Re: (Session) GenschManBlues "Hoch auf dem gelben Wagen"


[ verfasste Antworten ] [ Thread-Anfang ] [ Aussensaiter-Forum ]

Beitrag von Saidy vom Januar 09. 2006 um 21:33:56:

Als Antwort zu: (Session) GenschManBlues geschrieben von Gypsy am Januar 09. 2006 um 13:35:24:

:Hallo Saidy, hallo zusammen.
Hallo Frank :-)

:Erkannt habe ich sie natürlich nicht, da ich überhaupt nicht weis wie sie aussieht. Macht aber nix.

ich stand in der ersten Reihe, wo sonst, war ja in der ARD :-) von dir aus gesehen links.

:Mit 39 Fieber Out-Of-Bound, bewachte ich also den Fernseher

Gute Besserung Frank!!!! Ich hoffe dir geht es seit die Sendung zu Ende ist wieder besser! :-)

:Eines ist mir dabei kräftig aufgefallen: Nämlich die Leute
hatten Spaß!

Ja, das hatten sie, nicht nur das Publikum, auch die Künstler.
Aber der Reihe nach.
Lothar, mein Mann, hatte die letzte Woche noch Urlaub und deshalb fragte ich ihn letzten Mittwoch am Frühstückstisch, ob er nicht mit kommen möchte nach Chemnitz. Der Bus hatte 50 Sitzplätze und der Chor wuchs mit Bekanntgabe des Fernsehauftrittes explosionsartig auf ca. 40 Leute an. Tsssss, wer da auf einmal wieder dazugehören wollte ;-)
Jedenfalls war Lothar nicht abgeneigt mitzufahren. Ich rief meinen Chorleiter an und fragte ob es ginge. Er war gleich einverstanden und machte aber sein Mitsingen auf der Bühne zur Bedingung. Ups…da war er ein wenig verschreckt mein Lothar. Ich nahm ihn am Mittwochabend zur Probe mit und dann sollte er entscheiden, ob er sich’s zutraut. An diesem Abend sang er dann schon kräftig mit. Sogar im Sopran! Von der Stimmlage hätte er sicher besser zu unseren Bassisten gehört, aber die Melodie im Sopran war halt die bekanntere.

Samstagmorgen um 4:45 Uhr klingelte erbarmungslos der Wecker. Fürs aufstehen, duschen, rasieren, Haare föhnen, schminken, anziehen, Kaffee kochen, frühstücken, Sachen packen hatten wir 1 Stunde geplant. Hätte auch gereicht, wenn nicht über Nacht Väterchen Frost unser Auto mit einem nicht eingeschneiten Weihnachtsbaum verwechselt hätte. Er machte sicher einmal Schwups mit seinem Eisstab und schon war das Auto ringsum vereist. Wir brauchten ne Weile ehe wir die Scheiben eisfrei hatten.
6:15 Uhr ging’s los Richtung Berlin Mitte zum Stellplatz des Busses.
7:00 Uhr war Abfahrt nach Chemnitz.
10:30 Uhr waren wir da.
Wir wurden von einer Regieassistentin abgeholt und in unsere Garderobe geführt.
Um 10:45 Uhr sollte Kameraprobe sein. In Auftrittsgarderobe sollten wir in 10 min bereit sein. Der überwiegende Teil unserer Chormitglieder hatte ihre Kleidung in Kleidersäcken mitgebracht und mussten sich in diesem Raum umziehen. Meine Freundin Helga, Lothar und ich sind zwar nicht von Natur aus faul, aber wir wissen Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden und fuhren gleich in Auftrittskleidung los. Tchja clever muss man sein. Nun konnten wir entspannt „spannen“ und unsere Sangeskollegen beim Umziehen „helfen“.
Zumal bei Knitterfalten eine Betreuerin zur Verfügung stand, die fix über die Sachen bügelte. Also, wozu ein Haufen Kleidung mitschleppen. Ins Schwitzen kamen wir ja auch nicht…bei nur einem Lied.
Auf der Bühne wurde dann geklärt, von wo aus wir kommen und wie wir stehen sollten. Dann zwei/dreimal geprobt und gesungen und schon hatten wir Freizeit bis zur Generalprobe. Was für ein Stress für die, die sich natürlich wieder umzogen ;-)
Gegen 15:30 Uhr sollten wir geschminkt und feingemacht in der Garderobe auf den Regieassistenten warten. Irgendwann standen wir hinter der Bühne und ein gutaussehender junger Mann schritt durch unsere Reihe und begutachtete unsere Kleidung. Vor mir blieb er auch stehen, sah mich kopfschüttelnd an und zog eine Augenbraue hoch. Dann band er meinen hellblauen Schal, den alle weiblichen Chorsängerinnen über der schwarzen Bluse tragen mussten, noch einmal richtig. Wenn er wüsste, dass ich extra für ihn meinen Schal zu hoch gebunden hatte ;-)
Wir verfolgten nun die Sendung hinter der Bühne auf einem Monitor. Zur Generalprobe war der Saal voller zahlender Gäste. Ein schönes Gefühl und Lampenfieber überkam mich. Oh Gott mein Text…ich hatte ihn doch vorhin noch im Kopf…wo hab ich ihn nur verloren? Ich konzentrierte mich…zwecklos…die Zeilenanfänge waren spurlos verschwunden. Ich könnte wetten, dass derjenige, der den Text gefunden hat jetzt kann ;-)
Das Zeichen der Regie…unser Auftritt. Die Musik ging los, der berühmte Vorhang öffnete sich und wir gingen auf die Bretter, die die Welt bedeuten sollen. Die erste Strophe…keine Kunst, die ist mir Gott sei Dank nicht aus dem Kopf entlaufen. Die zweite Strophe? Hm…Saidy, beweg deine Lippen! Nichts anmerken lassen…Die dritte Strophe klappte dann wieder. Also…das geht noch besser. Ich muss nachher noch mal den Text lernen, sagte ich mir.
Jetzt war es 17:30 Uhr. Freizeit bis 21:15 Uhr. Für ca. 22:05 Uhr rechneten wir mit dem Auftritt. Lothar, meine Freundin Helga und ich gingen durchs Stadtzentrum. Dort entdeckten wir die Chranachausstellung, von der es in Berlin ne Menge Plakatwerbung gibt. Oh, ja, das wäre jetzt das Highlight des Abends. Wir gingen rein und hatten eine wunderbare Stunde. Wirklich unglaublich schöne Bilder der beiden Maler Lucas Chranach dem Älteren und dem Jüngeren, aus dem des 16. Jahrhundert. Auch von Pablo Picasso sind Lithographien ausgestellt. Sehr empfehlenswert. Hier ein kleiner Link für Interessierte: Chranach

