Liebe Gemeinde!
Grundsätzlich bin ich mit meinem Equipment für die Verstärkung der akustischen Gitarre ja zufrieden. Ein Tonabnehmer unter dem Steg, ein nicht regelbarer Vorverstärker in der Gitarre, drei BOSS-Geräte und eine D.I.-Box fest verkabelt auf einem Brett. Alles was ich brauche, ist ein Tuner mit Stummschaltung, ein trockener Sound und ein Sound mit etwas Hall, die beiden Sounds in zwei verschiedenen Lautstärken. So weit, so gut. Mit der Modellingtechnik von akustischen Instrumenten ist zurzeit eine recht neue Technik auf den Markt. Da ich ja meine Gitarren weiter spielen und in diese Instrumente nichts Neues einbauen will, kommen für mich nur Bodengeräte in Betracht, um mich mit dieser Technik auseinander zu setzen. Vielleicht wird ja alles besser mit Modelling, man weiß es nicht. In meiner näheren Umgebung gibt es kein Fachgeschäft mehr, in dem ich mir einen intensiven Überblick über die von mir gesuchten Geräte verschaffen könnte. Also habe ich die Möglichkeiten des WWW genutzt und mir erst einmal über die Websites der Hersteller Informationen besorgt, so weit das möglich war. Anschließend suchte ich mir einen Online-Händler und bestellte mir für knappe 150 Öre das Korg Toneworks AX 10 A, das Wissen um die Rückgabemöglichkeit im Kopf.
Das Korg kommt ohne Batterien und Netzteil. Wenigstens passt das Netzteil meiner BOSS-Geräte. Schnell Gitarre, Klinkenkabel, Korg, Klinkenkabel, AER-Monitor verkabelt und für die ersten Eindrücke durch die Presets gesteppt. Es reichte für das erste Hören von grandios über brauchbar zu unsinnig mit den Umwegen über spaßig und strange. Diesen Test musste ich aus Termingründen nach einer Viertelstunde beenden und war positiv überrascht.
Zwei Tage später kam der intensive Test. Das Korg ist kleiner als ein DIN-A-4-Blatt und quasi vollständig aus Plastik, also leicht (positiv) aber nicht sehr robust (negativ). In der "Bedirnungsanleitung" (die heißt wirklich so) wird darauf hingewiesen, Erschütterungen, Staub, Sonnenlicht, Feuchtigkeit etc. zu meiden. Also auf keinen Fall auf einen Kneipenboden stellen? Einen XLR-Anschluß gibt es leider nicht, der Plan, die D.I.-Box zu sparen, ist also schon mal gescheitert. Ein besonders langes Gesicht zog ich, als ich feststellen musste, dass der eingebaute Tuner unbrauchbar ist. Drei LEDs (zu hoch, Ton stimmt, zu niedrig) reichen einfach nicht aus.
Aber da waren ja noch die teilweise grandiosen Sounds, die ich in Erinnerung hatte. Als ich mir die noch einmal näher anhörte, war ich sehr schnell ernüchtert. Bei den modellierten "großen" Gitarren dominieren Bässe und Höhen. Auf den tiefen und hohen Saiten ist das beeindruckend - die d- und die g-Saite sind aber akustisch einfach weg. Wer nur bei Pfadfinderakkorden in der ersten Lage immer alle sechs Saiten durchschrubbt, wird damit klanglich klarkommen. Der Eingriff per EQ hilft nicht viel weiter. Nun gibt es die Möglichkeit, den unmodellierten Tonabnehmersound dazu zu mischen. Die Bässe und Höhen werden weniger beeindruckend, dafür kommen die Mitten zurück. Als ich das probierte, merkte ich, was mich die ganze Zeit schon unbewusst gestört hatte: Latenz und zwar gar nicht wenig. Die zwei "Attacks" (Tonabnehmer und Modell) waren definitiv spürbar und wenigstens für mich als Spieler sogar zu hören. Hier war mein Test an sich schon beendet, das kommt nicht mal für Pfadfinderakkorde in Frage. Den Rest also nur noch der Vollständigkeit halber.
Die modellierten "kleinen" Gitarren sind mittenlastig und dünn. Die modellierte Konzertgitarre ist nicht als solche zu erkennen und höchstens als exotischer und unnatürlicher Klang brauchbar. Die modellierte Dobro ist lustig: Es schnarrt, dann ein metallischer Hall und dann kommt der Ton. Mit einem Slide kommen die entsprechenden Geräusche sehr authentisch über die Box, nur die eigentlichen Töne fehlen nahezu. Hier ist die Latenz wohl gewollt (und bei einer echten Dobro gibt´s die ja auch) aber in time spielen ist quasi unmöglich. Es ist wie gesagt lustig, dieses Modelling zum normalen Tonabnehmersound zu mischen, das klingt nach allem, aber nicht nach akustischer Gitarre. Nur der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass die Effektabteilung ist nichts Besonderes bietet und zum größten Teil funktioniert. Ein Nanoverb von Alesis klingt deutlich besser.
Fazit: Die Modelling-Sektion des AX 10 A ist quasi unbrauchbar. Als Effektgerät macht das Gerät zwar nichts falsch, dafür gibt es aber für den Preis bessere Geräte. Das AX 10 A nur als Preamp einzusetzen, erscheint mir auch wenig sinnvoll. Ab in die Kiste, retour.
Der nächste Kandidat wird der AG-Stomp von Yamaha sein. Ich berichte weiter.
Alles nur meine Meinung ohne Gewähr.
Gruß
Matthias
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- (Meinung) Korg Toneworks AX 10 A - gestartet von Matthias 14. September 2004 um 19:24h
- Re: (Meinung) Korg Toneworks AX 10 A
- von
littlewing
am 15. September 2004 um 14:11
- Re: (Meinung) Korg Toneworks AX 10 A
- von
littlewing
am 15. September 2004 um 14:11
hi micha,
geiles review, ich dachte mir als erstes 'naja, fuer jemanden in na elektroband duerfte es ja noch interessant sein' aber das latenzproblem laesst das ax dann noch hoechstens als fussabtreter nuetzlich werden,
das dingens von yamaha wirste uebrigens nur noch vereinzelt oder gebraucht bekommen, da die magic stomp die drei vorgaenger abgeloest hat, waer schoen, wenn du hier auch ein paar worte ueber die ag-stomp hier laesst, spiele selber (derzeit nur fuer aufnahmen) die dg-stomp und bin recht zufrieden,
nun,
gruss und weiter so :),
dennis
geiles review, ich dachte mir als erstes 'naja, fuer jemanden in na elektroband duerfte es ja noch interessant sein' aber das latenzproblem laesst das ax dann noch hoechstens als fussabtreter nuetzlich werden,
das dingens von yamaha wirste uebrigens nur noch vereinzelt oder gebraucht bekommen, da die magic stomp die drei vorgaenger abgeloest hat, waer schoen, wenn du hier auch ein paar worte ueber die ag-stomp hier laesst, spiele selber (derzeit nur fuer aufnahmen) die dg-stomp und bin recht zufrieden,
nun,
gruss und weiter so :),
dennis