(Amps) Die Röhre und ich - ein Erfahrungsbericht
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Beitrag von Matthias vom Januar 24. 2004 um 16:24:35:
Liebe Gemeinde!
Letzte Woche probte ich das erste Mal mit meinem richtigen Equipment bei meiner neuen Band. Stellen wir erst einmal die Beteiligten fest: Diego Stratkopie, MEK TD-2, Reußenzehn Greenie. Viel Klangregelung ist an dem Geraffel nun nicht gerade.
Mein Gitarristenkollege grinste etwas, als ich meinen Greenie in den Probenraum trug und bot mir an, ein Mikro vor den Amp zu stellen, falls ich lautstärkemäßig nicht mitkommen sollte. Ich lächelte freundlich zurück und gab ihm zu verstehen, dass dies wohl nicht nötig sein sollte. So war es dann auch, es gab aber leider statt dessen ganz andere Schwierigkeiten. Mein Sound setzte sich zu gut durch. Der Ton war mir zu beinhart und brutal im Gesicht.
Für die Probe ging das alles, ich war aber absolut unzufrieden. Da ich den Amp nur mit Kabel und verschiedenen Gitarren probiert hatte und keinen anständigen cleanen Sound rausbekam, war eigentlich klar, dass das Problem beim Amp liegen musste. Mein erster Gedanke war, sofort mindestens Gitarre, Effekt und Verstärker auszutauschen und vielleicht einen anderen Gitarristen zu engagieren. Nur mit Mühe gelang es Jochen, mich vom sofortigen Kauf diverser Spielereien abzuhalten. Erst seine knochentrockene Frage Kaufst du etwa ein neues Auto, wenn dein Fahrrad einen Platten hat? brachte mich wieder einigermaßen zur Vernunft.
Kurz und gut entschloß ich mich, die Röhren zu wechseln. Neben Telefonaten mit Jochen, Friedlieb, Thomas Reussenzehn und bO²gie begann ein reger Mailwechsel mir ferdi und ich bestellte mir schließlich Röhren (übrigens bei btb, das lief ganz problemlos).
Als Vorstufenröhren orderte ich mir ecc 83 von JJ und EH in Gold (waren schließlich die teuersten, muss ja gut sein!) und als Endstufenröhren vier gleiche EL 34 von JJ. Vorgestern kam das Paket, gestern holte ich den Amp aus dem Probenraum heim und wuchtete ihn in den Keller. Beim Betrachten meines Combos stellte ich fest, dass ich an die Röhren so nicht rankommen würde. Der gesamte Verstärker ist mit ein paar Schrauben an das Gehäuse befestigt. Akkuschrauber her und schon stand der Verstärker in seiner ganzen Herrlichkeit vor mir. Aber Moment mal, was ist das? Zwei ecc 83 Vorstufenröhren, eine EL 34 und drei dickere, kürzere. Hatte Reussenzehn nicht auch irgendwas von 5881 erzählt? Vorsichtig eine der dicken, kurzen Endstufenröhre rausziehen, die EL 34 auch, beide mal tauschen passt rein. Okay, wieder zurück, alles einen Tag stehen lassen. Übrigens war die EL 34 von Electro Harmonix, alle anderen Röhren waren unbeschriftet.
Unser Archiv gibt eine Menge zu Röhren her und wenn ich alles richtig verstanden habe, kann man 5881 Röhren gegen EL 34 austauschen (Falls das Unsinn ist, lasst es mich bitte wissen). Mit diesem angelesenen Halbwissen und ein paar Tipps von ferdi marschierte ich also heute in den Keller.
Nochmal spielen, Knöppe an Amp und Effekt drehen. Mein Gitarristenkollege war so nett, mir seine Epiphone Paula mitzugeben, die ich neben meiner Strat dann einsetzen konnte. Der Sound blieb unbefriedigend. Die alten Vorstufenröhren raus, zwei JJ eingesetzt. Der Soundunterschied war deutlich zu hören. Die grellen Mitten waren weg, der Sound war weicher und angenehmer. Auch verzerrt deutlich sahniger. Schön, sehr viel besser als vorher, brauchbarer und guter Sound. Jetzt die JJ raus und die EH rein. Wow, geil. Untenrum wumms, die Mitten glasig und durchsichtig, die Höhen brillant ohne zu ätzen. Etwas Richtung Fender-clean. Zerre an, der Marshall-Charakter kommt wieder durch. Bei Bedarf aggressiv oder zivilisiert. Natürlich kam ich auch ferdis Rat nach und probierte mal eine EH vorne und eine JJ hinten und umgedreht. Beides ohne umwerfende Resultate. Noch einmal die JJ als Duett war wieder schön aber unspektakulär - die EH hinterher, das Grinsen wieder im Gesicht und die EH blieben drin.
So, nun zu den Endstufenröhren. Nochmal spielen, hören, Amp aus, alte Röhren raus, neue Röhren rein, vorglühen lassen, aufdrehen, spielen. Jetzt musste ich meinen Unterkiefer wieder mühsam hochwuchten. Es klingt jetzt erwachsener, müheloser, nach mehr Leistungsreserven, voller satter. Voller Zufriedenheit habe ich den Amp wieder zusammengeschraubt.
Vielen, vielen Dank an Jochen, ferdi, Friedlieb und bO²gie für die Unterstützung, ohne euch hätte ich das nicht hinbekommen!
Gruß
Matthias
P.S. Ähm, ist das jetzt wirklich okay, die komischen dicken, kleinen Endstufenröhren gegen die EL34 zu tauschen?
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