Nach einem Eis und Kaffee machten wir uns wieder auf in die Stadthalle in Chemnitz. Unser Liveauftritt stand ja noch bevor. Wir also wieder zurück in unsere Garderobe, frisch geschminkt und den Schal wieder fein umgelegt. Dann nahm ich mir noch einmal den Text vor und versuchte ihn mir im Kopf einzutackern. Gegen 21:00 Uhr gab uns unser Chorleiter unser altbewährtes „heilige Wasser“. Echter Slibovice aus Serbien sollte uns in Stimmung bringen und das Unwichtige vergessen lassen. Damit meine ich nicht den Text….nur Hemmungen, die wir hier nicht gebrauchen konnten. Ein kleiner Schluck auf EX…huuu…heiß in der Kehle und im Bauch. Die Stimme wurde locker. Zum Einsingen gab’s den „Kleinen grünen Kaktus“ und den „Gefangenenchor“ aus Nabucco.
Dann verbrachten wir fast eine Stunde auf dem Flur vor unserer Garderobe in Reihe und Glied und warteten auf den Regieassistenten…um zum Auftritt geholt zu werden. Haben sie uns vergessen? War das die Rache unseres verpatzten Auftritts vor einem Jahr? Wir hatten keinerlei Info warum wir so lange warten mussten. Wir konnten uns nur denken, dass sie so lange überzogen haben. Endlich! Da kam das Schnuckelchen, der hübsche Assistent der Regie und holte uns. Eine viertel Stunde mussten wir zwar hinter der Bühne noch warten aber das war sehr angenehm. Denn mit uns wartete Hans Dietrich Genscher. Und der „Schalbeschauer“ ging auch durch unsere Reihen. Er blieb wieder vor mir stehen, zog eine Braue hoch, schüttelte mit dem Kopf und sah mich an. Prima, sagte er, lächelte und stellte sich dann zwischen Helga und mir. Als dann der wunderbare Andrè Rieu seinen Walzer anstimmte, schnappte uns das Schnuckelchen und tanzte mit uns im Walzerschritt. Die Assistentin, die die Aufsicht hinter der Bühne hatte, schaute uns ein wenig grimmig an. Egal…wir hatten Spaß.
Dann das Zeichen der Regie. Unser Auftritt. Jetzt vor Millionen Zuschauern. Das „Heilige Wasser“ wirkte Wunder. Kein Lampenfieber mehr, keine Hemmung zu Lächeln und auch der Text kam mir perfekt über die Lippen. Danke an Zarko, unserem Chorleiter!
Es war zwar ein sehr kurzer Auftritt als Überraschungsgast für Altbundespräsident Walter Scheel, aber es war auch ein toller und aufregender Tag. Nach dem Ende der Sendung gegen 23:15 Uhr gingen wir alle gemeinsam zur Aftershowparty. Dort durften wir essen und trinken nach Herzenslust. Wir stießen um 24:00 Uhr zum Geburtstag einer unserer Chorsängerin an und trällerten ihr ein Ständchen. Beifall von allen Künstlern. Wer wollte, konnte hier mit allen quatschen oder sich fotografieren lassen. Eine sehr lockere Atmosphäre herrschte dort. Kein Saufen, wie man das manchmal in der Presse lesen muss. Um 1:10 Uhr ging es dann wieder Richtung Berlin und 5:30 Uhr lagen Lothar und ich im Bettchen. Der Arme musste gegen 13:30 Uhr wieder los in den Schwarzwald zur Arbeit.
Noch was Kleines für die Statistik: 6,34 Millionen Zuschauer, 19,9 % Marktanteil aller Sender. Höhepunkt, mit Platz 1, aller Sendungen zwischen 20:15 und 23:00 Uhr.
Und noch ein Link zur Sendung: Infos zur Sendung

hzl. Saidy :-)


verfasste Antworten:



Dieser Beitrag ist älter als 3 Monate und kann nicht mehr beantwortet werden.