Re: (Gitarre) Vibrato-Technik


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Beitrag von ferdi vom Oktober 22. 2005 um 21:00:53:

Als Antwort zu: (Gitarre) Vibrato-Technik geschrieben von Guitar-Chris am Oktober 22. 2005 um 17:54:19:

Hi,

das Vibrato ist in der Tat DAS Ausdrucksmittel der Einzelnote. Es ist schon erstaunlich, wie manche Größen es schaffen, mit einer Kombination aus Anschlag und Vibrato die eine einzelne Note mal frech, mal albern, mal romantisch verklärt und mal aggressiv klingen zu lassen. Das beeindruckt mich tausendmal mehr als aberwitzig schnelle Frickeleien, welche mMn mehr mit Sport, weniger mit Musik zu tun haben.

Ich kann dir nur sagen, wie ich es mache:

Die hohe Kunst ist für mich das Vibrieren gezogener Noten, zB der H-Saite und einen Ganzton. Etwa jede dritte Note ist bei mir gezogen und bestimmt jede zweite vibriert.

Grundsätzlich gehört der Hals der Gitarre für mich dabei IN die Hand, das heißt, der Daumen greift zwangsweise immer oben über das Griffbrett, sodass ich quasi alle Noten auf E6 auch mit dem Daumen greifen könnte und das auch oft mache. Nur so kann ich die nötige "Gegenkraft" zum vibrierenden Finger, der ohne Gegendruck den ganzen Hals verschieben/bewegen würde. Dadurch, dass er IN der Hand liegt, mit Daumen, einem Teil der Handfläche und zB Zeige- und Mittelfinger, können Ring- und kleiner Finger die Saite bewegen, meist in Richtung E6. die Vibratos mit dem Zeigefinger spiele ich aber in Richtung E1, auch die typischen Double Stops auf G- und H-Saite. Ob das durch Drehung aus dem Handgelenk oder durch Streckung des jeweiligen Fingers entsteht ist Geschmacksache, beides klingt etwas anders, selten geschieht eins der beiden in Reinform. Je nach Saitendicke gehört dazu mehr oder weniger Kraft und Schmerzresistenz, bis sich die Hornhaut so weit aufgebaut hat.

Ein Wort noch zum Instrument.
Unterschiedliche Gitarren sprechen auch unterschiedlich auf's Vibrato an. Gibson-artige Gitarren zB neigen dazu, nach dem Abschlag unter dem Vibrato den Ton geradezu aufblühen zu lassen, das liegt mehr am Mahagoni als an anderem. Das kann ganz großes Kino sein (Stichwort Peter Green) und ich habe lange auf solche Gitarren geschworen. Fenders aber sind mMn letzten Endes die sensibleren Gitarren, das liegt zwar hauptsächlich an dem größeren Dynamikumfang, macht sich aber auch beim Vibrato bemerkbar. Eine Lindenkorpus-Jackson mit 16kOhm-Humbuckern und Floyd schließlich hat ihre Stärken auf anderen Gebieten als der Wiedergabe von solchen Feinfühligkeiten wie Vibrato aus dem Handgelenk oder mit dem Finger selbst.


cu, ferdi



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