Liebe Aussenwelt,
vorneweg: Mich hat das Virus auch geschnappt, und zwar mit voller Breitseite. Gestern komplett im Bett, aber heute geht's schon wieder einigermaßen. Scheint eines dieser schmetterlingsartigen Viren zu sein, die es nie lange beim gleichen Wirt aushalten und rasch weiterziehen...
Der Beitragstitel deutet es ja bereits an: Ich werde demnächst ein soul-gospel-orientiertes Lied schreiben, das heißen wird: "Praise Präsi, praise the Jörg". Ich meine, das muss man sich erst mal geben: Dass ausgerechnet ein Schlagzeuger die Aussensaiter-Session organisiert, noch dazu die Jubiläums-Session, und dann noch ein Schlagzeuger, der es in fünf Jahren gerade mal auf 20 Beiträge in diesem Forum bringt. Ich finde das aller Ehren wert, das habe ich ihm auf der Session auch ca. 20 mal gesagt, aber hier ins Forum muss es schon auch noch.
Ein ähnliches Highlight ist für mich übrigens Rainer, und das muss man sich auch mal geben: Fährt die ganze Strecke, nur um dann für uns zu kochen, ganz unglaublich geschmackvolle Photos zu machen und sich unser Equipment-Geschwätz anzuhören.
Und wo wir schon bei erstaunlichen Dingen sind: An Siegen ist beeindruckend, was für ein Haufen von Musikern plötzlich aus allen möglichen Löchern gekrochen kommt. Bei der zehnten Session war's schon so, und jetzt wieder: Auf einmal steht da eine Menge Typen rum, die alle Bass, Gitarre und Schlagzeug spielen und untereinander durch ein ganzes Netzwerk von Bands verbunden sind. Irgendwann landet jeder von denen mal auf der Session-Bühne, und man denkt, in Siegen könnten alle Musik machen. Scheint ein fruchtbares Biotop zu sein, das ihr da habt, alle Achtung. Stellvertretend sei Ingo, Tinas Bruder, genannt, der mich am Schlagzeug schwerst beeindruckt hat und auch noch eine interessante Gitarre spielt. Aber mit Tina, Präsi, Guido, Heiko, Thomas und noch ein paar Gestalten merkt man schon, dass da was lebt in Siegen.
Was die Session als solche betrifft: Dieses Photo sagt ja schon aus, dass wir es teils mit widrigen Bedingungen zu tun hatten. Das VEB in Siegen hat für mich immer auch etwas mit "survival of the fittest" zu tun: Der E-Raum ist irgendwie tighter als die anderen Session-Orte, der Rauchraum hat mehr Rauch als Raum, nur oben, im zweiten Stock, da ist's kuschelig, aber da gibt's eben keinen Lärm und keinen Rauch. So irrt man immer zwischen den verschiedenen Bedürfnissen und Schmerzen hin und her und fängt sich auf dem Weg ein paar Viren ein.
Aber wir haben das beste draus gemacht. Es gab, wie schon angedeutet wurde, den unbedingten Willen zum Song. Treibende Kräfte sind hier Andi, Jonas, Michl, Friedlieb. Wäre Muelrich dabei gewesen, hätte ich einen Verbündeten in "20-Minuten-e-moll" gehabt", aber so war's natürlich ertragreicher und leichter zum Anhören. (Und wäre Ferdi dabei gewesen, hätte ich einen Verbündeten in "noch-mal-Blues-Schema" gehabt.) Ich habe auf diese Weise auch ein paar Lieder gelernt: Rudimentär kann ich jetzt WMGGW, richtig gut kann ich ISTS. Das dumme ist nur: Auf der letzten Eifel-Session hatte ich schon LW gelernt, das hatte ich dieses mal komplett vergessen. Bin mal gespannt, wo das hinführt.
Es gab nicht nur den unbedingten Willen zum Song, sondern auch den unbedingten Willen zum Session-Terrarium: Vier Echsen auf einem Haufen, Mann-O-Mann! Die verschiedenen Echsen-Besitzer sind ja nicht eigenbrödlerisch, also durfte ich auch über zwei von den Dingern spielen, aber ich hatte das Gefühl, als würde ich dabei ein wenig von der Seite angeschaut, nach dem Motto: "Darfsch scho spiele, aber schreib äd wiedr was drübr im Forum...." Mir geht es jedenfalls so: Ich könnte mich stundenlang mit so einem Ding beschäftigen und würde gerne auch an zukünftigen Diskussionen darüber teilnehmen, denn es gibt wahrscheinlich wirklich viel dabei zu erkunden und auch viel dazu zu sagen. Wenn ich mal selber endlich wieder Kohle haben sollte, lege ich mir eines zu, und dann melde ich mich wieder zu dem Thema.
Ach ja, Workshop: Ich habe verstanden. Ich habe verstanden, dass Sessions mit Workshops besser sind als ohne, und ich werde das für die nächsten Sessions beherzigen. Dann machen wir es auch wieder mit Vorlauf im Forum, damit nicht so etwas passiert wie dieses Mal mit Richard, der gerne dabei gewesen wäre, aber gerade nicht in der Nähe war. Der Workshop war über alle Maßen nett, einer meiner beiden persönlichen Session-Höhepunkte* und hat zu einem sehr intensiven und konstanten Gespräch geführt. Die Runde war auch etwas kleiner und überschaubarer als zu Duisburger Zeiten, und so war es wirklich tight: Wir haben über Musik geredet, aber auch über anderes, und wenn hier im Forum demnächst das Thema 61/19 auftaucht, liegt die Wurzel dafür im Siegener Workshop, Samstag, 16:00 Uhr.
Zwei persönliche Random-Anmerkungen noch:
Andreas ist wirklich beeindruckend. Ich meine: er war schon beeindruckend, als er damals in Berlin das erste Mal aufgekreuzt ist. Aber er ist der einzige in dieser Preisklasse, der nach wie vor kontinuierlich an der Gitarre weiterarbeitet und immer neues mitbringt (das man sich in der Eile aber leider nicht immer abschauen kann...).
Helge ist für die ganze Veranstaltung eine Wohltat. Ein Youngster, der sich zu einem festen Bestandteil der Sessions und des Forums entwickelt.
Seien wir ehrlich, und das zum Abschluss: Davon könnten wir ein bisschen mehr gebrauchen. Die letzte Siegener Session (die zehnte) war meine erste gewesen. Ich war damals, wie man auf den Photos gut beobachten kann, fünf Jahre jünger**, und mit mir waren Michl und noch ein paar andere relativ frisch dabei. Ich weiß noch genau, wie wir uns alle damals gegenseitig bestaunt haben. Das ist jetzt nicht mehr so. Aber man soll nicht undankbar sein: Besser ein Veteranen- als gar kein Treffen!
Viele Grüße - nach der Session ist vor der Session,
Michael (Jacuzzi)
*Der andere war, als Waufel ISTS gesungen hat und ich dazu Reggae-Gitarre spielen durfte**Alle anderen waren natürlich auch jünger, das kann man ja auf den Photos quer über alle Sessions nachverfolgen. Nur nicht bei Tom(2), der sah früher genau so aus wie heute, aber der kommt wahrscheinlich auch vom Mars oder sowas...