Re: (Philosophie) Seid ihr als Musiker glücklich? Zufrieden?


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Beitrag von Der Felix vom Juni 13. 2022 um 09:16:48:

Als Antwort zu: Re: (Philosophie) Seid ihr als Musiker glücklich? Zufrieden? geschrieben von ferdi am Juni 12. 2022 um 11:37:45:

Moin,

: Aber wir "sind" sie nicht. Sie "sind" nicht wir.

genau, aber...

: Wir haben Gefühle, ja. Manche gut, manche mittel, manche gar nicht gut.

...nein. Das ist für mich der Schlüssel. Gefühle sind nicht gut oder mittel oder schlecht. Gefühle (Emotionen) sind auch einfach nur. Sie sind. Wir müssen sie nicht bewerten. Das ähnelt dem Unterschied zwischen Schmerz und Leid oder Alleinsein und Einsamkeit.

Aber da erzähle ich doch nichts Neues, oder? Naja, wenn wir schon dabei sind, führe ich das vorsichtshalber aus:

Trauer ist einfach nur. Trauer ist dann schmerzhaft, wenn wir uns dagegen wehren (weil wir konditioniert sind, Trauer als etwas Negatives zu betrachten). Wenn wir vor der Emotion weglaufen wollen, sie vermeiden. Man kann die Emotion aber auch einfach akzeptieren, sich darauf konzentrieren, sie sich mal ordentlich durch den Kopf gehen lassen sozusagen, so wie man einen edlen* Rotwein über die Zunge gleiten lässt. Und dann ist die Nummer in wenigen Momenten vorbei (akut und chemisch bedingte Zustände im Gehirn mal ausgenommen).** Immernoch traurig, aber keine Last mehr. In meiner Erfahrung kann Trauer dann sogar eine schöne Emotion sein. Ohne Trauer würde ich nicht leben wollen. Nicht nur zur Erhöhung des Kontrastumfangs (kein gesunder Mensch ist immer nur glücklich), sondern auch weil Trauer mir zeigen kann, was mir wichtig ist.

Ein anderes Thema: Ich hatte im Eingangspost übrigens gezielt nicht "glücklich und zufrieden" geschrieben, sondern die Begriffe getrennt. Denn wenn man es richtigherum dreht, kann sogar jemand, der zufrieden ist, gar nicht glücklich sein. Wenn ich mich nicht irre, war das Argument: Glück ist das Streben zum Ziel, die Arbeit auf das Ziel hin. Wer zufrieden ist, befindet sich bereits am Ziel und strebt nicht mehr.

Aber dann war da ja auch Seneca, der Ambitionen als ein der drei Quellen endloser Miesepetrigkeit identifiziert hat und dann funktioniert letzeres Argument auch nicht mehr.

Trotzdem bin ich recht sicher, dass wir dieses Rätsel schon vor über 2000 Jahren gelöst haben und es aber einfach nicht fassen können.

Alles Gute
Felix

* es gibt natürlicht gar keinen edlen Rotwein. Es gibt nur verschiedene Rotweine. Wir wollen ja konsequent bleiben.

** ich stelle mir das vor, wie wenn man am Atlantikstrand mindestens hüfthoch im Wasser steht und da kommt so eine geile Welle auf einen zu. Man kann sich dagegen stemmen (sich wehren) und wird die volle Kraft abbekommen oder wird mitgespült und macht die Waschmaschine mit, weiß nicht mehr, wo oben und unten ist. Oder man taucht vorwärts durch die Welle hindurch. Ist kalt und nass und kann auch gewaltig aufwühlen. Ist aber auch schnell vorbei.***

*** Die dritte Möglichkeit ist, dass man seinen Körper als Surfbrett benutzt und auf der Welle mitgleitet und das kann total super funktionieren und macht einen Mordsspaß, passt aber gerade gar nicht in mein Bild mit den Emotionen. Oder doch? Vielleicht ist das, wenn man die Emotion nutzt, um sie produktiv zu nutzen? Einen Song schreiben?




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