Re: (Technik) Dem Gras beim Wachsen zuhören und stattdessen die eigenen Socken rauchen


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Beitrag von itsLars vom Juli 15. 2020 um 11:49:08:

Als Antwort zu: (Technik) Dem Gras beim Wachsen zuhören und stattdessen die eigenen Socken rauchen geschrieben von Friedlieb am Juli 13. 2020 um 18:00:25:

Moin,

im Bereich Amps kenn ich mich mit Blindtests nicht aus, find ich auch wirklich quatsch. Bin für mich deutlich zu der Erkenntnis gelangt, dass das Geld meist besser in Gitarrenunterricht angelegt wäre als in Equipment ;-)

Zum Bereich HiFi gibt es hier eine interessante Übersicht an Doubleblind-Tests: 

https://www.audiosciencereview.com/forum/index.php?threads/catalogue-of-blind-tests.8675/

Diese Webseite ist im Übrigen insgesamt äußerst lesenswert, wenn man sich für HiFi / 'HighEnd' interessiert und kein Geld in den Sand setzen möchte. Dort sind schon viele Quacksalber messtechnisch entlarvt worden.

lg Lars

: Ja, ihr Lieben, wo fang' ich an.
: Vielleicht mit einem Disclaimer. Dies wird kein politischer Beitrag. Denn Politik gehört nicht in dieses Forum. Da aber auf eine Art irgendwie alles Reden auch Politik ist, genauso wie musikalisch fast alles irgendwie auch Jazz ist (außer Pilze), präzisiere ich mal: nach meinem Verständnis ist es insbesondere Parteipolitik und Ideologisches, was zu Kummer und Verdruß in Foren führt. Keine Sorge, das Folgende hat nichts mit alledem zu tun.
: Mir geht es um die Frage, welchen Konsens man finden und haben sollte bei der Frage, wie Fakten erkannt werden. Und ob man sich vielleicht auf einen Weg einigen kann, bei dem nachher alle zu einer bestimmten Tatsachenbehauptung sagen "ja, stimmt" oder "stimmt nicht". Also so simple Thesen wie die Forderung, dass eine Tatsachenbehauptung falsifizierbar sein muss. Konzepte wie Russell’s Teapot oder Ockhams Messer setze ich mal als bekannt voraus.
: Kurz, es geht um die Frage einer gemeinsamen Wahrheitsfindung bei unterschiedlichen Ausgangspositionen. Dabei habe ich hier ausdrücklich nur Musik/Technik im Sinn. Mir ist aber bewusst, dass direkt jeder auch an so Begriffe wie Fake News, Infodemie etc. denkt, und das wäre dann irgendwie politisch. Das will ich aber nicht, lasst uns das also auf den musikalischen Aspekt beschränken.
: So, genug disclaimt. Jetzt geht's los.
: Habt ihr schon die aktuelle Kolumne von Hifi-Udo in dem bekannten Heftchen gelesen?
: Er hört, wie herum die Feinsicherung bei einem Amp im Halter steckt.
: Ich zitiere das nicht wörtlich und mache kein Foto davon, aber es geht darum, dass in jedem Amp ja irgendwo in einem Sicherungshalter eine kleine Schmelzsicherung ist, die bei einem Defekt an der Schaltung Schlimmeres verhindern soll und dann lieber rausfliegt. Eine solche Sicherung kann man so herum oder anders herum einsetzen. Und Herr Pipper ist nach eigenem Bekunden in der Lage, mit seinen eigenen Ohren zu hören, dass der Amp mit der Sicherung in der einen Position besser klingt als in der andern.
: (Randbemerkung: eine solche Sicherung kostet normalerweise fast nichts, im Zehnerpack keine 10 Cent, aber der wahre HiFi-Enthusiast kann auch mal etwas mehr Geld dafür hinlegen, so er denn den Produktbeschreibungen Glauben schenkt. Diesen erheiternden Link wollte ich zwar gern noch unterbringen, aber mir geht es erst mal nur um die Einlege-Richtung einer handelsüblichen Sicherung.)
