(Meinung) Hören wir genau hin.


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Beitrag von Matthias vom Juni 26. 2000 um 17:42:49:

Hören wir genau hin

Das Gras wächst im Frühjahr deutlich basslastiger als im Sommer. Es sei denn, im Mai ist richtig gedüngt worden, dann bleibt der Klang transparent und clean, etwas blumig im Abgang mit einer leicht roten Kopfnote. Da muß man nur mal genau hinhören.

Wenn wir genau hinhören, machen Batterien unterschiedlicher Hersteller Unterschiede im Klang aus. Wenn wir noch genauer hören, "klingen" sogar zwei brandneue Batterien des selben Herstellers unterschiedlich. Die Auswahl des zehn Zentimeter langen Patchkabels hat selbstverständlich auch einen Einfluß auf den Gesamtklang. Hören wir doch mal genau hin! Ein Akkord und ein paar Töne, nix verändern und genau so weiterspielen. Und? Es klingt doch jetzt anders als eben, oder? Nein? Oder doch?

Es klingen selbst zwei Töne des gleichen Gitarristen über die gleiche Anlage unterschiedlich. Niemand wird bestreiten, dass eine Gitarrenanlage incl. Gitarre und Gitarristen altert - vom Verschleiß der Saiten bis zum Nachlassen der Speaker. Dazu kommen die Schwankungen der Luftfeuchtigkeit und die verschiedenen Räume, in denen man spielt. Räume, in denen man doch immer wieder etwas anders spielt, mal mit mehr und mal mit weniger Adrenalin und auch mal ohne. Mal total konzentriert und dann wieder mehr oder weniger mechanisch. Und dann sind da auch noch die Kollegen in der Kapelle, die auch noch von Moment zu Moment unterschiedlich klingen.

Fazit? Wenn wir genau hinhören, werden wir täglich (stündlich? minütlich? von Ton zu Ton?) anders klingen. Wenn wir genau hinhören, ist unser Sound immer wieder anders. Nur wenn wir genau hinhören? Jede Kette ist so stark wie ihr schwächstes Glied. Ubersetzt: Der Sound eines Gitarristen ist immer nur so konstant wie die Komponente mit den stärksten qualitativen Schwankungen. Und das ist meiner Überzeugung nach die "menschliche Komponente". Machen minimale Einflüsse aus dem Equipment nicht deutlich weniger Unterschied als zwei verschieden starke Anschläge der Saite?

Beständig ist allein der Wechsel. Die Qualität unseres Tons ist so flüchtig wie der Augenblick in dem der Ton verklingt. Wenn es wenigstens etwas dauerhafter sein soll, dann müssen wir wohl oder übel mit der Bildhauerei anfangen.


Matthias



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