Re: (Amps) Mein kleines Axe-Fx-Review


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Beitrag von Friedlieb vom Mai 09. 2008 um 15:11:20:

Als Antwort zu: Re: (Amps) Mein kleines Axe-Fx-Review geschrieben von Norbert Schultheis am Mai 09. 2008 um 11:23:17:

Hi Norbert,

: Ist das Teil nicht im Grunde ein rieseiger Equalizer, mit dem ich durch Frequenzveränderungen z.B. aus einem Recto 1 einen Recto 2 mache?

reden wir erstmal nur von Boxensimulationen.

Die Boxensimulationen einfacher Modeler sind tatsächlich als Klangregelnetzwerk aufgebaut, ja. Mit einem ausreichendkanaligen Equalizer bekommt man eine ganz passable Boxensimulation hin.

Damit kriegt man aber nur den Frequenzgang hin. Eine akkurate Abbildung ist so nicht möglich.

Nehmen wir an, Du spielst einen hohen Ton. Oder Obertöne. Die klingen so, wie sie eben aus der Box klingen. Die Membran des Lautsprechers schwingt schnell und mit geringer Auslenkung. Bei einem tiefen Ton das gleiche Spiel, nur daß die Membran hier viel langsamer schwingt und dafür mit stärkerer Auslenkung. Bis jetzt geht es noch mit dem Equalizer.
Nun spielst Du einen tiefen Ton und zugleich einen hohen. Jetzt "reitet" das Hochtonsignal sozusagen auf dem Tiefton. Die hochfrequente Schwingung auf der Membran kommt nicht mehr von einem festen Ort, sondern von einem beweglichen, der vor und zurück schwingt. Das klingt (manchmal nur subtil) anders.
Und diese Art der Interaktion bei hohen und tiefen Tönen bekommt man mit einem Equalizer schon nicht mehr hin.


Jetzt zu den Amps. Hier kommt Nichtlinearität ins Spiel. Denn das ist ja das Wesen der Verzerrung: bei einem cleanen Sound wird der Klang um so lauter, je fester ich anschlage, das ist also linear. Bei Verzerrung setzt selbige irgendwann ein, wenn ich immer lauter spiele. Das ist dann nichtlinear.

Verzerrung entsteht ja so: sagen wir ich habe einen Amp, und ich gebe dem ein Signal von 1 Millivolt, und dann kommt eine Ausgangsleistung von sagen wir 10 Watt raus. Gebe ich ihm 2 Millivolt, kommen 20 Watt raus, und so weiter. Ganz linear. Nun hat er aber nur 50 Watt. Mehr kann er nicht. Gebe ich ihm 5 Millivolt, kommen diese 50 Watt raus. Und wenn ich ihm 6 Millivolt gebe? Kommen trotzdem nur 50 Watt raus, mehr hat er ja nicht. Aber das Signal sieht jetzt nicht mehr so aus wie ursprünglich, es wird an den Spitzen abgeschnitten (genau an der "50 Watt" Kante). Jetzt arbeitet der Amp nicht mehr linear, er verzerrt.

Bei diesen Verzerrungen entstehen zusätzliche Obertöne, und das bekommst Du mit keinem Equalizer dieser Welt hin, zumal je nach Amp-Typ diese Obertöne auch an völlig unterschiedlichen Stellen des Frequenzspektrums erzeugt werden.

Und dann die ganzen zeitbasierten Effekte: Chorus, Hall, Flanger - geht alles nicht mit einem Equalizer.


Nein, der Axe-Fx ist ein spezialisierter Computer, und die einzelnen Effektblöcke sind über ihre mathematische Transfer-Funktion ("was geht rein, was kommt raus") definiert und werden entsprechend ausgerechnet.


Keep rockin'
Friedlieb



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