der Bericht


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Beitrag von Matthias vom Oktober 06. 2002 um 19:39:01:

Als Antwort zu: (Session) Wolke 7 geschrieben von Friedlieb am Oktober 06. 2002 um 11:14:54:

Liebe Gemeinde!

Hier also mein Bericht.

Donnerstag abend vor der Session Packen. Okay, Gehörschutz, die Trümmer meiner Stratkopie, Ersatzsaiten, Gurt, Plektrendose, dieses Mal keine eigene Akustikgitarre. Freitag morgen alles ins Auto, ab ins Büro.

So ein Bürotag kann lang sein. Ein Bürovormittag auch. Aber ein Vormittag vor einer Session ist lang. Wirklich lang! "Hoffentlich will keiner mehr was von mir", ist mein einziger Gedanke ab 12.00 Uhr mittags. Dreizehn Uhr, Stift fallen lassen, ab zum Auto, Klamotten wechseln, Schlüssel rumdrehen und ab auf die Straße.

13:30 Uhr. Erster Stau auf der Autobahn. Überschlägige Rechnung, dass ich wohl um 18:00 Uhr in Darmstadt ankommen müßte. 14:45 Urh. Freie Fahrt für freie Bürger. Treten wir das Pedal mal richtig durch. Hochrechnungen lassen Eintreffen gegen 17:15 Uhr in Darmstadt erwarten. 16:00 Uhr. Irgendeine Lampe im Cockpit leuchtet auf, ich gehe vom Gas, sie geht wieder aus. Egal... 17:00 Ungefähr der siebte Stau, ich gebe das Rechnen der Ankunftszeit auf.

19:00 Uhr. Ankommen in Darmstadt. Waufel zapft bereits Bier und ist gleichzeitig beim Aufbauen der P.A. und stimmt in einer dritten Ecke seine Gitarre. Irgendwie ist Waufel immer überall und weiß schon vorher, was man entweder braucht oder vielleicht wollen könnte. Das richtige Session-Feeling kommt wieder auf, ich habe das Gefühl, dass ich irgendwie alle Anwesenden seit meiner Sandkastenzeit kenne und wir uns erst gestern das letzte Mal gesehen haben. Und ich bekomme dieses Grinsen einfach nicht vom Gesicht.

Meinen Gitarrenständer, den ich Duisburg habe stehen lassen, hat Jochen freundlicherweise mitgebracht. Jochen und ich überlegen, ob wir nicht noch am Samstag nach Mannheim zum Guitar & Coffee-Shop wollen. Jürgen schaut entsetzt und meint nur "da geh´ich nicht rein!", als hätten wir ihn in einen rechtsradikalen SM-Laden mit minderjähriger Belegschaft mitnehmen wollen. Naja, man nimmt ja auch keine Alkoholiker mit in den Schnapsladen...

Christoph zeigt mir das frisch verlötete Pickguard, dass er auch sofort mit seinem tragbaren Gaslötkolben einbaut. Falls jemand mal eine einwandfreie Lötarbeit sehen möchte, möge er bei meinem nächsten Saitenwechsel mal einen Blick in die Erniecaster werfen...

Jedenfalls klingt die Klampfe absolut überzeugend über Frängies Amp, den er aber einfach nicht gegen einen Satz Saiten tauschen will. In den zwei Tagen spiele ich mehr über diesen Marshall als Frängie selbst. Falk testet meine Strat auch mal an. Hey, ich muß ihm noch was zur Schaltung sagen, denke ich noch, spurte los Richtung Bühne und lege mich kurz vorher mit Schwung auf die Fresse, wobei mein Sturz zum Glück noch dadurch gemildert wird, dass ich mit dem Kinn auf Rodis Pro Junior aufschlage. Aber dem Amp ist nichts passiert!

Ein langsames Eintrudeln von Aussensaitern, es wird dunkler, langsam wird losgemuckt, Bier getrunken, dummes Zeug erzählt, einfach nur gegrinst und wohlgefühlt.

