Hallo zusammen,
ich muss es mir von der Seele schreiben.
Zur Erklärung: Meine Band hat einen sehr schönen und großen Proberaum,
mit Abstellräumen, Kneipe, einer kleinen Küche, Toilette und natürlich
dem eigentichen Proberaum mit Platz für zwei Bands. Er befindet sich
im Keller einer Speditionsfirma in Worms, unser Vermieter.
Einmal im Jahr schmeissen wir zum Saisonabschluss eine sehr beliebte
Party, 70 Gäste, Musiker und Anhang aller Altersklassen sind normal.
Hier die Chronologie der Ereignisse:
10.03.2006 Freitag: kleiner Auftritt in Bürstadt zum Aufwärmen.
11.03.2006 Samstag: Kurzauftritt bei einem Festival Nähe Heidelberg,
wir bekamen sehr gute Kritiken. Hochstimmung.
13.03.2006 Sonntag: Der Schlagzeuger ruft mich an. Der Proberaum
wurde nach 11 Jahren mit einem Zweizeiler zum 30.06.2006 gekündigt.
15.03.2006 Dienstag: Peter, unser Schlagzeuger, sucht den Inhaber der Spedition auf. Wieso, weshalb, warum? Erklärung: um Heizkosten zu sparen wird eine Pellet-Heizung installiert, da man als Spedition sehr viele Holzabfälle hat. Wir sollten uns aber keine Sorgen machen vielleicht gibt es eine Alternative. Er hätte jetzt aber keine Zeit, Vertagung auf nächste Woche.
22.03.2006 Mittwoch: Peter beim Inhaber; Wer bist Du denn? Ach der. Wir sollten das mit der Kündigung nicht zu ernst nehmen vielleicht lassen wir das mit der Pellet-Heizung und machen Solarzellen auf das Dach. Macht euch keine Sorgen. Schriftlich? Wieso?
03.04.2006 Montag: Unser Sänger und Akustikgitarrist Dominic erhält für seine Privatwohnung die Kündigung. Nachdem er drei Jahre mit seiner Frau dort wohnte und alles ausbaute.
06.04.2006 Donn.: Anruf von Peter: Wir haben keinen Strom. Die Nachfrage bei den Stadtwerken ergab, dass seit dem 06.06.2005 der Keller einen eigenen Zähler besitzt und seitdem die Rechnung offen ist. Welche Rechnung, unsere Miete ist warm. Nachfrage bei der Spedition: Wir haben umorganisiert und euch wahrscheinlich dabei übersehen. Aber macht euch keine Sorgen.
07.04.2006 Freitag: Wir stehen vor einem Eingang dessen Schloss ausgetauscht wurde. Um 19.30h ist der Inhaber natürlich nicht mehr anzutreffen. Aber einer seiner Hiwis. Völlig sorglos schlendern wir unserem Opfer hinterher, als er versucht sich in seinem Büro in Sicherheit zu bringen. Nicht falsch verstehen wir halten nichts von Gewalt. Wir wissen das, unsere Freunde wissen das, aber der Hiwi nicht. Mit einem wölfischen Grinsen fragen wir höflich wieso wir denn nicht in unseren Proberaum können. "Wir haben umorganisiert." Aha. "Nächste Woche könnten wir wieder rein." Macht euch keine Sorgen? "Ja, genau!" Wir machten den Hiwi in aller Höflichkeit darauf aufmerksam, dass wir in den nächsten 10 Minuten in unserem Proberaum sein werden, mit oder ohne Schlüssel. "IrgendwowirddochnocheinSchlüsselwartetmalichhabsgleichahhierister." Es folgte eine Probe bei Kerzenschein mit geborgtem Strom, wir haben natürlich um Erlaubnis gefragt, wir sind ja keine Spedition. Und wir machen uns auch keine Sorgen.
Achtung: Das ist keine fiktive Kurzgeschichte, sondern tatsächlich
ohne Übertreibungen passiert. Gibt es eigentlich Konstantin Weckers
Männergruppe in der Toskana noch? Ich täte mich gerne anschliessen.
Gruss Torsten
Übersicht
- (Sonstiges) Proberaum-Blues - gestartet von Torsten H. 8. April 2006 um 16:53h