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(Meinung) ein Statement aus den Mitternachtsspitzen

Tachchen,

ich wollte noch was zum Thema "unpolitisches Forum" loswerden: ich mag keine Auflistung, wer nun alles aus dem Kreis der aussensaiter gegen den Krieg im Irak ist und dennoch sehe ich uns eben nicht als unpolitisch.

Imho haben wir relativ wenig Möglichkeiten, eigentlich bleiben nur 2 übrig:

1. zur Wahl gehen und eine gültige Stimme abgeben
2. gewaltfrei protestieren

zu 1: da haben wir grad nochmal Glück gehabt, denn wäre die CDU die Partei, die die Regierung stellte, dann wären wir wohl mit von der Partie

zu 2: da macht imho der Gang auf die Straße mehr aus, als das Meinungsbekunden in einem eher musikerspezifischem Forum

Ich weiß nicht, ob jemand die letze Sendung der Mitternachtsspitzen im WDR-Fernsehen gesehen hat. Das Thema der letzten Sendung war Kabarettisten und der Krieg.

Die Mitternachtsspitzen sind imho eine der besten Kabaretsendungen, die bei uns im Fernsehen laufen. Kein Wunder, den Scheibenwischer wird es ja wohl bald nicht mehr geben, dann ist die Auswahl eh nicht mehr groß. :-(

Jürgen Beckers Einleitung zum Thema war schon meiner Meinung nach sehr gut, aber Wilfried Schmicklers Schlußwort möchte ich Euch nicht vorenthalten.

Ich kopiere es gleich unten rein, es steht auch auf der oben verlinkten Webseite. Ich weiß nicht, ob die Sendung noch in einem der anderen dritten Programme wiederholt wird, falls doch, lohnt es sich imho aber.

Gruß

Jochen

Aufhören, Herr Becker aufhören!

Sagen sie mal, kommen sie sich da nicht selber ein bisschen sehr deplaziert vor? Die ganze Welt steht völlig hilflos vor einer der größten humanitären Katastrophen der letzten Jahre und wir hier in unserem Kabarett-Bunker machen Quatsch-Comdey-Business as usual. Die Oma aller Witze gegen die Mutter aller Bomben?

Erinnert sich noch irgendjemand an den 11.September 2001. Als ein paar durchgeknallte Fanatiker mit ihrem Horror-Attentat dafür sorgten, dass die Menschen in aller Welt tage- ja wochenlang wie gelähmt waren vor Entsetzen über die Grausamkeit dieser Massenmörder? Als die globale Trauer über die mehr als 3000 unschuldigen Opfer dieser Wahnsinnstat der schier grenzenlosen Genusssucht der Amusier- und Spaßgesellschaft zumindest für eine kurze Zeit den Nachschub abdrehte. Als die Fernsehverantwortlichen ihre Programme vorrübergehend säuberten von allen himmelschreienden Geschmacklosigkeiten, als die Dudelfunkanstalten das Gedudel einstellten zugunsten einer abgrundtief traurigen Betroffenheitsrhetorik, als selbst die abgeschmackteste Boulevard-Schmiere die Silikontitten von der Titelseite verbannte und sich stattdessen wochenlang mit Trauerrand präsentierte?

Und heute? In der Bildzeitung will Deutschlands Grand Prix Hoffnung Lou die Russen-Lesben schlagen, Yvonne Wussow schmilzt im Leopardenröckchen auf der Parkbank und auf Seite eins dehnt die geile Editha die obere Brustmuskulatur. Und von einer historischen Pleite ist übrigens auch die Rede. Und warum? Weil Deutschland keine Mannschaft mehr in der Champions-League hat.

Als ich heute Nachmittag versucht habe, mich im Fernsehen über den Stand der Dinge im Irak zu informieren, wissen sie was ich da erfahren habe? Dass sich Sula bei Arabella für Dominik und gegen Rikardo entschieden hat. Dass für die deutsche Biathlon-Staffel die Strafrunde zum Hauptquartier wird Und dass Konrad bei Kallwas die Ohren auf Durchzug gestellt hat. Es gibt Tage, da möchte man den privaten Dreckfunkanstalten hierzulande am liebsten einfach nur den Saft abdrehen.

Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen einem vom Fanatismus geblendeten Wahnsinnigen, der ein Hochhaus in Schutt und Asche legt und einem bis unter die Schädeldecke mit Aufputschmitteln vollgeknallten Tarnkappenbomber-Piloten, der bei einem einzigen Einsatz 20 Tonnen Bomben über Bagdad abwirft? Ich kann es ihnen sagen: der Bomberpilot fliegt wieder zurück zu seinem Stützpunkt und holt Nachschub.

