(Privat) Aus der Not eine Tugend basteln.


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Beitrag von Florian vom August 11. 2003 um 19:27:08:

Hallo die Damen und Herren Aussensaiter.

Nachdem ich den heutigen Tag (der für mich ohnehin erst um 14h rum begonnen hat, Ferien sei Dank) zu einem beinahe erschreckenden Teil damit verbracht habe mich durch die gesammelten Aussensaiter-Archiv-Perlen seit 1999 zu schmökern, die Gitarre dabei übenderweise strapazierend, hier ein kleiner Beitrag meinerseits.

Ein wenig demütigend ist es ja schon. Da habe ich in kurzer Folge 2 Threads losgeschossen, die sich einzig und allein um die Frage nach der korrekten Gearauswahl drehten. Ganz schön die Pferde scheu gemacht, trotz der damalig noch moderaten Temperaturen den ein oder anderen in's Schwitzen gebracht bei dem Versuch den verg.a.s.ten Jung-Gitarristen auf den Pfad der Rationalität zurückzuholen. Getreten und gestrampelt und letztendlich doch eingesehn und artig für nötige Kopfwaschungen bedankt.

Was ist daran jetzt demütigend? Nun, man hätte sich durchaus wundern können warum nach all dem Geseiere nicht mal ne Meldung kahm. Viel zu Peinlich. Hat sich doch die Finanzierung meiner Gear-Pläne während ich noch am hadern und überlegen war geflissentlich in Luft aufgelöst. Schon immer wieder spaßig zu sehn, wie Dinge die als gegeben erscheinen sich dann doch als Luftschloss entpuppen können.

Hinzu, das am Rande, kahm neben der veränderten Situation von "Kann mir High-End-Amplification leisten" zu "Also nächsten Monat müssten eigentlich auch wieder neue Saiten drin sein" - ein reichlich gebrochenes Herz und ein im Aufkeimen begriffen zertrampeltes Urvertrauen in die Menschen insgesamt. Never trust anyone oder so?

Wie macht man aus sowas nun eine Tugend?
Tja, ich praktiziere es derzeit so: Statt mir den Kopf über Amps und Gitarrenmarken zu zerbrechen und meine Zeit größtenteils damit zu verbringen mich mit mehr oder minder aussagekräftigen Testberichten etc. einzudecken, hab ich wieder angefangen Gitarre zu spielen. Ich meine so richtig. Erwähnte ich daß ich während ich das schreibe die Klampfe auf den Knien hab, ihr ne kurze Pause gönne um hier zu tipseln?

Nachdem eben zangsläufig der "neue Ton durch neuen Kram" in den Hintergrund getreten ist, hab ich angefangen wieder meiner alten, aus der Not geborenen Maxime "Ich lern es so, daß es auf meinem Scheißkram trotzdem rockt, dann wirds auf gutem Equipment RICHTIG rocken" zu folgen. So übe ich mich wieder stundenlang in Spieltechnik, suche im Rahmen von Improvisation mit und ohne Backingtracks mein Phrasing zu verbessern, wage mich in immer neue rythmische Gefilde vor.

Ich fange langsam an auch mit der rechten Hand (bzw dem stück plastik daß in den möglichst gleichmäßig locker gekrümmten Fingern ruht) nicht einfach nur irgendwie die Saiten zu treffen, sondern damit den Ton gezielt und kontrolliert zu beeinflussen.

Und so laangsam fängt das an, daß es - trotz meines dummerweise immer noch sehr brüllwürfligen Johnson-25R-Amps mit Schepper-Bonus, der Gitarre die dringend mal eingestellt werden müsste, die aber auch dann noch reichlich durchgenudelt wär - manchmal diese Momente gibt, in denen es auch für mich... so richtig passt, diese Harmonie zwischen dem was ich in mir habe(höre/fühle) und dem was ich auf's (Griff-)Brett bringe.

Naja, die Moral von der Geschicht - vertrau in versprochenen Reichtuhm nicht. Ähm... ja, auch, aber vielleicht auch: Selbst die erzwungene Abkehr vom Gear-Wahn mit dem Resultat eines intensiveren Bemühens um den Ton der aus den Fingern kommt ist ne ziemlich gute Sache. Glaub ich. Aber wem sag ich das hier...?

verschwitzte Grüsse
Florian


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