Re: Der "wir mäkeln mal an Soli rum" Sammelthread


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Beitrag von Friedlieb vom Januar 03. 2008 um 12:09:53:

Als Antwort zu: Re: Der geschrieben von groby am Januar 01. 2008 um 14:12:25:

Hi Robert,

: Darüberhinaus finde ich es etwas absurd, wenn einigen Amps (Orange und Reu z.B.) Durchsetzungsfähigkeit attestiert wird als ob es eine magische fünfte Dimension im Sound wäre. Oder gar eine metaphysische Eigenschaft der jeweilig darüber gespielten Soli selbst.

der letzte Satz geht vermutlich ein wenig in meine Richtung, zumindest habe ich hier am Ende des Beitrags jedenfalls einen Zusammenhang zwischen Durchsetzungsfähigkeit und Qualität des Solos hergestellt.

Und da ich da an schlichte, beweisbare und für jeden nachvollziehbare Tatsachen gedacht hatte und nicht an irgendeinen metaphysischen Scheiß, sehe ich Klarstellungsbedarf. Nur für den Fall, daß ich mißverstanden wurde. Denn in der Esoterik-Ecke mag ich nicht stehen, auch nicht aus Versehen.

Also lass uns auf dem sicheren Boden derjenigen Fakten beginnen, deren Existenz wir gemeinsam anerkennen.

Tatsache 1: Es gibt Soli unterschiedlicher Qualität. Es existieren zahlreiche Qualitätskriterien: Melodieführung, Spannungsbogen, Virituosität, Geschwindigkeit, Dynamik, Einzigartigkeit, eine beliebige Kombination aus all diesen Kriterien, und zahlreiche andere Dinge, die ich jetzt nicht aufliste.
Vollkommen unabhängig davon, welche Kriterien jeder Einzelne jetzt zugrundelegt, ist es doch in jedem Fall möglich, eine qualitative Aussage über ein Solo zu machen. Diese Aussage sieht natürlich bei jedem Menschen anders aus, aber niemand findet alle Soli gleich gut. Sogar reine Gitarrenhasser mögen das eine oder andere Gitarrensolo weniger schrecklich finden als die Masse der anderen Soli.

Tatsache 2: Musik wird störend oft empfunden, weil sie mit Geräusch verbunden. Treffender als Wilhem Busch kann man es kaum audrücken. Je mehr "Geräusch" eine Musik für meine Ohren enthält, desto leiser will ich sie machen. Es existiert eine Relation zwischen der Qualität einer Darbietung und der dafür als angemessen empfundenen Lautstärke.
Wenn jemand supertoll spielt, fällt es schwer zu sagen "mach mal leiser", auch wenn er eigentlich zu laut ist. Spielt jemand grottenschlecht, kommt dieses "mach mal leiser" dagegen schon fast reflexartig über unsere Lippen, quasi als reiner Selbstschutz.

Meine Folgerung: Es gibt Soli, die sind so gut, daß man sie gern lauter hören möchte. (Hey, und Martins Solo war so eins, das mußt Du mir einfach mal glauben.) Wenn das auch noch mehreren Leuten gleichzeitig so geht, dann spielen vielleicht alle anderen etwas leiser (was ja eh oft beim Solieren der Fall sein sollte), so daß der Solierende in den Vordergrund tritt. Aber auch im Publikum hört man vielleicht etwas genauer hin, konzentriert sich auf diese eine, tolle Melodie, bekommt jeden Ton davon mit und attestiert anschließend dem Sound eine gewisse Durchsetzungskraft.

So, ich hoffe, nun meine Einstellung zum Zusammenhang zwischen der subjektiv empfundenen Qualität eines Solos und der subjektiv empfundenen Durchsetzungsfähigkeit des entsprechenden Sounds auf eine Art erläutet zu haben, die ohne die Annahme magischer oder metaphysischer Eigenschaften auskommt. :-)

Keep rockin'
Friedlieb



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