(Meinung) So nicht!


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Beitrag von Matthias vom Januar 19. 2001 um 10:58:02:

Liebe Gemeinde!

Form follows function. Dieser Grundsatz des Designs ist wahrscheinlich älter als ich und unter den Fachleuten dieses Gewerbes sicherlich schon überholt. Damit eins zu Anfang klar ist: Mein Interesse an Design ist das eines Laien, genauer gesagt, das eines Benutzers.

Und da fühle ich mich in unserer Nische von Produkten schlicht nicht ernst genommen. Im Nachgang zu Session III überlegte flowaro, beim nächsten Mal seinen Amp an die Wand zu lehnen, um sich besser zu hören. Grundsätzlich eine gute Idee. Warum? Weil ein normal auf dem Boden stehender Combo schlicht die Schienbeine beschallt. Stellt man das Gerät auf einen Stuhl, geht der Klang immerhin noch in die Genitalien. Wollen wir jetzt unsere Verstärker sinnvollerweise auf Ohrhöhe bringen, werden wir von Designern und Herstellern allein gelassen. Einzig die schräge 4x12er Box bringt mit der oberen, abgewinkelten Hälfte der Speaker eine vernünftige Richtung des Schalls. Nur – Jim Marshall hat selbst zugegeben, dass die schräge Box lediglich aus optischen Gründen gebaut wurde. Und soll die schräge 4x12er wirklich die Lösung für uns alle sein?

Kippen wir also unseren Combo. Davon abgesehen, dass die Geräte dann nicht mehr besonders standfest sind, ist es auch nicht mehr möglich, Kleinteile auf dem Verstärker abzulegen. Plektren, Kapos, Zigaretten, Feuerzeug, Aschenbecher, Slides – wohin damit? Und ganz nebenbei hat unser Combo dann wegen der fehlenden "Bodenhaftung" auch noch weniger Bass im Sound.

Noch schlimmer als Combos sind 19"-Geräte. Da stopfen Hersteller Funktionen über Funktionen in die Geräte und verkleinern diese bis auf eine Höheneinheit. Der Preis des Racks selbst, also des schlichten Schranks, ist dann der nächste Grund zum Ärgern. Der "Schrank" steht preislich in keinem Verhältnis zum Inhalt.

Der nächste Ärger ist aber nicht weit. Multieffektgeräte, ausgeklügelte Vorstufen, Looper und dergleichen Rackgeräte mehr haben etwas gemeinsam mit Waschmaschinen und Geschirrspülern: Einmal kniet man (!) mit einer unbeschreiblich schlechten Bedienungsanleitung davor und sucht die für sich selbst geeignete Einstellung. Hat man sie gefunden, ist das Berühren jeglicher Regler bei Strafe verboten.

Was bei Waschmaschinen und Geschirrspülern funktioniert, ist bei Musikinstrumenten leider ein fataler Weg. Da im Probenalltag und erst recht beim Soundcheck keine Zeit ist, sich in Ruhe mit der Bedienungsanleitung in der Hand vor das Rack zu knien, wird der Sound im heimischen Wohnzimmer eingestellt. Die Ergebnisse kennen wir alle.

Das ist auch ein Grund, warum Geräte im Retro-Stil häufig besser klingen als moderne. Die Retros bieten einfach eine übersichtlichere Bedienung und somit schlicht weniger Fehlermöglichkeiten. Nur damit wir uns nicht missverstehen: auch diese Geräte sind immer noch bedienerunfreundlich genug.

Bleibt als Fazit nur die Frage: wie lange wollen wir uns die Unverschämtheit schlechten Designs noch gefallen lassen?

Was meint Ihr?

Matthias



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