Re: (Technik) Musik und Sport
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Beitrag von ferdi vom Januar 03. 2004 um 19:40:21:
Als Antwort zu: Re: (Technik) Musik und Sport geschrieben von Ölfuss am Januar 03. 2004 um 18:55:26:
Hi,
Matthias: Was wir mit unseren Fingern und Händen da an Saiten und Griffbrett betreiben ist doch quasi Gymnastik, Kraftakte verbunden mit Fingerakrobatik und schnellen Bewegungen. Kurz gesagt: Sport. Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Genauigkeit sind dabei ja die Schlüsselbegriffe.
Du: Meiner Meinung nach ist das der Weg zum "technischen" Gitarristen. Zwar durch den Hintereingang, aber das Ziel ist dasselbe. Was Du da ansprichst, ist das "Handwerkszeug", die "Fingerfertigkeit", all das, was vor allem jene Gitarristen so fleißig üben, die unbedingt schneller sein wollen. Stichwort Steve Vai. [...] wenn man sich diesen Torturen wirklich unterzieht, kommt man dann automatisch an einen Punkt, wo man nur noch so ein Zeugs spielen will wie Steve Vai?
Ich finde nein... es kommt doch einzig und allein darauf an, WAS man übt. Wenn ich jetzt Skalen rauf und runter spielen übte, am besten noch Modes, dann käme ich wohl mit Glück davon, wenn ich nicht wie Vai sondern wie AlDiMeola spiele. WEnn ich aber konzentriert das übe, was ichj brauche / was mit schwer fällt, dann ist das mMn jedem Stil zuträglich.
Ich spiele zB den abgehalfterten Spätsechzigerundoftundimmerwiederaufgewärmten Bluesrock-Stiefel. Ohne ordentliches Vibrato bei gezogenen Tönen geht das nicht - also muss man das üben, und zwar, bis es klappt. Neben Feeling gehört auch viel Kraft und Hornhaut dazu - Fingerkraft kann man aber auch separat üben. Oder besser: wenn man schon die Zeit nicht hat, MIT Instrument zu üben, dann wenigstens ohne.
Ein ähnliches Thema: der ganze theoretische Unterbau. Das ist ja auch so eine Art "Handwerkszeug". Braucht man das? Kann es schaden?
Ich finde, es ist nützlich, wenn man genug versteht, um nachzuvollziehen, WARUM etwas gut klingt, zB ein bestimmter Ton in einem oder über einem Akkord. Der Ton klingt nicht besser, wenn ich weiß, dass er zB eine None ist, aber nur wenn ich das weiß, kann ich auch anderen Akkorden dieselbe Klangfarbe verleihen oder das ganze in verschiedenen Lagen spielen.
Ich gebe allerdings unumwunden zu, dass ich die allerallerallermeiste Musik, die "geschwindigkeitsmäßig", "geschicklichkeitsmäßig" und "harmonietechnisch" besonders anspruchsvoll ist, absolut langweilig und zum Weglaufen finde. Ich habe zB Abi vR.'s Kolumne immer sehr gemocht und finde ihn grundsympathisch. Ich habe mir letztens auf seiner HP die mp3s zu seiner Platte "King of Hearts" angehört und fand ausnahmslos jeden Song elend langweilig, und vor allem: immer dasselbe, dudelrauf, dudelrunter, ach was singt die Gitarre schön, hei, welch Sustain, es singt, es tirilliert, es schmust... egal, nix dagegen, Geschmacksache, aber man hört schon deutlich, dass er an so einem Gitarrendingenskirchen-Institut gewesen ist.
Ich finde, die gute alte Mollpentatonik, die man ja nach Belieben mit Dur, Moll oder Gewalt erweitern kann, rult. Auch Geschmacksache. Es gibt genug, die genau das total scheiße finden, und da hab' ich nix dagegen.
Viele Grüße, ferdi
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