Nochmal Steve Earle
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Beitrag von Falke vom Januar 26. 2002 um 17:37:12:
Moin moin,
bin gestern nacht um ein uhr von hamburg nach wupp gefahren - bei relativ beschissenem Wetter und ordentlichem Wind. Hatte reichlich Zeit über das Steve Earle Konzert nachzudenken. First of all: als grosser Freund dieser Musik hab ich Steve Earle solo und die Dukes schon wasweissichwieoft gesehen, und fast jedesmal wars ziemlich amtlich. Der SoloJob in Bochum im letzten Jahr war so ziemlich die einzige richtige Katastrophe, die ich von Herrn Earle je erlebt habe. Im In- und Ausland. Gestern in der Fabrik wars für mich ein guter Job. Ein aufgeräumter Steve Earle, der weiss was er kann - und weiss was er wert ist. Hat seinen Filius mitgebracht, der ebenfalls einen guten Job als Opener gemacht hat. Boogie hat recht mit der Bemerkung, dass er noch in die (sehr grossen) Schuhen seines Vaters wachsen muss. Bei jedem Konzert gibt es immer irgendein Arschloch, dass sich durch plötzliche ebenso lautstarke wie unqualifizierte Bemerkungen hervortun muss, in der Hoffnung mit seiner Stimme auf irgendeinem gerippten Bootleg zu landen um sich selbiges an die Wand zu nageln. Auch gestern lief da so ein Exemplar rum. Ebenso sicher wie ich immer in der falschen Schlange an der Supermarktkasse stehe, steht diese Spezies Mensch immer hinter mir. Ich zog es vor, das Konzert aus anderer Perspektive weiterzuverfolgen und tat gut daran, alldieweil dieser Mensch nach einer wirklich kreuzdämlichen Bemerkung mit erhobenem Bierkrug und glasigem Auge, von Herrn Earle auf eine schwer texanische, dennoch süffisante und höchst eindringliche Art und Weise zusammengefaltet wurde. Wäre dieser Mensch in direkter Reichweite des Künstlers gewesen - hätte es mit Fug und Recht ein paar auf die Fresse gegeben. Hat es aber nicht, der Mensch fuhr seine Lautstärke runter, nicht ohne vorher noch kleinlaut zu jammern: "I'm just kidding, I'm just kidding."
Dann ging es in dem Konzert weiter. Ausgesuchte Stücke mit gewohnter Rauheit vorgetragen, leise und laut - eindringlich und sanft, wie man es von einem Kerl von Earles Statur nicht unbedingt erwartet. Mir fehlte ein wenig der Biss aus den Tagen, als er grade aus den Knast kam, die Drogen abgeschüttelt hatte, und richtig heiß war, Musik zu machen. Aber auch hier ging oder geht die Zeit weiter. Vielleicht ist er auch etwas viel auf Tour. Valentines Day - Christmas Time in Washington - Goodbye Woody Guthry - das waren für mich die Highlites des Abends. Schöne Geschichten mit Herz erzählt. Die "Klopper" wie Copperhead Road kommen definitively mit Band besser. "I ain't ever satisfied" ist Programm und hat fast Hitparaden Charakter. Was ich Klasse fände, wäre Steve Earle mit Los Lobos als Band. Das wär mal spannend. Vielleicht kann das mal jemand forcieren.?
Ja, und - den Kollegen Boogie hab ich noch kennengelernt. Hat mich wirklich gefreut - ist ein ganz netter - genau wie Jaqui. Ich freu mich schon auf Dusiburg - und die anderen Aussensaiter - die wo es so gibt.
NS. Country's for wet eyes - rock'n'roll for wet pants. (Kinky Friedman) Das ist die zentrale Frage des Musikanten: Herz oder Hose?
madetjoot.
falke
(damit ist btw nicht das Tier gemein, es ist mein bürgerlicher Nachname, der sich im Laufe der Zeit von meinem Vornamen erfolgreich emanzipiert hat.)
(btw. fährt jemand nach Austin zum SXSW?)
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