Re: Plagiat oder Laientheater...
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Beitrag von Michael vom August 09. 2002 um 21:36:46:
Als Antwort zu: Re: Plagiat oder Laientheater... geschrieben von bO²gie am August 09. 2002 um 15:44:56:
Hallo,
interessantes Thema !!!
Wie definieren wir Cover denn eigentlich ? Nachspielen, Interpretieren oder wie ?
Die Frage ist doch, was macht den jeweiligen Song denn "cover-würdig" (lassen wir jetzt mal Chart-Positionierungen aussen vor):
ist es a) irgendein geniales Gitarrenriff (denken wir mal an "Satisfaction") oder ist es b) die geniale Melodie und damit auch die Harmonien (z.B. "Yesterday") ? oder ist es c) dieses ich-weiss-nicht-was, das z.B. John Hiatt zum meistinterpretiertesten Songwriter der letzten 20 Jahre macht. Ist es die Stimmung, die dieses Songs transportieren ? Die Harmonien einfach bis simpel, aber trotzdem juckt es dich in den Fingern, diese Dinger zu spielen.
Ich habe diese bei a) und b) diese alten Heuler nicht deshalb als Beispiel genannt, weil ich nun der Altsack bin, der Anfang der 70er aufhörte Musik zu hören, sondern weil die beiden Dinger die wahrscheinlich am meisten gecoverten Stücke der Rockgeschichte (am Lagerfeuer, auf der Bühne, bei "Yesterday" mit Big Band - Duke Ellington hat davon mal eine irre Version abgeliefert - u.s.w.) sind. Beide unterscheiden sich aber fundamental: während es möglich ist, "Yesterday" total neu harmonisiert, mit Solis aber auch sowas von über die Dörfer (ich habe das Ding mal in einer Version von John Abercrombie gehört, bei der Erinnerung daran klappen jetzt noch meine Fussnägel hoch) zu interpretieren, wobei aber - uns das ist das geniale an diesen Harmonien - man immer noch das Original raushört, hat man bei "Satisfaction" überhaupt keine Wahl: das Riff muss gespielt werden, sonst ist es Essig mit dem Song. Bei c) ist es das Problem, diese "Stimmung" zu transportieren.
Ich glaube, das es vor allem wichtig ist, zunächst mal festzustellen, wo bei dem Song der Hase im Pfeffer liegt: ist's die Melodie, die Harmonien/Voicings, der Rüttmuss, die Riffs, können manchmal auch schlicht ein paar Basstöne sein !! und wenn das klar ist, dann kann man mal unvoreingenommen an die Kiste rangehen und mit alle Möglichkeiten ein wenig spielen. Original nachspielen geht eigentlich kaum (da fehlt's schlicht am technischen Können des Personals - der Autor dieser Zeilen schliesst sich da selbst mit ein - und sehr oft am Equipment), also funktioniert's nur so: rausfiltern was das Original ausmacht und dann gucken, was man mit den eigenen Möglichkeiten daraus machen kann. Und vor allen Dingen dann auch vergessen, welche Band etc. das Teil auch schon gespielt haben, interessiert in diesem Moment überhaupt nicht: also nicht mit aller Macht das geile Lick von XY mit reinbauen, das man von 10 Versuchen nur 1,5 Mal unfallfrei übers Griffbrett bringt. Wenn es überzeugend rüberkommt (zunächst mal unabhängig vom spieltechnischen Level) und die Stärken des Songs transportiert, dann funktioniert es auch. Ein guter Song - und das ist es schliesslich, was ihn ausmacht - klingt eigentlich immer gut. Natürlich gibt es auch die Art von Songs, die ausschliesslich nur sehr nahe der Originalversion funktionieren und dann wird's oft arg peinlich (da kommt das Personalproblem heftig zum Tragen). a) ist so ein Ding: Meine Güte, was habe ich da schon für Gurkenversionen von gehört... Von den Dingern sollte man (Ausnahmen bestätigen da natürlich die Regel) die Finger lassen oder im stillen Kämmerchen vor sich hin dudeln, lehrreich ist's allemal.
Gruss Michael
Apropos "Willin'" : Chris Jones/Steve Baker spielen auf der CD "Everybody's Cryin' mercy" eine wunderschöne Version von diesem Stück !
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