Re: (Strats) mein Vergleich Erle/Rosewood vs Swampash/one-piece
Beitrag von Rick_plays_the_blues vom Januar 27. 2009 um 07:00:33:
Als Antwort zu: (Strats) mein Vergleich Erle/Rosewood vs Swampash/one-piece geschrieben von ferdi am Januar 26. 2009 um 10:54:48:
Hallo Ferdi,
ist schon einige Zeit her, dass ich meine beiden Strats hintereinander live gespielt habe. Aber ich hab die Squier JV 62RI Strat (Bj. 1983) seit 1994 und die Fender JB Strat (Bj. 2001) seit 2001 - man kennt sich also ...
Der Ausgangssound der Beck Strat ist sehr ausgewogen, gleichmässig mit den typischen Strateigenschaften - dieser fette, tiefe Bass, nicht so laute Mitten und beinahe beissende Höhen - das ganze schön abgestuft über die Pickup-Stellungen, wobei die Zwischenstellungen im Vergleich sanft und weich tönen, die Einzelpickups eher grob ..... das alles innerhalb des sehr ausgewogenen, gleichmässigen, ja fast eleganten Umfeld. Mit Ampeinstellung und Volume und Tone der Gitarre kommt man damit sehr weit herum - soundmässig natürlich - die Gitarre kann rocken, bluesen, weinen, twangen usw. - liefert klingelnde Strathöhenpeaks und dann tönt sie wieder sehr fett nach Brett.
Demgegenüber die Squier - ein völlig anderes Tier. Wild und ungezähmt, nicht zu beherrschen. Hat auch die typischen tiefen Stratbässe und die ausgeprägten Höhen, aber selbst bei "zarter" Ampeinstellung brüllt die Gitarre aus einem gewissen Mittenbauch heraus in - ich sag mal - texanischer Wildheit herum. Die Zwischenstellungen sind hier nicht so deutlich zahmer (siehe Beck Strat) aber doch zumindest etwas. Die Höhen sind zwar auch sehr glasig (Mittelstellungen), aber werden nie so beissend wie bei der Beck. Man kann zwar mit dieser Gitarre ebenfalls alle Stilrichtungen bedienen, aber irgendwie klingt sie immer eher nach Wut und Tränen.
Absichtlich schrub ich noch nichts zu den Pickups, weil ich hab diese zwischen den beiden Gitarren früher einmal (Jugend forscht ...) hin- und her-getauscht, was aber den Grundcharakter der Gitarren nicht verändert hat. Das verwundert nicht weiter, wenn man die Gitarren mal ohne Amp verglichen hat - obige Beschreibungen passen auch zum rein akustischen Klangergebnis (auch wenn das rein akustische Ergebnis bei einer elektrischen Gitarre keinen interessiert ...).
Sucht man die letzten Details, dann ist es doch so, dass die Pickups den beschriebenen Charakter noch weiter unterstützen, als um Feinheiten die Unterschiede vergrösseren. Und zwar die Hot Noiseless auf der Beck Strat (also die Originalbestückung) und Texas Specials (die meist geliebten und meist gehassten Pickups ...) auf der Squier.
Beide haben übrigens einen Ahorn/Palisander-Hals in C-Form (die Beck einen etwas dickeren), die Beck einen Erlekorpus, die Squier entweder Erle oder Linde. Die Beck hat ansonsten noch mpderne Hardware, also Schaller Klemmmechaniken, Rollensattel und AmStd Tremolo, die Squier ist voll vintage. Die Saitenlagen sind hie wie da ziemlich hoch, die Tremolos schwebend für etwa 3 Halbtöne nach oben auf der g-Saite.
Weiter verstärkt werden die Unterschiede einerseits durch die Bespielbarkeit - die Vintagebünde und der 7,25"-Griffbrettradius verlangen eben nach härterem Zupacken als die MJs auf 9,5" - als auch durch entsprechende Saitenwahl (Mädchensaiten = 10er auf der Beck; zumeist 11er auf der Squier).
Für mich ist da die Beck ganz locker die Nummer Eins ..... sie ist viel einfacher beherrschbar, lässt sich schon allein mit den Fingern besser formen, und auch mit allem was dann sonst noch am Kabel hängt. Ein völlig unkompliziert Strat für alle Lebenslagen. Die Squier macht dazwischen mal immer wieder doch sehr Spass, weil sie eben quasi nach einem Dompteur sucht. Man braucht mehr Energie beim Spielen, muss kämpfen usw. Auf Dauer aber werde ich dessen wieder überdrüssig und bin immer wieder froh, zur Beck Strat zurückzukommen ..... die schreit und beißt eben nur dann, wenn ich es mit meinen Fingern so will .....
Ich finde es interessant und erfreulich, wie unterschiedlich die Charaktere unterschiedlicher Strats sein können. Ich finde auch, je länger man sie spielt, desto klarer wird einem der spezifische Charakter ... also eher das Gegenteil von Gewöhnungseffekt. Ich und meine zwei Ladies, wir sind jedenfalls unzertrennlich :-)
LG,
Wolfgang
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