: Und jetzt muss ich noch was disclaimen, bevor jemand das in den falschen Hals bekommt: ich finde es vollkommen okay, wenn jemand viel Geld für sagen wir mal Monster- oder Vovox-Kabel ausgibt. Erstens bieten diese Hersteller sehr gute Qualität auch jenseits der Zusatzversprechen, zweitens ist das Konzept mit dem einseitig angeschlossenen Masseleiter bei Vovox ja eine handfeste technische Gegebenheit, und drittens ist das Gitarrenkabel ja nun mal kaum bestreitbar eine extrem wichtige Komponente, die für den Transport der sehr geringen elektrischen Energie zuständig ist, die ein passiver Pickup nun mal nur abgibt. Darum geht es mir nicht.
: Mir geht es nur um die Sicherung. Und die ist mir heute früh fast rausgeflogen, als ich den Artikel nochmal gelesen habe. Immerhin ist die Sicherung ja ganz vorn, also direkt in der Stromversorgung, da fließt überhaupt kein Audiossignal durch, die Verstärkerschaltung hat also nicht die geringste Chance, überhaupt etwas von der Beschaffenheit der Sicherung zu "merken", so diese denn technisch in Ordnung ist.
: Aber es gibt Leute, die es hören, wenn die Sicherung anders herum sitzt.
: Grmpf. Das ist so extrem unwahrscheinlich, und es gibt keinen plausiblen Erklärungsansatz dafür - und nein, "ich höre das aber" ist kein plausibler, belastbarer Erklärungsansatz. Für solche Behauptungen gilt aus gutem Grund vor Gericht (die Fachleute mögen mir meine plumpe Vereinfachung nachsehen) und auch in der (Natur)wissenschaft die einfache Regel: Wer etwas behauptet, der muss es auch beweisen (können). Leicht einzusehen, dass dies um so mehr gilt, je unwahrscheinlicher die Behauptung klingt.
: Es kann natürlich sein, dass auch eine sehr unwahrscheinlich klingende Behauptung wahr ist. Dann beweist man sie halt. Oder man findet im ersten Ansatz zumindest einen plausiblen Erklärungsansatz und verschiebt den handfesten Beweis auf später. Das bloße Aufstellen der Behauptung aber reicht in keinem Fall aus.
: Ich bestreite nicht die Ernsthaftigkeit, mit der unser guter Mann hier selbst daran glaubt, den Unterschied wirklich zu hören. Ich bestreite allerdings bis zum Vorliegen eines Beweises, dass man all das wirklich objektiv hören kann. Stattdessen denke ich, dass Udo hier trotz seiner unbestrittenen Expertise auf verwandten Gebieten Opfer seiner eigenen Einbildungskraft wird.
: Und das Phänomen, dass Menschen Opfer ihrer Einbildungskraft werden, ist wiederum hervorragend dokumentiert und vielfach bewiesen.
: Und nun zum zugegeben sehr kurzen konstruktiven Teil dieses Beitrags.
: Wie könnte ein solcher Beweis aussehen?
: Wie wäre es mit Messen? Wer im Jahr 2020 immer noch behauptet, es gebe Dinge, die man nur mit dem individuellen Ohr "messen" kann, der hat die letzten 50 Jahre Messtechnik verschlafen. (Das wäre vollkommen legitim, aber nicht sehr kompetent.) Alles, was den Klang eines Verstärkers und einer Box ausmacht, kann man messen, und das auch noch in jeder Hinsicht genauer als das menschliche Ohr.
: Für diejenigen, die dennoch das menschliche Ohr zum Maß aller Dinge machen möchten, oder womöglich sogar ausschließlich das eigene, bietet sich ein Doppelblindtest an. Doppelt deshalb, um jegliche Beeinflussung der Hörer durch an dem Test beteiligte "Wissende" auszuschließen.
: Ich habe eine Weile gesucht, ob es sowas in seriöser, belastbarer Form schon gibt, bin allerdings nicht fündig geworden. Wenn da jemand was weiß, schreibt es bitte, ich bin da vollkommen aufgeschlossen und würde mich freuen, widerlegt zu werden. Bis dahin bleibe ich skeptisch.
: Und was meint ihr so dazu? Wie sind eure Erfahrungen mit dem Rumdrehen von Sicherungen? Und wie könnte man sonst noch rausfinden, was die Wahrheit ist?
: Oder spielt ihr lieber Gitarre?
: Keep rockin'
: Friedlieb




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