Wie titelt die Bild-Zeitung vom Dienstag: 3000 Bomben regnen auf Bagdad. Jetzt mal ganz davon abgesehen, dass die nicht regnen, sondern abgeworfen werden, weiß die Bildzeitung natürlich genau, was dann passiert: "Das Inferno in Bagdad beginnt. Ununterbrochene Explosionen, Panik, riesige Staubwolken!" Das einzige, was fehlt sind die unschuldigen Opfer. Aber erstens gibt es die in Bagdad ja gar nicht, weil - wie der Kollege Pachel schon ausgeführt hat - im Irak nur potentielle Massenvernichtungs- waffen-Verstecker leben, die Anthrax-Sporen im Kühlschrank, das Chemielabor im Kinderzimmer und die Raketenabschussbasis im Keller und zweitens wissen wir spätestens seit dem Kossovo-Krieg, dass die Amerikaner ja nur noch hyperintelligente Bomben einsetzen.

Das ist ja quasi Hirnmasse pur, was da in Bagdad detoniert. Wie zum Beispiel die neue hyper-intelligente "Superbombe" , die mit ihren hyper-intelligenten 8200 Kilo Sprengstoff eine Fläche von mehreren Fussballfeldern verwüstet, und wenn im Krieg einer Fussball spielt ist er's selber Schuld. Dieses Bombe ist so schlau, die ist fast so schlau wie der amerikanische Präsident. Und die hat - genau wie ihre Vorgängerin die Daisy Cutter die Gänseblümchen-Mäherin - auch einen Spitznamen und zwar "Mother of all bombs" - die Mutter aller Bomben. Buääh, wie krank und pervers muss ein Hirn eigentlich sein, das sich so etwas ausdenkt! Und wie krank und pervers muss ein Mann wie Donald Rumsfeld sein, der die Wirkung dieser entsetzlichen Mutter aller konventionellen Massenvernichtungs- Waffen vor allem im psychologischen Bereich sieht. So nach der Art, wenn der Iraker sieht, wie wir mit einer einzigen Bombe einen ganzen Stadtteil in Schutt und Asche legen, dann scheißt der sich vor Angst in die Hosen und läuft freiwillig über.

Es sei denn, er war mittendrin in dem Stadtteil, dann hat sich das Problem sowieso erledigt. Aber von all dem werden wir hier in Deutschland genauso wenig mitbekommen wie der Rest der Welt. Dafür sorgen genau wie im ersten Irak-Krieg die Zensurbehörden der amerikanischen Freiheitskrieger. Wie das jetzt wieder zusammenpasst? Zensur und Freiheit? Na genauso wie Rechtsstaat und Todesstrafe, wie Human Rights und Rassendiskriminierung, wie Genfer Konvention und systematische Folter, wie Völkerrecht und Angriffskrieg, wie Demokratie und Bush-Administration! Ach übrigens hat dieser drittklassige Präsidenten-Darsteller in einer seiner Presse-Verscheißerungs-Konferenzen die internationale Auseinandersetzung um den Irak-Krieg mit einem Poker-Spiel verglichen.

Was er vergessen hat zu sagen, war, dass die Amerikaner seit Monaten ausschließlich mit gezinkten Karten spielen und außerdem die einzigen sind, die einen Revolver unterm Tisch haben. Und genau deshalb tut mir einen Gefallen. Was auch immer in den nächsten Tagen und Wochen von den Massenvernichtern in Washington und London an offiziellen Erklärungen, strategischen Erläuterungen und amtlichen Lage-Einschätzungen veröffentlicht wird: glaubt ihnen kein Wort!


Re: (Meinung) ein Statement aus den Mitternachtsspitzen

Hi Jochen!

Wilfried Schmickler ist für mein Dafürhalten derjenige, der zu den ätzendsten Themen immer die passendsten Worte mit dem dazu passenden Dampf ablässt. Da kann man kaum noch lachen, sondern fällt eher hintüber. Mich packt bei ihm beinahe die Angst um seine Gesundheit, wenn er sich derart ins Zeug legt. :-)

Gruss
Micha

(Hätte sich unsere Regierung hinter den schlauen* Bush junior gestellt, würde die CDU jetzt zu Friedenstauben mutieren. Jede Wette drauf. Und: Stooge hat Recht. *eg* Nur: die Claqeure aus den eigenen Reihen sind es ebenso. Leider.
*Der Unterschied zwischen Schläue und Klugheit ist, wie ich vermute, ein sehr gewaltiger.
Ach so, sagre ich schon?: Emmanuel Todd lesen! :-) )