Re: (Effekte) Frust
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Beitrag von ferdi vom Mai 18. 2004 um 22:40:58:
Als Antwort zu: (Effekte) Frust geschrieben von Woody am Mai 18. 2004 um 12:26:04:
Hallo Woody,
ich kann dir fast nichts raten, möchte dir aber zurufen, dass du nicht alleine bist.
da habe ich einen guten Jazzgitarrenlehrer, Amp und Gitarre für ein Schweinegeld und finde seit Wochen nicht die Zeit und vor allem nicht die Muße, zu üben.
Seit einem halben Jahr habe ich jetzt also Unterricht, Equipment das professionellen Ansprüchen genügen würde und traue mich kaum Leute zu fragen, ob sie mit mir Musik machen wollen, weil ich so schlecht spiele.
Bevor unser Drummer uns verlassen hat, hatten wir uns schon zwei Wochen nicht mehr getroffen, danach hatte ich erstmal so die Schnauze voll, dass ich wiederum zwei Wochen keine Gitare angefasst habe.
Gestern dann das erste Treffen mit Rainer, der sich, um wenigstens etwas gute Laune zu verbreiten, die Mühe gemacht hatte, einige Stücke mit gesampelten Drum-Tracks zu untermalen.
Erster Versuch SRVs "Lenny" zeigte mir deutlich, dass ich tatsächlich seit vier Wochen keine Gitarre mehr in der Hand gehabt hatte.
Durch den Ärger, nicht spontan das spielen zu können, was ich im Kopf hatte, werde ich jetzt wieder zwei, dreimal die Woche in den Übungsraum fahren. Zur weiteren Motivationssteigerung durch Positiverlebnisse habe ich mir noch ein Pedal gekauft, dass die Tage hier eintrifft. Du hattest ja in der Rubrik "Effekte" gepostet, daher gehört dies hierher....
...du musst mMn an den Punkt kommen, dass du entweder Stücke in Angriff nimmst, die du fast schon spielen kannst, oder du musst eben so gut werden, dass du die Stücke spielen kannst, die du "wirklich" willst. Wenn dein Lehrer das nicht so einrichtet, taugt er nichts. Nur bei richtig gewähltem Anforderungsniveau ist die Motivation optimal: zu hoch is' kacke, zu niedrig is' kacke. Denk' an den Esel, der durch eine an einer Angel baumelnde Möhre, die ihm der Kutscher vor's Gesicht hält, in Trab kommt. Wenn er sie für unerreichbar hält, bleibt er stehen, und wenn er sie durch Halsrecken erreichen kann, auch.
Und Skalen und Fingerübungen halte ich persönlich für Quatsch, es sei denn, man übt konsequent genau das, was man am schlechtesten kann. Ansonsten finde ich richtiges Spielen sinnvoller, weil man da alles können muss.
An der Uni habe ich jede Woche einen A**** voll Arbeit, und meinen Job muß ich nebenbei auch noch versehen. Ich bin gar nicht so selten zu Hause, aber wenn, dann habe ich keinen Kopf mehr, mich hinzusetzen, und produktiv zu üben und komme seit Wochen nicht vorwärts.
Es geht auch mit 50-Stunden-Job und drei Kids, Woody. Man muss die Ziele so setzen, dass man Erfolgserlebnisse hat. Vielleicht nimmst du mal was auf, damit du Fortschritte nachvollziehen kannst.
Viele Grüße und Kopf hoch.
cu, ferdi
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