Re: (Philosophie) Das Gitarrensolo, das unbekannte Wesen
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Beitrag von Woody vom August 05. 2003 um 13:29:02:
Als Antwort zu: (Philosophie) Das Gitarrensolo, das unbekannte Wesen geschrieben von Matthias am August 04. 2003 um 22:24:18:
Hallo Matthias, vorweg, ich kann von mir nicht behaupten, ein fähiger Solist zu sein. Aber ich arbeite dran. Meine Meinung übers Solieren ist, das es sich von einem Gespräch nicht großartig unterscheidet. Um sich zu unterhalten, braucht man Wörter und eine Grammatik. Entweder man hat das Glück, und hat es bereits nebenbei gelernt, wie eine Muttersprache, oder man muß es halt lernen, wie ein fremdes Idiom. Jeder würde unterschreiben, daß sich eine Unterhaltung spontan aus dem Bauch heraus abspielt, aber bis man soweit ist, dauert es doch eine ganze Weile. Auf der Bühne sehe ich mich in gewisser Weise als Schauspieler. Entweder ich improvisiere also einen Vortrag, einen Text, oder ich lege mich mehr oder weniger fest. Alles nicht ehrenrührig, imho.
In meinem Duo stehe ich jetzt vor dem gleiche Problem, meine Sängerin und ich haben uns ja in erster Linie auf Standards geeinigt, und jetzt haben wir halt ein parr Stücke soweit, das wir ganz gut durchkommen, und uns musikalisch aufeinander eingeschossen, und jetzt kommt halt die Phase, in der wir aus den Stücken was machen wollen. Standards haben nur den großen Nachteil, im wesentlichen einstrophig und verhältnismäßig kurz zu sein, also läuft es auch auf Soli heraus. Gesangssoli sind da verhältnismäßig unkritisch für mich als Gitarristen, weitestgehend Business as usual, allerdings muß ich im Moment noch klarere Voicings liefern und mich rhythmisch etwas zurückhalten. Gitarrensoli sind allerdings echt ziemlich böse. Ich habe in den letzten Tagen mal ein bißchen meinen Plattenschrank daraufhin durchwühlt. Da gibt es halt Joe Pass, Tuck Andrews, Tal Farlow usw. usf. die mal locker eben klasse Gitarrensoli aus dem Ärmel schütteln. So gut bin ich aber nicht ;-) Dann gebt es Leute wie Eddie Nünning, die ganz extrem starre, reißbrettartige Soli verzapffen, das mag ich aber auch nicht. Mal sehen, durch Kalusuren u.Ä. haben wir in den letzten paar Wochen nicht geprobt, das geht aber bald wieder los. Es wird wohl darauf hinauslaufen, daß ich mir ein Konzept zurechtlegen werde mit ein paar Anhalltspunkten, desweiteren werde ich mir Soli vorbereiten, um dann in der akuten Spielsituation entweder mehr oder weniger vom Konzept abweichend frei zu solieren, oder halt ein sicheres Solo im Ärmel zu haben. Imho ist Gitarresoloallein auch viel Arbeit im stillen Kämmerlein. Was soll es denn werden? Vielleicht habe ich für Dich ja mal eine passende Platte im schrank, oder Material oder so. Du kannst mich ja mal auf dem laufenden halten, vielleicht kommt man ja zusammen schneller vorwärts... Gruß, Woody
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