Re: (Sonstiges) Gewerbe anmelden - wie macht ihr's?
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Beitrag von Condor vom November 18. 2003 um 23:04:21:
Als Antwort zu: (Sonstiges) Gewerbe anmelden - wie macht ihr's? geschrieben von Hartmuth am November 18. 2003 um 09:48:16:
Hi!
Wozu willst Du einen Gewerbeschein? Rausgeschmissenes Geld, oder bist Du so erpicht darauf, Gewerbesteuer zu zahlen?
Was willst Du bei der IHK?
Industrie und Handelskammer? Du stellst nix her und Du handelst mit nix.
Sprich die Pfeifen erst garnicht an - keine schlafenden Hunde wecken, die erzählen Dir sonstwas, nur um irgendwelche überflüssigen Gebühren, auf die sie keinen Anspruch haben, abzuzocken.
Als Musiker müsstest Du eigentlich als Freiberufler agieren können, bedeutet: Steuernummer beim Finanzamt beantragen - fertig!
Danach: jedes Jahr die Einkommensteuer-Erklärung machen. Alle (Alle!) Einnahmen aufführen, alle Ausgaben (Benzin, Hotelkosten, Instrumente, Saiten, Verpflegung etc. pp.)
Du kannst als Freiberufler auch nebenberuflich tätig sein.
Eines ist klar: dadurch, dass Du Deine Gagen/Honorare offiziell versteuerst, wird die Gage höher - kann dem zahlenden Veranstalter aber egal sein: ob er 200 Euro schwarz bezahlt oder 350 Euro offiziell mit Rechnung kommt für ihn auf das Gleiche raus. De Schwarzzahlerei ist in Gaststätten sowieso bald endgültig finito - das Finanzamt hängt vampirähnlich an den Kragen von Wirten...
Und lass Dir nicht weismachen, Du müsstest nach Ablauf einer bestimmten Frist im Plus sein - totaler Unsinn.
Wenn man eine Tätigkeit wegen Verlustgeschäft einfach so als Hobby deklassieren, und somit die steuerliche Absetzbarkeit entziehen könnte, dann gäb es in Deutschland nur noch halb so viele Kleinstunternehmen.
Früher war es so, dass man nach einigen Jahren dem Finanzamt nachweisen musste, dass man gewinnorientiert arbeite.
Dem ist heute nicht mehr so!!!
Nur: stehen die Ausgaben in einem nicht mehr vertretbaren Verhältnis zur Tätigkeit, gibts Ärger.
Beispiel: Du hast nen Gig in einer Kneipe nebenan. Fußweg 30 Sekunden. Du lässt Dich aber vom Shuttle-Service in ner Stretch-Limousine mit Catering und Bikini-Mädels quer durch die Stadt fahren, und nächtigst nach dem Gig im teuersten Hotel der Stadt, obwohl Du nebenan wohnst.
Das wird kein Finanzamt akzeptieren.
Aber: Deine neue Traumgitarre rückt in erreichbarere Nähe, wenn Du weißt, dass Du einen erheblichen Teil des Kaufpreises zurückerstattet bekommst. Na, läuft schon der Speichel?
Übrigens: was in einer anderen Antwort hier gepostet wurde, ist nicht ganz richtig: mit etwas überlegter Selbstdarstellung bekommst Du auch Einkaufsscheine für Großmärkte - es kann ja schließlich sein, dass Du zuhause Deine Mitmusiker vepflegst (Kantine!).
Der Übungsraum ist selbstverständlich voll absetzbar. Ein geleastes Transportmittel ist abschreibungsfähig. Verbrauchsmaterialien wie Saiten, Plektren auch. Sogar ein Raum in Deiner Wohnung, als Besprechungsraum mit mölichen Veranstaltern, Mitmusikern ist absetzbar; dass Du diesen Raum auch als Esszimmer nutzt, hat das Finanzamt nicht zu interessieren.
Undsoweiterundsofort.
Ich empfehle zur Steuererklärung drei Dinge:
- Buchhaltungssoftware von "Gantke und Schubert" (ist speziell für Freiberufler fein)
- WISO-Software zur Steuererklärung
- und den neuen Kons, da stehen die wirklich fiesen Gags drin...
Hoffe, Du kannst was mit meinen sicherlich unvollständigen Ausführungen anfangen.
Viel Spaß!
PS: Zum Thema Gema gibts im einschlägigen Musikbuchhandel (MP etc.) inzwischen recht gute, auch für den Laien verständliche Literatur...
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