszuwerden.
Wir (Freundin und ich) erfuhren von den Anschlägen am Abend einer der schönsten Urlaubstage. Die Sonne war gerade über den Horizont und wir suchten ein schönes Restaurante um den bisher traumhaft tollen Tag zu feiern als wir die Nachricht erhielten. Mit dieser Neuigkeit im Kopf mussten wir uns irgendwo hinsetzen und das zu begreifen.
Wir waren in einer gemütlichen kleinen historischen Altstadt mit verschlafenem Hafen und kleinen Promenaden entlang des Ufers. Egal wo wir uns hinsetzten um nachzudenken, überall erschallte beschwingte kleine Tanzmusik von aufgestellten Alleinunterhaltern und singenden Bar-Pianisten.
Etwas Gegensätzlicheres als dieses Szenerie und der psychischen Stimmung kann man sich nicht vorstellen.
Es war gespenstisch.
Ich erinnere mich, den wenigen auf den Plätzen tanzenden Gäste und den singenden Alleinunterhalter zuschreien zu wollen: "Hört auf damit! Wie könnt ihr singen? Und Ihr! Wie könnt ihr nur tanzen? Jetzt."
Aber sie hätten wahrscheinlich zurückgeschriehen "Was sollen wir denn sonst tun? Tanze mit und lebe."
Das werde ich jetzt auch tun. Leben.
Ich stelle fest, dass die Ereignisse zunehmend ihre Schockwirkung verlieren und die Welt wieder versucht, sich in ihre gewohnte Normalität zurück zu kuscheln. Die Schockwelle hat ihren Zenit überschritten und löst sich auf in detektivische Neugier beim Schauen der Tagesthemen und Nostalgie beim Anblick von Manhattanpostkarten.
In einigen Tagen werden wieder mehr und mehr Leute darüber lächeln, dass sie noch an einen Weltkrieg gedacht haben. So ähnlich wie "Ach ja. Der Golfkrieg. Wisst Ihr noch?" oder "Ach ja. Tchernobyl. Wisst Ihr noch?"
Ich hoffe, ich werde meine Gedanken nicht vergessen.
So. Das war's. Und jetzt werde ich mich in meine Normalität zurückkuscheln.
Was sollte ich denn auch sonst tun?
groby
Hallo, Leute.
Ich komme gerade aus dem Urlaub in Italien zurück und finde hier den passenden Thread um was loszuwerden.
Wir (Freundin und ich) erfuhren von den Anschlägen am Abend einer der schönsten Urlaubstage. Die Sonne war gerade über den Horizont und wir suchten ein schönes Restaurante um den bisher traumhaft tollen Tag zu feiern als wir die Nachricht erhielten. Mit dieser Neuigkeit im Kopf mussten wir uns irgendwo hinsetzen und das zu begreifen.
Wir waren in einer gemütlichen kleinen historischen Altstadt mit verschlafenem Hafen und kleinen Promenaden entlang des Ufers. Egal wo wir uns hinsetzten um nachzudenken, überall erschallte beschwingte kleine Tanzmusik von aufgestellten Alleinunterhaltern und singenden Bar-Pianisten.
Etwas Gegensätzlicheres als dieses Szenerie und der psychischen Stimmung kann man sich nicht vorstellen.
Es war gespenstisch.
Ich erinnere mich, den wenigen auf den Plätzen tanzenden Gäste und den singenden Alleinunterhalter zuschreien zu wollen: "Hört auf damit! Wie könnt ihr singen? Und Ihr! Wie könnt ihr nur tanzen? Jetzt."
Aber sie hätten wahrscheinlich zurückgeschriehen "Was sollen wir denn sonst tun? Tanze mit und lebe."
Das werde ich jetzt auch tun. Leben.
Ich stelle fest, dass die Ereignisse zunehmend ihre Schockwirkung verlieren und die Welt wieder versucht, sich in ihre gewohnte Normalität zurück zu kuscheln. Die Schockwelle hat ihren Zenit überschritten und löst sich auf in detektivische Neugier beim Schauen der Tagesthemen und Nostalgie beim Anblick von Manhattanpostkarten.
In einigen Tagen werden wieder mehr und mehr Leute darüber lächeln, dass sie noch an einen Weltkrieg gedacht haben. So ähnlich wie "Ach ja. Der Golfkrieg. Wisst Ihr noch?" oder "Ach ja. Tchernobyl. Wisst Ihr noch?"
Ich hoffe, ich werde meine Gedanken nicht vergessen.
So. Das war's. Und jetzt werde ich mich in meine Normalität zurückkuscheln.
Was sollte ich denn auch sonst tun?
groby