Selbstverständlich spiele ich für Ben auf einer bereit stehenden 12-string Hole Hearted. Wie immer einen Ganzton zu hoch, wodurch wir beide beim Gesang wie Kastraten wirken. Bleibt das einzige Mal am Abend, dass ich eine Akustische in der Hand habe. Jedenfalls eine akustische Gitarre, einmal muß ich im Bistro noch Akustikbass spielen, um mit Carola "Schuld war nur der Bossa Nova" zum Besten zu geben, was immernoch eines meiner Lieblingsstücke für alle Zeiten ist. ;-)

Irgendwann falle ich erschöpft auf mein Feldbett, bei dessen Errichtung ich beinahe zwei Finger verloren hätte. Auch im Schlafraum erscheint einer nach dem anderen, irgendwann verlöscht das Licht und ich denke noch "Gute Nacht, Jim-Bob". Dann schlafe ich aber nicht ein, weil nämlich irgendeiner in der hintersten Ecke lauter schnarcht als der Marshall den ganzen Abend war. Und Billy steht dem nichts nach und schickt eine zweite Schnarchstimme etwa eine kleine Terz höher aber keineswegs leiser dazu. Um den Kanon perfekt zu machen, fängt irgendwas alle dreißig Sekunden für zwanzig Sekunden an zu piepen und irgendwann schlafe ich dann doch ein. Um eine halbe Stunde später aufzuwachen, weil die Nacht vorbei ist. Wer mich in dieser Nacht verprügelt hat, wird immer ein Geheimnis bleiben, jedenfalls fühle ich mich, als hätte ich eine handfeste Auseinandersetzung mit mindestens zwei Schlägertrupps gehabt.

Das Frühstück mit Kaffee, Kaffee und Kaffee ist dann geprägt vom Gegniedel des Herrn Santana, dessen Rumbasambawasauchimmer die mittlerweile zum Training eintreffenden Tänzerinnen und Tänzer etwa fünfhundert Mal laufen lassen. Hinterher kommt für zweihundert Mal etwas Balladiges auf Spanisch, wobei immer wieder "la guitarra" beschwört wird. Zeit für einen Kaffee, mal so zwischendurch.

Nachmittags schaue ich mir an, wie emil versucht, Waufel zu einem Jazzgitarristen umzuerziehen und slide ein wenig den Blues. Das einzige Mal, dass ich an diesem Tag eine Akustische in der Hand haben werde.

Mit falke telefoniert. Große Scheiße. Seit diesem Moment stehe ich so etwas neben mir.

Friedlieb übergibt mir feierlich zwanzig Meter Kabel und überzeugt mich, dass man nicht Raketentechnologie studirt haben muß, um löten zu lernen.

Ein kurzer Test von Tante Kitty, Falks Peavey und Rodis mittelgroßem Amp zeigt mir, dass ich irgendwie überall gleich klinge. Und warum klingt Falk eigentlich besser mit seinen Fingern auf meiner Gitarre? ;-) Und Jochens güldene Tokai hängt mir viel zu tief, das muss der Grund sein, dass er darauf einfach besser spielt als ich. Oder?

Der Rest der Aussensaiter trudelt im Verlauf des Abends ein. Anna trägt ein gelochtes (!) Kasho-Pick (!!) um den Hals und sieht auch aus wie Anna (Insiderwitz). bO²gie baut seinen Amp auf und zeigt mir, wo man ihn leiser dreht. Schwirbelt schön, das Teil! Waufel versucht mir im Laufe des Abends ernsthaft zu erklären, dass man seinen Amp nicht leiser drehen könne. Kann man aber doch.

Aus verschiedenen Gründen packe ich so langsam am noch recht frühen Samstag abend meine Sachen zusammen, ausgenommen meinen Gitarrenständer, und mache mich wieder auf den Weg in die Heimat.

Von Motorschäden, Staus, Baustellen, Nebel etc. während der Heimfahrt erzähle ich mal an langen Winterabenden...

So war´s ungefähr, glaube ich. Und bevor ich mir das jetzt das dritte Mal durchlese und es noch länger wird, ab dafür!

Matthias



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