Re: Bireli Lagrene gestern in Bamberg - ich war auch da
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Beitrag von Kurt vom März 07. 2005 um 14:17:12:
Als Antwort zu: Bireli Lagrene gestern in Bamberg geschrieben von highseppl am März 06. 2005 um 12:46:56:
Hallo Highseppl,
ich war auch bei besagtem Konzert, und hab dich gar nicht gesehen ... ;-) oder doch? Weiß aber nicht, wie du aussiehst ... tja, das kommt davon, daß es in so einem Forum anonym zugeht.
Ich habe noch NIE so einen Virtuosen gesehen - und ich hab schon viel gesehen, schließlich bin ich schon ein alter Sack ;-))
jep, an Virtuosität hats wirklich nicht gemangelt! Die Leichtigkeit, mit der er 16tel und 32tel-Läufe übers ganze Griffbrett zaubert, ist sehr beeindruckend. Auch extreme Streckberger-Akkorde baut er locker ein - und solche Cluster-Voicings z.B. heben ihn vom "klassischen" Zigeunerjazz ab. Aber sein Spiel ist sehr "verspielt", viele Schnörksel, Zwischenläufe ... das zeigt unverkennbar seine Wurzeln. Nicht daß ich ihm da was wegnehmen will: es ist alles stimmig was er macht, und die virtuosen Läufe passen gut und er versteht es auch, damit was auszudrücken, (anders als z.B. m.E. Sagmeister) also nicht nur Gefuddel um des Beeindruckens willen. Obwohl er sich selbst als Virtuoso schon gefällt, das merkt man auch. Für mich ist so schnelles Spiel aber "nur" ein Stilmittel von vielen - das ich selber leider ganz und gar nicht beherrsche.
Was mich mehr beeindruckt hat, ist die Musikalität und das Zusammenspiel und die Kommunikation mit den Mitmusikern. Mir gefallen Soli besser, die langsamer und dafür melodiöser gespielt werden und nicht so sehr aus jagenden Läufen bestehen, wie von Herrn Lagrene meisterlich in "The Shadow of your smile" dargeboten, für mich das beste Stück des Abends.
: Es wurden nur Standards zum besten gegeben, die ungeprobt waren - und dazu eben viel improvisiert. Standards: ja. Ungeprobt: nein. Die Groove-Wechsel zwischen Intros und Themen oder auch innerhalb der Stücke, oder die Rhythmik, die der Interpretation kompletter Standards zugrundegelegt wurde, das geht nicht ohne Proben. Daß viel Improvisiert wurde ist klar, das gehört zum Jazz, und in einem Trio wird das auch noch ausgiebiger als in größeren Besetzungen praktiziert.
Allein die Intros des Herrn Lagrene waren so unglaublich - und jedes Mal setzte er noch einen drauf! Und die Persönlichkeit und Souveränität waren überwätigend. Das unterschreibe ich voll und ganz! Allein das Intro zu "Someday my prince will come", angelehnt an eine Bach-Invention (Johann Sebastian, jawohl) war phänomenal! Was ich noch nie bei einem anderen Gitarristen gesehen habe, waren seine humorvollen Einlagen, z.B. die tiefe E-Saite während des Solos mehrmals runterzustimmen und dann ein kurzes Solo aus Rauf- und Runterstimmen der E-Saite zu bauen, ein absolut witziger Gag!
Ich kann Euch nur wärmstens ans Herz legen, Euch diesen Gitarristen mal anzusehen, wenn Ihr die Gelegenheit habt! Mein Reden.
: Sein Equipment: Gibson L-5, Kabel, Roland Jazzchorus 120. Das sei den G.A.S.-Befallenen ans Herz gelegt: Just a man and his guitar. Natürlich, so wird man einwenden: mit einer (unerschwinglichen) L-5 Custom (so stands auf der Kopfplatte) ists keine Kunst, da brauchts auch keine Tretminen mehr ...
Gruß Kurt
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